Es gibt Veranstaltungen, die gehören zum Sommer wie Harald Serafin zu Mörbisch und die „Kleine Zeitung“-Weinkost zum Pogusch. Nur, dass Ersterer am Donnerstag von Mörbisch Abschied genommen hat (was macht das eigentlich mit dem Sommer?). Dafür war am Pogusch am Freitag alles beim Alten – abgesehen davon, dass der Regen die Anreise per Hubschrauber unmöglich machte.
Nur wenige Ereignisse gibt es, bei denen so viele politische Namen proaktiv Einlass begehren wie zu jenem in grüner Höhenlage im (steirischen) Steirereck der Reitbauers. Da macht auch Schlechtwetter nichts – wie langjährige Österreich-Urlauber wissen, gehört Weintrinken ohnehin zu den besten Schlechtwetteraktivitäten. Zumal, wenn es darum geht, in guter Gesellschaft die besten „Steirer“ zu verkosten.
Also wurden Schirme für den Wein aufgespannt, die Party wurde ins gemütlich-holzige Innere verlegt. Dort verband sich die halbe Winzerwelt mit großen Teilen der steirischen Landes- und österreichischen Bundesregierung (Mitterlehner, Berlakovich, Hundstorfer, Heinisch-Hosek, Karl, Schmied, und Bures). Spät aber doch stieß auch ein gut gelaunter Heinz Fischer dazu. Stammgäste wie Werner Schneyder, Gerhard Roth, Klaus Maria Brandauer, Christian Ludwig Attersee und Erwin Wurm waren gekommen, die Gastronomen Kim Sohyi, Eselböck und Witzigmann, Nicholas Ofczarek und Karl Markovics. Selbst Tobias Moretti hatte sich verletzt mit Beinschiene angeschleppt – und unterbrach seine Vorbereitung für die Rallye Paris-Dakar.
Tags zuvor, am Donnerstag, war in Mörbisch eigentlich auch alles wie immer, sprich: Wer die Wiener Gesellschaft studieren will, findet sie hier so geschlossen versammelt wie selten sonst. Geboten bekam man heuer die „Fledermaus“ (deren Uraufführung übrigens einst wegen Wirtschaftskrise verschoben werden musste), und wer wollte, konnte sich fast einbilden, den einen oder anderen Charakter des Stücks im Publikum wiederzuerkennen. Reiche und weniger reiche, angehende Künstler und echte, Selbstdarsteller, Ballfreunde, Advokaten, (zumindest minderer Delikte) Überführte und Popscherlklopfer. Aber wer würde das schon wollen?
Der Gastgeber jedenfalls hielt die erwartet Serafin'sche Begrüßungsrede, wanderte im Kamerapulk vergnügt sein Publikum entlang, grüßte Landeshauptmann Hans Niessl, vermisste dessen Vize Franz Steindl („der steckt bestimmt im Schiffsstau“). Gekommen waren Serafins Freunde, Peter Weck oder Maximilian Schell, und neben Ehefrau Ingeborg und Sohn Daniel, der sang, auch seine Tochter Martina. „16 oder 17 Jahre“ sei sie nicht dabei gewesen, glaubt der Vater. Dass die Sopranistin nun, in Mailand die „Tosca“ probend, „in ein Flugticket investiert hat, finde ich sehr lieb“.
Der Rest hatte sich wohl nur aus der Bundeshauptstadt dank Bruce Springsteen hinausstauen müssen. Als da, in zufälliger Reihenfolge, waren: Birgit Sarata, die als eine Art überdimensionaler Schmetterling posierte, Edith Leyrer, Albert Fortell, Adi Hirschal und Gerhard Tötschinger, Thomas Schäfer-Elmayer und Manfred Ainedter, Marika Lichter und Richard Lugner, Eva Walderdorff und Christa Mayrhofer-Dukor.
Dazu auch hier mehrere Minister (Schmied, Heinisch-Hosek, Darabos, Hundstorfer, Berlakovich), die Landeschefs Michael Häupl und Franz Voves und Altkanzler Vranitzky. Oder auch: „Purzl“ Klingohr, Hans Mahr, Natalia Ushakova und Gery Keszler, Toni Mörwald und Lotte Tobisch, Edi Finger und Barbara Karlich, Steffi Graf und Christian Baha, Alexander Wrabetz oder Stefan Ottrubay, der mit dem Esterházy-Familienvermögen auch Teile des Neusiedler Sees verwaltet.
Wettermäßig hatte Serafin, nachdem 2011 der „Zigeunerbaron“ ins Wasser gefallen war, Glück. Am Ende sahen alle in ihren Gratispelerinen ziemlich lustig aus. Wie auf Regieanweisung hatte der Regen an passender Stelle eingesetzt: „Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.07.2012)
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