Suzanne Harf, Protokollchefin der Salzburger Festspiele, hat heuer noch mehr zu tun als sonst. All die Premierenfeiern, Empfänge und Galaabende rund um Oper, Theater und Konzert sollen heuer von einem glamourösen Event am Schluss des Festivals übertroffen werden: Am 1. September geht der erste Festspielball über die Bühne.
Er ist der gesellschaftliche Schlusspunkt, mit dem Intendant Alexander Pereira nun alljährlich das Festival ausklingen lassen will. Und der neue Festspielchef möchte damit an eine Tradition anknüpfen, die Festspielgründer Max Reinhardt mit seinen rauschenden Festen auf Schloss Leopoldskron begründete. Er lud Freunde des Festivals aus aller Welt zum Tanz in sein nobles Salzburg-Domizil, die Feste sind legendär.
Auch der Festspielball der neuen Generation wird internationale Prominenz nach Salzburg locken. Seit Monaten werben rund 50 Patronessen in aller Welt für das Ballereignis des Salzburger Sommers. Francesca Habsburg gehört diesem Patronessen-Komitee ebenso an wie Gabriele Aga Kahn, Jeanne Andlinger, Renate Thyssen-Henne, Maria-Elisabeth Schaeffler oder Sophie Walderdorff. „Mamarazza“ Manni Sayn-Wittgenstein-Sayn darf in diesem Kreis nicht fehlen.
Eine spätsommerliche Kopie des Opernballs soll der Saisonabschluss der Festspiele nicht sein – auch wenn die ehemalige Opernball-Lady, Sacher-Chefin und Erfinderin des Wiener Sommerballs „Fête Impériale“ Elisabeth Gürtler ihr Know-how zur Verfügung stellt. „Es wird ein Ball mit Salzburger Flair“, verspricht Harf im Gespräch mit der „Presse“. Die Debütantinnen und Debütanten, die dem Ereignis seit Wochen entgegenfiebern, werden in einer eigens entworfenen Tracht eröffnen, Festspielkünstler werden sich unter die Gäste mischen und auf der Bühne auftreten, der Salzburger Haubenkoch Andreas Döllerer kocht ein Galamenü für jene 500 Gäste, die den Ball mit einem Abendessen in der Residenz beginnen lassen wollen.
Für die Kombination Gourmetmenü samt Musikbegleitung und Ball muss man allerdings ein wenig tiefer in die Tasche greifen – 750 Euro pro Person kostet das Vergnügen. Da machen sich die Flanierkarten für den Ball mit 190 Euro pro Person ja fast schon billig aus. Bei den Festspielen ist man zuversichtlich, dass die insgesamt 1500 aufgelegten Karten auch verkauft werden.
Damit sich die Felsenreitschule unmittelbar nach der letzten Aufführung von „Die Soldaten“ in nur knapp drei Tagen in einen festlich geschmückten Ballsaal verwandeln kann, ist eine aufwendige Logistik notwendig. Die Sitzreihen werden überbaut, damit eine Bühne samt Tanzfläche sowie Platz für die Tische der Ballgäste entstehen. „Das ist ein Wahnsinnsding“, sagte Harf. Der Karl-Böhm-Saal wird ebenso zum Ballbezirk wie die „Salzburg Kulisse“ hoch über dem „Haus für Mozart“. Im Faistauerfoyer können die Gäste ihr Tanzschulwissen auffrischen, im Foyer des Großen Festspielhauses gibts eine Disco. Das Schaulaufen im Festspielbezirk erreicht einen letzten Höhepunkt.
Mit Salzburger Musikkapellen ziehen die Gäste von der Residenz in den Ballsaal ein. Der Promi-Koeffizient, der heuer während des Festivals von Insidern – „immer dieselben Gesichter“ – als nicht besonders hoch eingestuft wurde, dürfte jedenfalls beim Abschlussball noch einmal etwas ansteigen. Die Patronessen haben alle ihr Kommen avisiert, Thomas Gottschalk hat sich ebenso angesagt wie Mirella Freni, „Papagena“ Elisabeth Schwarz, Ruggiero Raimondi oder Harald Serafin. Und vielleicht schauen ja auch Anna Netrebko und Erwin Schrott bei der langen Ballnacht vorbei.
Info: www.salzburgerfestspiele.at
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.08.2012)
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