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Ein „Townhall Man“ für Joan Baez

11.07.2012 | 18:23 |  von Samir H. Köck (Die Presse)

Die Folksängerin Joan Baez ist unermüdliche Kämpferin für eine bessere Welt, und machte in Wien eine neue Männerbekanntschaft mit dem Goldenen Rathausmann.

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Sie wäre so nur zu gern das gewesen, was Bob Dylan ziemlich schnell nicht sein wollte: die „Stimme einer Generation“. Während ihr ehemaliger Gefährte Dylan bald raffinierte Strategien der Verrätselung gegen die Instrumentalisierung seiner Kunst durch die Politik einsetzte, betreut Baez mit ungebrochener Naivität seit 53 Jahren innen- und außenpolitische Themen. Sie hakte sich bei Martin Luther Kings Bürgerrechtsbewegung genauso ein, wie in der Phase des Zusammenbruchs des Kommunistischen Europa bei denen, die zunächst Renegaten, später hohe Amtsträger waren, bei Lech Wałęsa und Václav Havel.

Die glockenhelle Sopranstimme war ihre Waffe gegen Diktatur und Krieg. „Gewaltlosigkeit“ ihre wichtigste Losung. Sie meldete sich zu Vietnam und Bosnien-Herzegowina, Irak und China zu Wort. Egal, ob samtene Revolution oder Arabischer Frühling, Joan Baez hat immer das passende Lied auf den Lippen. Sie gründete bereits in den Sechzigerjahren die kalifornische Abteilung von Amnesty International und nahm seither prompt zu allen Themen zwischen Antifaschismus, Frauenemanzipation und Rüstung Stellung. Spätestens im kriegsverheerten Sarajewo, wo sie in kugelsicherer Weste mit Straßenmusikern aufspielte, stilisierte sie sich zu einer Art Ikone der Betroffenheit.

An die 2000 Fans, manche davon schon mit Gehhilfe, feierten die Woodstock-Legende Baez in der Wiener Stadthalle. Ihren Liederreigen startete die 71-Jährige mit „God Is God“, einem gottesfürchtigen Steve-Earl-Song, der trotzig den Glauben ans Wunder verteidigte. Die Frage, ob politische Songs irgendeine Auswirkung auf die Zustände einer Gesellschaft haben, ist seit Langem dankbarer Diskussionsstoff.


Nicht so wenige Musiker bezweifeln es. Für die meisten heutigen Musiker sind politische Themen ein Tabu. Pop dient seit Langem eher als Ventil für Verdrängtes oder als unhinterfragender Wonnemacher, denn als Vehikel der Politisierung und Volksbelehrung. Davon wollte die in nostalgischem Sixties-Gefühl schwelgende Vizebürgermeisterin Renate Brauner naturgemäß eher nicht viel wissen. Sie würdigte Baez bei der Verleihung des Goldenen Rathausmannes als „Stimme des Friedens in schwierigen Zeiten“ und meinte gar, dass sie überhaupt „die Erste sei, die diesen Preis wirklich verdiene“.

Dann erklärte sie der Quäkerstochter aus Staten Island stolz, dass dieser so harmlos in einem Schächtelchen ruhende „Townhall Man“ ein Symbol für die Selbstermächtigung der Politik über die Kirche ist. Joan Baez folgte artig den Ausführungen, lächelte an den richtigen Stellen und ließ sich geduldig mit Stadthalle-Geschäftsführer Wolfgang Fischer und Amnesty-International-Österreich-Chef Heinz Patzelt fotografieren. Das war eine andere Szene, die Bob Dylan bot, als er kürzlich von Präsident Obama die Medal Of Freedom umgehängt bekam. Der bekannt störrische Dylan ließ bei der Ehrung seine Sonnenbrillen auf. Er akzeptierte die Auszeichnung stumm, mit ironischem Augenbrauenheben und einem Schlag auf die Schultern des Präsidenten. Während er sich durch erratisches Verhalten die Freiheit erhält, würde die ungebremst kommunikative Joan Baez wohl am liebsten permanent Truppenbetreuung machen bei den Heerscharen, die die Werte des Westens in die Welt hinaustragen.

Zu den berührendsten Momenten ihres Konzerts zählte das oft im Einsatz gewesene Pete-Seeger-Antikriegslied „Sag mir, wo die Blumen sind“. Baez interpretierte es auf Deutsch, wie einst Marlene Dietrich, die es 1962 zum Welthit machte. Welches Resümée zieht man, wenn sich trotz lebenlangen Engagements die Welt weigert, besser zu werden, und immer noch Bedarf an Antikriegsliedern besteht? Baez und Brauner waren sich einig: „Manches ist erreicht, vieles noch anzustreben. Wichtig ist, dass die Menschen nie den Glauben an die Veränderbarkeit der Verhältnisse verlieren.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.07.2012)

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3 Kommentare
Gast: schade
12.07.2012 15:46
0 0

Oberflächlich und bösartig

Wer Joan Baez für naiv hält, sollte sich doch besser mit ihren Ansichten beschäftigen als es der Autor offensichtlich getan hat.

Gehhilfen kann man auch schon in jungen Jahren brauchen. Nicht jeder ist fit und gesund - das ist keine Frage des Alters.

Ein solch oberflächlicher und bösartiger Artikel ist einer Zeitung wie der Presse nicht würdig.

Gast: schade
12.07.2012 15:45
0 0

Oberflächlich und bösartig

Wer Joan Baez für naiv hält, sollte sich doch besser mit ihren Ansichten beschäftigen als es der Autor offensichtlich getan hat.

Gehhilfen kann man auch schon in jungen Jahren brauchen. Nicht jeder ist fit und gesund - das ist keine Frage des Alters.

Ein solch oberflächlicher und bösartiger Artikel ist einer Zeitung wie der Presse nicht würdig.

Gast: Pfluderer
12.07.2012 13:40
0 0

Rathausfrau

Das Geschreibsel ist an Böswilligkeit und Ahnungslosigkeit wohl kaum zu überbieten!!!