19.05.2013 07:00 Merkliste 0

Der Mann, der Marilyn Monroe kaufte

05.08.2012 | 16:27 |  von Eva Winroither (Die Presse)

Sie gilt noch heute als Inbegriff des „Sexsymbols“. Nun will der Unternehmer Jamie Salter die Marke „Marilyn Monroe“ neu aufleben lassen. Der gebürtige Kanadier hat die Markenrechte von Marilyn Monroe gekauft.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Bis vor einem Jahr war er maximal den Mitgliedern von besseren New Yorker Geschäftskreisen bekannt. Jamie Salter, 49 Jahre alt, große Nase, bereits einen Ansatz zum Doppelkinn, war einer von mehreren Millionen Geschäftsleuten, die täglich durch die Straßen zur Arbeit hetzen. Anzug, glattes Auftreten, gewieft im Umgang mit Kunden und durchaus schlagfertig, wenn es darum geht, einen Konkurrenten in die Schranken zu weisen.

Die, die ihn gekannt haben, wussten freilich auch schon etwas anderes: Jamie Salter hat ein gutes Gespür fürs Geschäft. Mit seiner Firma Authentic Brand hat er sich auf das Management von Marken spezialisiert. Und einiges dazu beigetragen, dass Namen wie Polaroid oder Gin-Hersteller Bombay auch in Europa dauerhaft bekannt werden und sind.

Seinen jüngsten Coup dürften die bisherigen Erfolge noch übertreffen. Jamie Salter hat die Markenrechte von Marilyn Monroe gekauft. Rechtzeitig zu ihrem 50. Todestag. „Mir gehören ihre Augen und die Lippen, ihr Name, ihr Abbild und ihre Unterschrift“, ließ er über Medien ausrichten. Wohl wissend, dass Sätze wie dieser Platz in jedem Artikel finden werden: „Ich bin mehr als ihr Manager. Ich besitze sie!“

Aber genau das will Salter vermutlich. Denn er hat mit dem toten Star einen Plan. Salter will Marilyn wieder auferstehen lassen. Und das nicht ohne Grund. Noch heute verdient die tote Marilyn mehr als so mancher lebendige Hollywood-Darsteller. 100 Millionen Dollar sollen Produkte, die mit ihr in Zusammenhang stehen, laut „Süddeutscher Zeitung“ im vergangenen Jahr eingebracht haben. Und geht es nach Salter, wird dieser Betrag verfünffacht. Kolportierte 20 bis 50 Millionen Dollar (Er selbst schweigt über die Summe) hat er für den Kauf der Rechte hingelegt. Dafür verdient er in Zukunft an Tassen, T-Shirts, Postern, Fotos und Filmen mit Monroe mit.

Dass ausgerechnet der gebürtige Kanadier Salter die Markenrechte erworben hat, dürfte für Insider gar nicht so überraschend gekommen sein. Schon 2009 hat er sich mit dem Markenmanagement toter Stars einen Namen gemacht. Bob Marleys Tochter Cedella soll damals auf ihn zugekommen sein, weil zu viele Marley-Fälschungen (T-Shirts, Hauben etc.) im Umlauf waren. Salter hat damals gründlich, aber mit einfachen Methoden aufgeräumt. „Die meisten Leute würden einfach aufhören, wenn sie einen Brief vom Anwalt bekommen“, wird er in „The Globe and Mail“ zitiert. Der Vertrag mit Cedella soll Ende März 2012 ausgelaufen sein. Und schon damals war klar: Beim nächsten toten Star will er selbst zugreifen.

Nun ist der Vater von vier Söhnen zum Zug gekommen. Wohl auch, weil er viele Jahre Erfahrung im Bereich Brand Management aufweisen kann. Bevor er die Authentic Brands Group übernommen hat, war Salter jahrelang bei Hilco Consumer Capital tätig, einer Firma, die ausrangierte Marken neu aufleben lässt. Einer seiner größten Coups war es, Lady Gaga als Kreativchefin für Polaroid zu engagieren.

Warum sich Salter trotzdem 2010 von Hilco trennte und zu Authentic Brand wechselte, darüber schweigt er bis heute. Vielleicht gefällt es ihm, dass er in der neuen Firma der einzige Chef ist, ein Alphatier an der Spitze seines eigenen Imperiums, das zuletzt vor allem auf Kampfsportmarken setzte: Authentic Brand betreut unter anderem die Marken TapouT, Sinister und Iron Star.

Für Marilyn schlägt Salter nun weichere Töne an – und neue. Er ist nicht an billigen Tassen als Merchandising-Produkt interessiert, sondern will den Namen Marilyn zu einer Luxusmarke umwandeln. Laut „Süddeutscher Zeitung“ schweben ihm eine Marilyn-Kaffeehauskette und eine Unterwäschekollektion vor, außerdem soll eine eigene Kosmetiklinie auf den Markt kommen. Der Name Marilyn dürfte in nächster Zeit also noch um einiges präsenter werden. Und vielleicht mit ihm auch Jamie Salter.

Auf einen Blick
Unvergessene Ikone. Vor 50 Jahren, am 5. August 1962, starb die berühmte Schauspielerin Marilyn Monroe. Bis heute gilt die platinblonde Schauspielerin (die übrigens Kleidergröße 42 trug) als Inbegriff des Sexsymbols – und als vermögende Frau. Rund 100 Millionen Dollar soll der Verkauf von Merchandising-Produkten sowie Filmen und Fotos jährlich einspielen. 2011 hat der Unternehmer Jamie Salter alle Rechte an dem toten Star gekauft. Er will Marilyn Monroe nun als Luxusmarke neu auferstehen lassen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.08.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

4 Kommentare

Die Zeiten ändern sich

Ohne Zweifel gehört Marilyn Monroe zu interessantesten Personen, die Hollywood hervorbrachte. Gestern habe ich eine Dokumentation auf Sky angeschaut, bei der sie nicht als Star Marilyn Monroe sondern als die unglückliche Norma Jean dargestellt wurde. Trotz ihrem tapferen Kampf gelang es ihr nicht, als intellektueller Mensch wahrgenommen zu werden, während heute IT Girls alles Mögliche machen, um als nicht denkende Idioten in den Medien ihren Platz zu nehmen. Komisch, wie sich die Welt verändert.


0 0

wie es schon die Römer wussten..


andere Zeiten, andere Sitten...
MM dürfte auf den heutigen Filmsets vielleicht nur die Kerzen nach dem Dreh ausblasen. Wer sich eine Tasse mit dem Gesicht der MM in den Schrank stellt, denjenigen fehlen noch einige andere.
Wenn jetzt der Herr xy sich die Markenrechte sichert, dann ist es seine Sache, solange wir nicht wieder mit den darstellerischen Fähigkeiten so mancher "Ex-Marken" zwecks Wertsteigerung zwangsbeglückt werden (orf-isiert). Lasst sie endlich ruhen, die Norma Jean, samt ihrem unglücklichen Leben!

Gast: gast:1
06.08.2012 06:00
1 3

mit heutigen Massstäben

gemessen , find ich die Frau überhaupt nicht sexy - eher pummelig und kicher-kicher-doof.

Sorry, aber ein Hans-Moser-Film entspricht auch nicht dem heutigen Komödien-Standard und ein Karl Farkas würde in unserer Zeit als Kabarettist auch kaum Erfolg haben...

Zeiten ändern sich, Geschmäcker ändern sich - verkauft mir daher bitte nicht den Geschmack von vor-vor-gestern als "aktuell" und bezeichnet eine, aus heutiger Sicht, durchschnittliche Frau als "SexSymbol"...

Re: mit heutigen Massstäben

sie hat schon noch was.