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Anja Pärson am privaten „Steilhang“

20.07.2012 | 18:21 |  von Hannes Gamillscheg (Die Presse)

Höhenflug nach dem Outing: Ex-Skistar Anja Pärson erobert als lesbische Mutter die Herzen der Schweden.

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Ein grobkörniges Foto auf Twitter ist bisher alles, was es an Bildern von Anja Pärsons kleinem Wunder gibt. Die ehemalige Spitzensportlerin aus Schweden kontrolliert sehr bewusst, wie viel von ihrem Privatleben sie mit der Öffentlichkeit teilen will. Doch seit sie zu Sommerbeginn in einem offenherzigen Radioprogramm „ganz neue Seiten“ von sich enthüllte, ist es vorbei mit dem großen Versteckspiel.

Jetzt wissen alle Schweden, dass Pärson lesbisch ist, dass sie Mutter wurde, und alle lieben sie dafür. Trotz ihrer Skitriumphe war Pärson in ihrer Heimat nie uneingeschränkt populär, zu kratzbürstig trat sie auf, zu hart war ihre Schale. Doch seit sie sich bloßstellte, hat sie die Herzen ihrer Landsleute erobert. „Fantastisch, Anja“, war die einhellige Reaktion auf ihr landesweites Outing, und ein großes „Grattis“, wie die Schweden sagen, zum Mutterglück.

Knapp drei Wochen ist es her, dass die 31-Jährige auf Twitter mitteilte, dass der „feinste kleine Junge in die große Welt“ gekommen sei („Die Presse“ berichtete). „Glücklicher kann ich nicht werden.“ Dass es ihre Partnerin Filippa war, die das Kind zur Welt brachte, ging daraus nicht hervor, war aber zu errechnen. Ihr Radioprogramm zehn Tage davor hatte sie mit der Ankündigung beendet: „Seit neun Monaten weiß ich, was ich künftig tun werde: Ich werde Mama!“ Doch noch im März war sie Rennen gefahren, ohne Babybauch.

Nach dem Sommer werden Anja, Filippa und Söhnchen in ein Haus in Schweden ziehen, „jetzt kann ich endlich Wurzeln schlagen“, sagt Pärson. Die letzten Jahre hat die Großverdienerin aus Steuergründen in Monaco gelebt, von der Beziehung zu Filippa Rådin wussten nur wenige Vertraute und ein paar aus dem Skimilieu, und sie hielten dicht. Bis sich Pärson nun auf den „steilsten Hang der Karriere“ wagte, wie sie ihren Auftritt im populären Radioprogramm „Sommer“ diese Woche bezeichnete. Dort erörtern Prominente 90 Minuten lang zu selbst gewählter Musik selbst gewählte Themen. Pärsons Thema war Filippa.

Sie traf die heute 39-Jährige, weil sie immer Probleme hatte, „passende Jeans für meinen Slalom-Hintern“ zu finden und in ihrer Not die Inhaberin von Umeås schickster Modeboutique anrief. „Mich traf der Schlag“, fühlte sie, als sie Filippa sah, doch ehe von Liebe die Rede war, vergingen Jahre.

Da war es Filippa, die zur Sache kam: „Ich glaube, ich liebe dich.“ Auch Pärson war verliebt, das wusste sie, aber sie war „doch nicht lesbisch“. Sieben Jahre lang hatte sie eine Beziehung mit einem ihrer Trainer gehabt. „Ich war mit einem Traum aufgewachsen, wie mein Prinz aussehen sollte, und ich weigerte mich, mir meine Liebe einzugestehen.“

Zwischen der Einsicht und dem Mut, die Beziehung publik zu machen, lagen fünf Jahre. „Verliebt zu sein und davon nichts zu erzählen, ist hart“, doch sie hatte keine Lust, statt über Rennerfolge plötzlich über ihr Liebesleben Auskunft geben zu müssen. Darum schwieg sie, bis ihre Karriere zu Ende war. Drei Monate nach ihrem letzten Rennen war sie bereit.


Obwohl: Ganz glücklich war sie damit nicht. „Ist es gerecht“, fragte sie, „dass man sich rechtfertigen muss, wenn man mit einer Person des eigenen Geschlechts zusammenlebt?“ Dabei ist Schweden in der Beziehung ziemlich weit, viele Sportlerinnen sind offen lesbisch. Schwule haben es schwerer. Zwar erntete Fußballer Anton Hysen Anerkennung für sein Outing, doch er ist nur Zweitligaspieler. Dem Publikumsterror in den großen Arenen will sich auch in Schweden kein Spitzensportler aussetzen.

Pärson wusste, dass es eine Frage der Zeit war, ehe die Boulevardpresse vom Baby Wind bekäme. Mit ihrem Radioauftritt behielt sie die Kontrolle, wie so oft auf den Skipisten, wenn sie in den wichtigsten Rennen ihre besten Leistungen abrief. Vereinnahmt werden will sie nicht. „Auf einer Pride-Parade werdet ihr mich nicht sehen, ich bin keine Ikone, ich bin ich, Anja.“

Zur Person

Anja Pärson wurde 1981 in Tärnaby geboren und ist Schwedens erfolgreichste Sportlerin. Sie gewann Olympiagold im Slalom von Turin 2006, ist siebenfache Weltmeisterin, holte 19 WM- und Olympiamedaillen und gewann zweimal den Gesamtweltcup. Von März 1998 bis März 2012 nahm sie an 381 Weltcup-Rennen teil und gewann 42. Und sie ist die einzige Läuferin, die in jeder Disziplin Weltmeisterin wurde. Sie beendete ihre Karriere heuer mit einem achten Platz im Super-G beim Weltcupfinale in Schladming.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.07.2012)

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18 Kommentare
Gast: Pär-Vers
21.07.2012 19:45
1 0

Damit ist alles gesagt!


"Lesbische Mutterschaft"

Dieser Artikel illustriert wieder einmal die Stellung der Vaterschaft in unserer Gesellschaft.

2 7

Re: "Lesbische Mutterschaft"

Gehn's in a Ecke zum heulen ...

Re: "Lesbische Mutterschaft"

Was hätte man denn sonst schreiben sollen, wenn das Kind (wie anzunehmen ist) durch künstliche Befruchtung gezeugt worden ist und die Eltern ein lesbisches Paar sind?

Der biologische Vater ist wohl eher nicht neugierig auf seine Vaterschaft. Sonst wäre er wohl kaum Samenspender geworden.

Gast: Vogel Strauss
21.07.2012 15:54
5 3

Langsam reicht diese Jubel-Berichterstattung ...

Jede Woche eine neue Meldung über die mutige Frau Pärson ... ich hab genug davon. Es ist ja gut, wenn jemand sicht 'outet' und man soll sich auch nicht verfolgen dafür, aber dies als Normalität, ja als erstrebenswert darzustellen, wie die Medien dies ausgiebig tun, ist wirklich nicht richtig!
Bin gespannt auf die Meinung der Zenzi!

Ja ja, die "Damen"

Die Wahrheit schmerzt. Da helfen auch viele rote Striche nicht.

Biologische Eltern können nur Mann und Frau sein, und alles andere ("soziale Elternschaft" etc.) ist nur Schall und Rauch.

Re: Ja ja, die "Damen"

Sollen sie vielleicht den biologischen Vater, der anzunehmenderweise ein Samenspender bei einer Samenbank ist, dazuschreiben?

Na der tät sich schön bedanken ;).

Re: Re: Ja ja, die "Damen"

Nein, den sollen sie nach Möglichkeit in Frieden lassen (und nicht auf Alimente verklagen, wie das in Schweden ja schon vorgekommen ist).

Dennoch bleibt er der Vater. Frau Pärson ist nicht Mutter und nicht Vater. Das ist ein Fakt.

Antworten Antworten Antworten Gast: schlÄchter
23.07.2012 12:09
0 0

Re: Re: Re: Ja ja, die "Damen"

sg el barato!
richtig: auch jeder homosexuelle hat vater und mutter.
mfg
s.

Herr Gamillscheg:

Natürlich freue ich mich, wie jeder normale Mensch auch, wenn sich 2 gefunden haben und glücklich miteinander sind.

Allerdings: Frau Pärson mag vieles sein, aber Mutter geworden ist sie nicht. Keine Empfängnis, keine Schwangerschaft, keine Entbindung, keine Mutterschaft.

Antworten Gast: Asteroidenschweif
21.07.2012 13:55
6 3

Re: Herr Gamillscheg:


Biologische Mutter ist anscheinend die Lebensgefährtin. Bei der derzeitigen Rechtslage darf das Kind den Vater, vermutlich lediglich Samenspender, mit 18. Jahren kennenlernen (wenn ich richtig informiert bin). Bis zu diesem Zeitpunkt darf dem Kind der Vater vorsätzlich vorenthalten werden. Ich bin nicht sicher, aber es ist denkbar, dass die Pärson im Rahmen der Fortpflanzungsnmedizinischen Bestimmungen bereits jetzt rechtlich auch als Mutter gilt. Eine zweite "soziale" Mutter. Oder spätestens nach genehmigter Adoption wäre sie rechtlich Mutter.

Aus Kindessicht sind das unnatürliche familiäre Bedingungen. Es ist am schönsten für ein Kind, wenn sein weibliches und männliches Rollenbild die Menschen sind die es am meisten vertraut und immer verfügbar sind - also Mutter und Vater. Und Kinder lieben die Beziehungsdiversität in einer Mutter-Vater Familie. Einer der beiden einmalig schönen, prägenden intimen Beziehungsformen die ein Kleinkind erleben kann (Vaterbeziehung, Mutterbeziehung) wird dieses Kind nie erleben, obwohl es eigentlich erstrebenswert ist Kindern die schönsten Erlebnisse des Lebens zu ermöglichen, nicht absichtlich vorenthalten!

Die Verwirklichung eines persönlichen Lifestyles und persönlichen Bedürfnissen stehen für manche Erwachsenen im Vordergrund und bewirken in Extrenfällen leider eine konsequente Verdrängung der gebotenen Berücksichtigung der Kindessicht.

Re: Re: Herr Gamillscheg:

"Es ist am schönsten für ein Kind, wenn sein weibliches und männliches Rollenbild die Menschen sind die es am meisten vertraut und immer verfügbar sind - also Mutter und Vater."

Woher wissen Sie das? Gibt es Studien darüber? Wenn ja, wieviele Kinder wurden dazu befragt?

Antworten Antworten Antworten Gast: Asteroidenschweif
22.07.2012 00:05
0 0

Re: Re: Re: Herr Gamillscheg:

Dass eine Beziehung vertrauensvoll ist / positiv erlebt wird sind wichtige Voraussetzungen dafür, dass das Kindesbewusstsein ein Mensch als Bezugsperson und Rollenbild annimmt und, dass sich ein Kleinkind von einem Menschen leiten lässt / bereit ist von ihm zu lernen. Als das Kind aufwächst ist es wichtig, dass es auch weitere Personen als Rollenbilder annehmen kann, (Verwandte, Freunde der Familie, Lehrer), weil Menschen verschiedene Eigenschaften haben die entsprechend der einmaligen Persönlichkeit des Kindes interessieren und von Bedeutung sein könnten und, weil dadurch Grundvertrauen in die Welt / Menschen im Allgemeinen gefestigt wird.

Das heisst auch Vielfalt der Bezugspersonen die positive Rollenbilder sein können ist zunehmend wichtig. Dazu gehört, dass Mädchen und Buben weibliche und männliche Personen in ihrem Umfeld vorfinden sollten die sie als Rollenbilder und Personen von denen sie gerne angeleitet werden annehmen können.

Aber die Kindesentwicklung ist auch immer wieder von kleinen Krisen betroffen!

Alle Kinder, auch Kleinkinder, haben Phasen in denen sie verstärkt eine Identifikationsfigur beanspruchen wollen / müssen - und dann ist es ideal wenn zumindest eine weibliche und ein männlicher Bezugsperson zu denen besonders innige Vertrauensverhältnisse bereits herrschen unmittelbar verfügbar sind. Diese zwei besondere Bezugspersonen zu sein ist einer der wichtigen Aufgaben einer Mutter und eines Vaters.

Antworten Antworten Antworten Gast: Asteroidenschweif
21.07.2012 23:54
0 0

Re: Re: Re: Herr Gamillscheg:

Dass sie um eine Bestätigung durch Studien ersuchen, lässt vermuten, dass Sie nur wenig eigene Erfahrung mit Kindern haben. Denn es handelt sich um grundlegende, allgemein bekannte Bedürfnissen von Kindern während ihrer Entwicklung. Dafür braucht es eigentlich keine Studien, aber leider gerade was Kindesentwicklung betrifft können aktuelle Methoden der Psychologie ohnehin nur beschränkt Auskunft geben. Man fängt erst an Zusammenhänge zwischen Bindungstheorien / Persönlichkeitsentwicklung und den tatsächlichen massgeblichen neurologische Entwicklungen herzustellen.

Wenn Sie Erkenntnisse über Kinder gewinnen möchten empfehle ich Ihnen entweder mehrere Kinder grosszuziehen oder beruflich viel mit Kindern verschiedenen Alters zu arbeiten. Am besten beides.

Antworten Antworten Antworten Gast: Asteroidenschweif
21.07.2012 21:43
0 0

Dass sie nach einer Bestätigung durch Studien ersuchen, lässt vermuten, dass Sie nur wenig eigene Erfahrung mit Kindern haben. Denn es handelt sich um grundlegende, allgemein bekannte Bedürfnissen von Kindern während ihrer Entwicklung. Dafür braucht es eigentlich keine Studien, aber leider gerade was Kindesentwicklung betrifft können aktuelle Methoden der Psychologie ohnehin nur beschränkt Auskunft geben. Man fängt erst an Zusammenhänge zwischen Bindungstheorien / Persönlichkeitsentwicklung und den tatsächlichen massgeblichen neurologische Entwicklungen herzustellen.

Wenn Sie Erkenntnisse über Kinder gewinnen möchten empfehle ich Ihnen entweder mehrere Kinder grosszuziehen oder beruflich viel mit Kindern verschiedenen Alters zu arbeiten. Am besten beides.

Dass eine Beziehung vertrauensvoll ist / positiv erlebt wird sind wichtige Voraussetzungen dafür, dass das Kindesbewusstsein ein Mensch als Bezugsperson und Rollenbild annimmt und, dass sich ein Kleinkind von einem Menschen leiten lässt / bereit ist von ihm zu lernen. Als das Kind aufwächst ist es wichtig, dass es auch weitere Personen als Rollenbilder annehmen kann, (Verwandte, Freunde der Familie, Lehrer), weil Menschen verschiedene Eigenschaften haben die entsprechend der einmaligen Persönlichkeit des Kindes interessieren und von Bedeutung sein könnten und, weil dadurch Grundvertrauen in die Welt / Menschen im Allgemeinen gefestigt wird.

Das heisst auch Vielfalt der Bezugspersonen die positive Rollenbilder sein können ist zunehmend wichtig. Dazu gehört, dass Mädchen und Buben weibliche und männliche Personen in ihrem Umfeld vorfinden sollten die sie als Rollenbilder und Personen von denen sie gerne angeleitet werden annehmen können.

Aber die Kindesentwicklung ist auch immer wieder von kleinen Krisen betroffen!

Alle Kinder, auch Kleinkinder, haben Phasen in denen sie verstärkt eine Identifikationsfigur beanspruchen wollen / müssen und dann ist es ideal wenn zumindest eine weibliche und ein männlicher Bezugsperson zu denen besonders innige Vertrauensverhältnisse bereits herrschen unmittelbar verfügbar sind. Diese zwei besondere Bezugspersonen zu sein ist einer der wichtigen Aufgaben einer Mutter und eines Vaters.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Asteroidenschweif
22.07.2012 04:36
0 0

Dachte

dieses Posting wurde wegen Überlänge gefiltert - daher doppelt geposteter Inhalt. Könnte man eigentlich löschen (Moderatoren)

Hannes Gamillscheg, das ist echt steil

was Sie da schreiben:

Jetzt wissen alle Schweden, dass Pärson lesbisch ist, dass sie Mutter wurde ....

Dass es ihre Partnerin Filippa war, die das Kind zur Welt brachte ....

„Seit neun Monaten weiß ich, was ich künftig tun werde: Ich werde Mama!“ Doch noch im März war sie Rennen gefahren, ohne Babybauch. ....

Sie traf die heute 39-Jährige, weil sie immer Probleme hatte, „passende Jeans für meinen Slalom-Hintern“ zu finden ....

Sieben Jahre lang hatte sie eine Beziehung mit einem ihrer Trainer gehabt. „Ich war mit einem Traum aufgewachsen, wie mein Prinz aussehen sollte, ....

Hannes Gamillscheg, das ist echt steil was Sie da schreiben und Pullitzerpreis - verdächtig ...

Antworten Gast: ggggggg
21.07.2012 11:58
6 4

Re: Hannes Gamillscheg, das ist echt steil

Ja, der Pullitzer wäre durchaus angebracht. Der famose, vorbildlich liberale Herr Gamillscheg hat nur eines zu erwähnen vergessen: ist Pärsson vielleicht doch eher der Vater als die Mutter?

Aber wie es der Lateiner so schön sagt: ´Pater semper incertus est´ (´es ist immer unsicher wer der Vater ist´).