Muhammad Ali: Gala für den „unvernünftigen Boxer“

Kurz vor den Olympischen Spielen wurde Boxlegende Muhammad Ali bei der „Sports for Peace“-Charitygala in London geehrt – gesammelt wurde für die Parkinson-Forschung.

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Muhammad Ali: Gala für den „unvernünftigen Boxer“ – EPA (Sports for Peace London 2012)

Ob es so einen wie ihn noch einmal geben könne? „Ich glaube nicht“, schüttelte der britische Tenor Paul Potts seinen Kopf. „Er ist jemand, bei dem alle aufhorchen, sobald er den Raum betritt. Auf einen Zweiten dieser Sorte würden wir ewig warten.“ Auch Boris Becker, die einstige Nummer eins im Tennis, war dieser Meinung: „Wir alle in der Sportwelt bewundern ihn extrem.“ Boxweltmeister Wladimir Klitschko wurde in seiner Laudatio beinahe unterwürfig: „Wie du immer weiter gekämpft hast, gegen alles, was dir in den Weg kam. Das hat mich sehr inspiriert.“

Um ein weiteres Mal die Verdienste der Boxlegende Muhammad Ali zu unterstreichen, stieg am Mittwoch die „Sports for Peace“-Charitygala in London, diesmal gewidmet dem „Greatest of all time“, dem Größten aller Zeiten. Seit 2008 werden im Rahmen sportlicher Großveranstaltungen Persönlichkeiten für ihr Lebenswerk geehrt, die für die Werte Frieden, Toleranz, Freiheit und interkulturelles Verständnis stehen. Für die Fußballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika war Nelson Mandela zu dieser Ehre gekommen. Nun war der bekannteste Boxer der Geschichte an der Reihe, der unter anderem schon vom Internationalen Olympischen Komitee zum Sportler des Jahrhunderts gekürt wurde und Träger der US-amerikanischen Freiheitsmedaille ist.

„Muhammad Ali ist als Olympia-Sieger und dreifacher Schwergewichtsweltmeister nicht nur ein weltweites Idol. Die Menschen lieben und schätzen ihn noch mehr aufgrund seines Einsatzes für Menschen- und Bürgerrechte”, erklärte Jaka Bizilj, Produzent und Chairman von „Sports for Peace“ am Abend. Mit Prunk wurde daher nicht gegeizt. Als der im Rollstuhl sitzende und an Parkinson erkrankte Ali in den mit Renaissance-Gemälden von Raffael bestückten Festsaal des Londoner Victoria & Albert Museums geschoben wurde, ertönte Beethovens 9. Sinfonie. Die vielen prominenten Gäste erhoben sich staatsmännisch und schauten im Anschluss Kurzfilme über den einstigen Boxer.

Die folgenden Bilder des jungen Ali, der seine Gegner im Boxring niederschlug, wirkten dabei bisweilen ironisch in einer Veranstaltung, die die Verbindung zwischen Sport und Frieden betonen will. Aber die entsprechenden Szenen folgten kurz darauf. Ali, der 1967 den Kriegsdienst in Vietnam verweigerte, sprach sich stets gegen Gewalt und Rassentrennung aus. Dafür nahm er die Androhung einer Gefängnisstrafe und die Aberkennung seiner Boxtitel in Kauf. Auch bevor ihm die Geschichte recht geben würde, schienen ihn diese Hindernisse wenig zu kümmern.
Seine olympische Goldmedaille von 1960, die Ali noch unter seinem Geburtsnamen Cassius Clay gewonnen hatte, hatte er ohnehin schon in den Ohio River geworfen. Zuvor war ihm der Eintritt in ein Restaurant verwehrt worden, das „nur für Weiße“ vorgesehen war.

Nach den Laudationen und den Filmen meldete sich der Rockmusiker und Charitypapst Bob Geldof zu Wort. „Jetzt geht es ums Spenden, in Form von Versteigerungen“, kündigte er an. Die Erlöse kämen der Parkinson-Forschung und dem Muhammad Ali Center zugute, eine Kultur- und Bildungseinrichtung in den USA. Die Geldbörsen des Publikums saßen locker. „Für dieses Beutestück müssen Sie ins Schlafzimmer von Angelina Jolie stürmen und dann an den Nachttisch von Brad Pitt gelangen“, wurde den Gästen eingeheizt. Die angepriesenen Juwelen der Schauspielerin Angelina Jolie gingen für 40.000 Pfund unter den Hammer.

Zu den weiteren Ersteigerungen gehörten zwei Tickets zur olympischen Eröffnungszeremonie am Freitag für 12.000 Pfund sowie ein Tennismatch gegen Boris Becker in Wimbledon für 21.000. Eine Fahrstunde mit Formel-1-Pilot Lewis Hamilton, der ebenfalls zugegen war, ging für 50.000 Pfund weg. Und ein Kleid von Lady Gaga sowie ein Paar Shorts von Wladimir Klitschko machten jeweils 15.000 Pfund her.

Der mittlerweile schwache Muhammad Ali selbst blieb den ganzen Abend über sitzen. Die Danksagung übernahm seine Ehefrau Lonnie. Kurz bevor der einstige Boxer wieder unter tosendem Beifall aus dem Saal geschoben wurde, entlehnte Bob Geldof noch eine Weisheit seines irischen Landsmanns, des Literaturnobelpreisträgers George Bernard Shaw: „Der vernünftige Mensch passt sich an unsere sich ständig verändernde Welt an. Der Unvernünftige ändert die Welt, damit sie sich ihm anpasst.“ Muhammad Ali sei in diesem Sinne „sehr unvernünftig“. Eine besondere Art sei dies für einen Boxer, durch vermeintlichen Mangel an Vernunft aufzufallen.

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