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Leichen und private Seelennöte: Das Innenleben der Polizei

17.08.2012 | 18:30 |  von Teresa Schaur-Wünsch (Die Presse)

Der ORF erkundet neuerdings das Seelenleben von Polizisten. Unter anderem mit dem Tatort-Neuling Fahri Yardim und "Laura Rudas" Claudia Kottal.

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Was zuerst da war? Fahri Yardim weiß es gar nicht. Das Angebot für den Klassiker „Tatort“, in dem er ab Herbst mit Til Schweiger das Hamburger Ermittlerduo bilden wird – oder jenes für die „Cop Stories“, mit denen sich der ORF nach holländischem Vorbild an eine neue Serie wagt. Tatsache ist, dass der Hamburger mit türkischen Wurzeln künftig gleich zweimal nicht den üblichen Verdächtigen mit Migrationshintergrund gibt, sondern auf der sprichwörtlichen Seite des Gesetzes steht.

Eine „neue Perspektive“ sei das für ihn, erklärt er, nachdem er es sich im „Künstlerkonversationszimmer“ des Theaters an der Josefstadt bequem gemacht hat. Dort werden an diesem Abend die „Cop Stories“ gedreht, genau genommen wird in einer schmalen Gasse, die zur Josefstadt gehört, unter Müllsäcken eine Leiche entdeckt. Erst später wird sie, wie das mit der Dreh-Chronologie so ist, in viel Kunstnebel auch erschossen. „Halten Sie sich bitte kurz die Ohren zu!“, wird man den Passanten dann zurufen.

Eine neue Perspektive also, diese Machtposition, sagt Yardim, denn er habe, „ohne ins Detail gehen zu wollen, mit Polizisten in meinem privaten Leben nicht immer die besten Erfahrungen gehabt“. Jugendblödsinn, erklärt er, „nichts Schlimmes. Ich war ganz gerne auf Anti-Nazi-Demos unterwegs, und manchmal sind dort die Fronten nicht so deutlich.“

Genau dieses Spannungsfeld, die Frage, „was ist ein Polizist, wie reagiert er“, die wolle man mit der Serie ausloten, sagt Martin Zauner, seit 25 Jahren im Josefstadt-Ensemble und an diesem Drehtag damit quasi zu Hause. Zauner spielt einen Kripo-Beamten, und die Kripo, sagt er, „die habe ich nie gemocht. Die waren für mich immer aggressiv.“ Jetzt, durch die Arbeit mit Beamten für die Serie, sei ihm klar geworden: „In erster Linie verteidigen sie sich. Jetzt habe ich sehr viele Freunde in der Kripo.“


Auch Claudia Kottal spielt eine Kripobeamtin (in Montenegro geboren, mit Kampfsporterfahrung und Beschützerinstinkt) – bis auf ein paar anderswo gesprochene Sätze ist es ihr erster Dreh. Ihr ORF-Engagement verdankt sie Laura Rudas – mit ihrer Karikatur der SP-Geschäftsführerin in „Wir Staatskünstler“ stand sie nach mehreren Jahren Theatererfahrung an Wiener Kleinbühnen schlagartig im Rampenlicht. „Arg“ sei das gewesen, „aber natürlich auch schön, total unerwartet auf jeden Fall. Ich hab nicht erwartet, dass es so präsent sein würde, die ersten Interviewanfragen haben mich total geflasht.“ Für Beruhigung sorgte damals Nicholas Ofczarek, den sie nicht nur von seiner ersten Regiearbeit kannte, wo sie eine Rolle hatte – Jahre zuvor hatte er sie schon als Babysitter engagiert.

Nun, nach gut 15 Drehtagen für die „Cop Stories“, staunt die 31-jährige Wienerin mit polnischer Mutter zwar noch immer über die langen Wartezeiten am Set, findet immer noch alles neu und spannend, hat aber von den Kollegen auch schon Wichtiges gelernt. „Am Anfang war es irrsinnig anstrengend, weil ich nichts wusste: Dass man die Ruhezeiten wirklich nutzen muss und sich nie zu früh aufregen darf. Alles dauert ewig, und dann heißt es Klappe und los. Das ist so eine Anspannung, da muss man echt lernen, damit umzugehen. Weil man wirklich so funktionieren muss. Aber es macht Spaß, weil es so ein Adrenalinkick ist.“

Auch für sie ist es übrigens die zweite Polizistinnenrolle binnen Kurzem: Demnächst steht sie für eine Adaption des Juli-Zeh-Kriminalromans „Schilf“ auf der Bühne. „Da bin ich auch eine Polizistin, aber jeder Verdacht, den sie hat, ist immer falsch.“

Zumindest im Ton vergreifen sich dabei auch mitunter die Cops der „Cop Stories“. „Ich bin einer, der ziemlich mit dem Rassismus in die Bredouille kommt“, berichtet Zauner. „Ein Bimbo ist für den ein Bimbo. Am Anfang hat es mir die Schuhe ausgezogen, aber das macht diese Figur für mich so spannend. Er muss lernen – sie schicken ihn sogar in Therapie.“ Bis das zu sehen ist, dauert es allerdings noch, ins Fernsehen kommt die Serie erst 2013.

Auf einen Blick

„Cop Stories“ ist ein neues Serienformat des ORF, das nach holländischem Vorbild derzeit in Wien gedreht wird. Im Fokus stehen die Polizisten und die Beziehungen zwischen ihnen. Es spielen u.a. Fahri Yardim, der neben Til Schweiger künftig im Hamburger „Tatort“ ermittelt (aktueller Kinofilm „Wer's glaubt wird selig“), Claudia Kottal („Wir Staatskünstler“), Martin Zauner, Johannes Zeiler, Kristina Bangert oder Serge Falck. Sendetermin ist 2013.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.08.2012)

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5 Kommentare
Gast: denkennichschon
20.08.2012 10:48
1 0

und am Ende werden die Migros

immer die Guten sein.
ORF - nein Danke !

Gast: Free
19.08.2012 07:55
5 0

Wenn ich Fahri Yardim lese bin ich schonim anderen Programm...


Gast: wosabua
18.08.2012 07:31
6 1

orf

Was macht der rotfunk,schaut ja keiner mehr ORF!!!!!!!Braucht keiner ORF!!!ORF....zusperen bald!!!

Antworten Gast: waldi
18.08.2012 19:20
0 0

Re: orf

Aber zuerst machen Sie den Korken wieder auf die Flasche.

5 0

Re: Re: orf

Im Wein liegt die Wahrheit ;-) Ich glaube nicht, dass noch viele regelmäßig den ORF sehen. Die Propaganda mit dem Holzhammer ist schon ziemlich unerträglich geworden. Bei den Deutschen stört es nicht so sehr, weil es einen ja nicht tangiert.