Bis vor einem Jahr war er maximal den Mitgliedern von besseren New Yorker Geschäftskreisen bekannt. Jamie Salter, 49 Jahre alt, große Nase, bereits einen Ansatz zum Doppelkinn, war einer von mehreren Millionen Geschäftsleuten, die täglich durch die Straßen zur Arbeit hetzen. Anzug, glattes Auftreten, gewieft im Umgang mit Kunden und durchaus schlagfertig, wenn es darum geht, einen Konkurrenten in die Schranken zu weisen.
Die, die ihn gekannt haben, wussten freilich auch schon etwas anderes: Jamie Salter hat ein gutes Gespür fürs Geschäft. Mit seiner Firma Authentic Brand hat er sich auf das Management von Marken spezialisiert. Und einiges dazu beigetragen, dass Namen wie Polaroid oder Gin-Hersteller Bombay auch in Europa dauerhaft bekannt werden und sind.
Seinen jüngsten Coup dürften die bisherigen Erfolge noch übertreffen. Jamie Salter hat die Markenrechte von Marilyn Monroe gekauft. Rechtzeitig zu ihrem 50. Todestag. „Mir gehören ihre Augen und die Lippen, ihr Name, ihr Abbild und ihre Unterschrift“, ließ er über Medien ausrichten. Wohl wissend, dass Sätze wie dieser Platz in jedem Artikel finden werden: „Ich bin mehr als ihr Manager. Ich besitze sie!“
Aber genau das will Salter vermutlich. Denn er hat mit dem toten Star einen Plan. Salter will Marilyn wieder auferstehen lassen. Und das nicht ohne Grund. Noch heute verdient die tote Marilyn mehr als so mancher lebendige Hollywood-Darsteller. 100 Millionen Dollar sollen Produkte, die mit ihr in Zusammenhang stehen, laut „Süddeutscher Zeitung“ im vergangenen Jahr eingebracht haben. Und geht es nach Salter, wird dieser Betrag verfünffacht. Kolportierte 20 bis 50 Millionen Dollar (Er selbst schweigt über die Summe) hat er für den Kauf der Rechte hingelegt. Dafür verdient er in Zukunft an Tassen, T-Shirts, Postern, Fotos und Filmen mit Monroe mit.
Dass ausgerechnet der gebürtige Kanadier Salter die Markenrechte erworben hat, dürfte für Insider gar nicht so überraschend gekommen sein. Schon 2009 hat er sich mit dem Markenmanagement toter Stars einen Namen gemacht. Bob Marleys Tochter Cedella soll damals auf ihn zugekommen sein, weil zu viele Marley-Fälschungen (T-Shirts, Hauben etc.) im Umlauf waren. Salter hat damals gründlich, aber mit einfachen Methoden aufgeräumt. „Die meisten Leute würden einfach aufhören, wenn sie einen Brief vom Anwalt bekommen“, wird er in „The Globe and Mail“ zitiert. Der Vertrag mit Cedella soll Ende März 2012 ausgelaufen sein. Und schon damals war klar: Beim nächsten toten Star will er selbst zugreifen.
Nun ist der Vater von vier Söhnen zum Zug gekommen. Wohl auch, weil er viele Jahre Erfahrung im Bereich Brand Management aufweisen kann. Bevor er die Authentic Brands Group übernommen hat, war Salter jahrelang bei Hilco Consumer Capital tätig, einer Firma, die ausrangierte Marken neu aufleben lässt. Einer seiner größten Coups war es, Lady Gaga als Kreativchefin für Polaroid zu engagieren.
Warum sich Salter trotzdem 2010 von Hilco trennte und zu Authentic Brand wechselte, darüber schweigt er bis heute. Vielleicht gefällt es ihm, dass er in der neuen Firma der einzige Chef ist, ein Alphatier an der Spitze seines eigenen Imperiums, das zuletzt vor allem auf Kampfsportmarken setzte: Authentic Brand betreut unter anderem die Marken TapouT, Sinister und Iron Star.
Für Marilyn schlägt Salter nun weichere Töne an – und neue. Er ist nicht an billigen Tassen als Merchandising-Produkt interessiert, sondern will den Namen Marilyn zu einer Luxusmarke umwandeln. Laut „Süddeutscher Zeitung“ schweben ihm eine Marilyn-Kaffeehauskette und eine Unterwäschekollektion vor, außerdem soll eine eigene Kosmetiklinie auf den Markt kommen. Der Name Marilyn dürfte in nächster Zeit also noch um einiges präsenter werden. Und vielleicht mit ihm auch Jamie Salter.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.08.2012)
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