Wie viele Berufsfischer es in Österreich gibt, lässt sich nur schwer sagen. Denn einerseits stellt sich die Frage der Definition. Immerhin fischen manche Fischer nur im Nebenerwerb, was sie aber nicht davon abhält, die Gastronomie zu beliefern. Andere wiederum haben neben der Fischerei eine zusätzliches Beschäftigung, der je nach jährlichem Fischertrag mehr oder weniger intensiv nachgegangen wird. Andererseits lässt sich die Zahl der Betriebe und Fischer abseits der Hobbyfischerei nur schwer erheben. Die Statistik Austria arbeitet gerade an einer neuen Registrierung. Vor 2013 dürfte es aber keine neuen Zahlen geben.
Fakt ist, dass im Jahr 2011 insgesamt 438 aktive Betriebe in der Aquakultur gezählt wurden. Das sind um 7,1 Prozent mehr als im Jahr davor. Seenfischer, die auf Wildfang setzen (siehe Artikel links), fallen nicht in diese Kategorie. Franz Neumann von der Statistik Austria schätzt die Zahl der Aquakulturbetriebe wegen statistischer Unklarheiten auf 500. So stelle sich die Frage, ab wann ein Betrieb zur Aquakultur zähle. Generell ist jede „gröbere“ Maßnahme, die dazu beiträgt, den Output über das natürliche Ausmaß hinaus zu steigern, ein Hinweis auf Aquakultur. „Aber wo fängt man an, ist spezielles Futter schon Aquakultur? Es gibt einen Graubereich.“
Schmäh mit der Regionalität. Einen Graubereich gibt es auch bei der Bezeichnung „regional“. Da sie bei den Konsumenten besonders gut ankommt, wird sie oft allzu schnell verwendet. „Wo auch immer die Brütlinge gekauft werden, sie kommen ein paar Wochen in eine Zucht und gelten dann schon als regional“, sagt Manuel Hinterhofer vom Österreichischen Fischereiverband. Für ihn hört sich die Regionalität auch dann auf, wenn etwa in Wien Renken beziehungsweise Reinanken aus dem Millstätter See verkauft werden.
Ähnlich verhält es sich mit sogenannten heimischen Arten. So hat sich etwa die Regenbogenforelle hierzulande zwar ganz gut eingelebt. „Diese ist aber ein Amerikaner und wurde vor 130 Jahren eingeschleppt“, sagt Hinterhofer.
Auch Albert Jagsch, Leiter des Instituts für Gewässerökologie, Fischereibiologie und Seenkunde im Bundesamt für Wasserwirtschaft, meint: „Der Markt schreit nach Regionalität.“ Und: „Es gibt einen Trend zum Wildfang, das wird aber ein bisschen romantisiert, weil es bei den Konsumenten zieht.“ Für ihn lautet das Zauberwort deshalb: Direktvermarktung, die es dem Konsumenten erleichtert nachzuvollziehen, woher der Fisch stammt.
Politik will Produktion verdoppeln. Auch auf politischer Seite ist man bemüht, nicht nur die Direktvermarktung, sondern den Fischfang generell, allen voran die Aquakultur, zu fördern. Weltweit stammt übrigens bereits jeder zweite verzehrte Fisch aus Aquakultur. Auf EU-Ebene soll die Rolle der europäischen Aquakultur im Reformprozess der Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) gestärkt werden. In Österreich will man mit dem Strategiepapier „Aquakultur 2020“ den Selbstversorgungsgrad bei Süßwasserfischen von derzeit 34 auf 60 Prozent bis 2020 steigern. In Tonnen entspricht das einer Erhöhung von 2400 auf 5500 pro Jahr. Im Lebensministerium wurden neue Leitlinien für die Bewilligung von Aquakultur erarbeitet, die die bürokratischen Hürden reduzieren sollen. Ein AMA-Gütesiegel für Süßwasserfische ist ebenso angedacht wie die Ausweitung der bereits bestehenden acht Fisch-Genussregionen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.07.2012)
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