Ob denn das jetzt auch noch notwendig sei. Das hat Manuel Rubey schon oft gehört. Direkt ins Gesicht (selten) oder hintenrum (öfter). Gut möglich, dass sich diese Frage noch öfter aufdrängt. Denn: So viel wie derzeit hat Rubey auch abseits seiner eigentlichen Materie, des Schauspiels, noch nie gemacht.
Nicht nur, dass der 33-Jährige quasi ohne Pause vor der Kamera steht (derzeit für die Komödie „Zweisitzrakete“), hat er sich kürzlich auch seinen Kindheitstraum – das Moderieren – erfüllt (Amadeus Award, „Wienerin“-Gala). Im Juni nahm er am Fußball-Comedytalk „Gernots Verlängerung“ teil, sicher nicht die glücklichste seiner Entscheidungen. Seit er im Vorjahr mit Thomas Stipsits das kluge Programm „Triest“ geschrieben hat, darf sich Rubey auch noch „Kabarettist“ nennen.
Dazu, und das ist für Rubeys Dauerpräsenz nicht ganz unerheblich, hat auch der ORF seine Liebe für ihn entdeckt: Im Herbst läuft die bis in die „FAZ“ hinauf gelobte Serie „Braunschlag“ von David Schalko an. Weiters wird der ORF „fauner consulting“, jene viel beachtete Internetserie mit Rubey in der Hauptrolle, im Herbst ausstrahlen. Fortsetzung nicht ausgeschlossen. Vor, nach und während all dieser Projekte schreibt Rubey mit Stipsits an einer ORF-Sitcom. Und nein, diese Liste ist nicht komplett. Also: Muss denn das alles wirklich sein?
„Es ist“, sagt er, „vielleicht wirklich gerade ein bisschen viel.“ Rubey sieht ein wenig abgekämpft aus, trägt ein nicht mehr ganz junges Nirvana-Shirt, es ist kurz nach Drehschluss im Technischen Museum. Wie immer ist Rubey freundlich und unkompliziert, auch wenn ihm ein anderer Ruf vorauseilen mag. Die Angst, dass sich das Publikum ob seiner Omnipräsenz an ihm sattsehen könnte – der Mirjam-Weichselbraun-Effekt sozusagen –, „ist natürlich total da, klar“, sagt er. „Und natürlich wäre es mir lieber, würde sich das alles auf mehrere Jahre verteilen. Aber so ist es eben nicht.“
Tatsächlich ist die Karriere lange eher unauffällig verlaufen. Frei nach Hemingway meint Rubey dazu heute: „You always get famous for the wrong reasons.“ In seinem Fall war es die Band „Mondscheiner“, als deren Sänger er erstmals bekannter wurde. „Eigentlich bin ich Schauspieler“, betonte er schon damals. Einem breiteren Publikum wurde das erst 2008 bewusst, als er in Thomas Roths „Falco – Verdammt wir leben noch!“ den Titelpart bekam. Aus Rubeys Sicht insofern ein weiterer "wrong reason", als er - wiewohl dankbar über die Rolle, nicht nur, weil sie seinen Durchbruch als Schauspieler bedeutet hat - fortan auch als Privatperson permanent mit "dem Falco" gleichgesetzt wurde. "Ah, der Falco“, hört er heute immer noch und immer noch nicht gerne, „aber jetzt sind genug Jahre verstrichen, und ich werde auch auf andere Projekte angesprochen und kann glücklich auf diese Rolle zurückschauen“.
Noch glücklicher ist er über die Zusammenarbeit (und Freundschaft) mit Kabarettist Stipsits, die nun in der Sitcom „Salambo“ eine Fortsetzung findet, in der sich die beiden die Rollen eines „biederen, schwulen Paares, dessen Beziehung am Ende ist“, geschrieben haben. Im echten Leben wird Rubey, der zweifacher Vater ist, oft für schwul gehalten. Die Mühe, das aufzuklären, macht er sich nicht. Im Gegenteil, er kokettiert gern damit, zuletzt (und ja, wieder mit Stipsits) im Musikvideo „Du bist der Grund“ der Band Heinz. Für Stipsits ist Rubey „ein wahnsinnig toller, fairer Mensch, der keinen Neid kennt“.
Regisseur David Schalko, der bei „Salambo“ (sofern der ORF die Sitcom will, die Chancen stehen gut) Regie führen wird, hält Rubey für „einen der interessantesten Schauspieler seiner Generation“, der zudem „das Seelenfleisch der Ikone“ in sich trage. „Manuel neigt dazu, einfache Dinge ein wenig zu verkomplizieren“, so Stipsits. Aber Diva, Zicke? Nein, sagt er. Na ja, sagt Rubey selbst. „Ich habe mir lange eingeredet, dass ich total normal bin. Aber das glaube ich mir selbst nicht mehr. Eine bescheidene Diva, das trifft es vielleicht.“ Negative Eigenschaften habe Rubey „natürlich auch“, sagt Schalko, freilich, ohne diese zu verraten. „Sonst wäre es auch wahnsinnig fad mit ihm.“ Wie es mit dem umtriebigen Rubey weitergeht?
„Es gibt wenige Menschen, um die ich mir so wenige Sorgen mache wie um Manuel“, sagt Stipsits. Regisseur fehlt in seiner Job-Description noch. „Das“, sagt Rubey, „interessiert mich tatsächlich noch nicht.“ Das noch haben wir durchaus registriert.
Manuel Rubey (33), bei Wien aufgewachsen, wurde zunächst als Sänger der Band „Mondscheiner“ bekannt. Der Durchbruch als Schauspieler gelang ihm 2008 in seiner Rolle als „Falco“. Seit 2011 („Triest“) ist er gemeinsam mit Thomas Stipsits als Kabarettist tätig.
Im Herbst wird Rubey u.a. im ORF in der David-Schalko-Serie „Braunschlag“ zu sehen sein. Derzeit dreht er in Wien die Komödie „Zweisitzrakete“ (Regie: Hans Hofer), die 2013 in die Kinos kommt und schreibt mit Stipsits an einer Sitcom („Salambo“) für den ORF.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.08.2012)
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