Der Job ist eine Ehre – aber offenbar alles andere als ein Vergnügen: Danny Boyle (55), Großbritanniens Oscar-gekrönter Regisseur („Slumdog Millionaire“, „Trainspotting“, „127 Stunden“) dürfte jedenfalls erleichtert sein, wenn Freitagnacht alles gut über die Bühne gegangen ist und er seinen jüngsten Auftrag erfüllt hat: die Regie der Eröffnungsfeier der 30.Sommerspiele im Londoner Olympiastadion, ein rund drei Stunden langes Spektakel mit 15.000 freiwilligen Darstellern, 25.000 Kostümen und einem Fernsehpublikum von vier Milliarden Menschen.
Die Stimmung im Produktionsteam soll so angespannt sein, dass der Wohnwagen des Regisseurs im Olympiastadion durch zusätzliche Sicherheitsbarrieren geschützt werden muss. Laut „Guardian“ streitet sich Boyle mit den „Olympic Broadcasting Services“, die für die TV-Übertragung zuständig sind, über die Positionierung der Kameras – und wer sie bedient. „Er bekommt nicht die Einstellungen, die er braucht. Deshalb kann er die Show nicht so filmen, wie er will“, erzählte ein anonymer „Insider“ der Zeitung. „Er filmt kein Sportereignis. Er ist ein Kreativer, und er versucht, so etwas wie ein Theaterstück zu schaffen, deshalb will er seine eigenen Leute.“
Das Organisationskomitee versucht, die Verstimmungen herunterzuspielen: „Es gibt kleine kreative Spannungen, aber das ist doch ganz normal“, so eine Sprecherin. Dabei ist der Kampf um die Kamerahoheit nur eines der Probleme: Erst vergangene Woche erfuhr Boyle, dass er seine „Isle of Wonders“ (Insel der Wunder) genannte und Shakespeares Drama „Der Sturm“ nachempfundene Show um 30Minuten kürzen muss: Der Veranstalter fürchte, dass es die rund 67.000 Zuschauer im Stadion bei Überziehung nicht mehr mit dem öffentlichen Nahverkehr nach Hause schaffen (wobei die U-Bahn ausnahmsweise ohnehin bis 2.30 Uhr fährt).
Boyle selbst kommentiert das nicht – der Regisseur hat auch seine Mitarbeiter in Verträgen und persönlichen E-Mails zu absoluter Verschwiegenheit über die Pläne für den Eröffnungsabend verdonnert – freilich vergebens. Längst kursieren in britischen Medien ausführliche Berichte über den Ablauf des Abends. Demnach will Boyle in drei Akten Großbritanniens Entwicklung vom bäuerlichen Idyll über die industrielle Revolution bis zur multikulturellen Gesellschaft mit all ihren Widersprüchen nachzeichnen – gewürzt mit einer Portion englischer Selbstironie. Die Feier werde weniger „episch“, aber „eigenwilliger“, hat Boyle angekündigt. Das mag auch am Budget liegen: Zwar hat die britische Regierung den Etat im Januar noch einmal verdoppelt – doch Boyle hat mit 27 Mio. Pfund nicht einmal halb so viel wie die Chinesen 2008.
Doch schon das Bühnenbild für den ersten Akt – komplett mit Weideland, zwölf Pferden, drei Kühen, drei Schäferhunden und 70 Schafen – sorgte für Ärger: Mehrere Tierschutzgruppen warfen Boyle vor, die Tiere unnötigem Stress auszusetzen und gegen entsprechende Schutzbestimmungen zu verstoßen. Der Regisseur versicherte, man werde alles für das Wohlbefinden der tierischen Darsteller tun – sie hätten nur einen kurzen Auftritt gleich zu Beginn, bevor es durch Soundeffekte oder Musik besonders laut würde. Weniger verständnisvoll reagierte Boyle auf die „Spielverderber“ in den Medien, als die „Sun“ schon im Juni die Musikauswahl für die Show veröffentlichte: 86 Titel, vom patriotischen „Land of Hope And Glory“, über Songs von „Queen“, „Eurythmics“, „Happy Mondays“, natürlich „London Calling“ von „The Clash“ und zum krönenden Abschluss ein Auftritt des bei solchen Anlässen offenbar unvermeidlichen Sir Paul McCartney. Auch künstlichen Regen hat Boyle angeblich organisiert, um das britische Wetter zu illustrieren – laut Wettervorhersage wäre das freilich nicht nötig gewesen. Für Freitag werden Schauer erwartet.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.07.2012)
Phettberg, Pornojäger und Prominenz
Life BallWas hat Zilk mit dem Life Ball zu tun?
AnkunftDer Life Ball ist gelandet
amfAR Gala CannesGlamour für den guten Zweck
BritishBentley Flying Spur