20.05.2013 10:31 Merkliste 0

Tanzen wie die „Mad Men“: Wien im Fifties-Sixties-Fieber

24.08.2012 | 18:28 |  von Eva Winroither (Die Presse)

Hannah Wagner und Stefan Gavac haben mit „Swell Time“ den Stil der 1950er- und 1960er-Jahre in Wien populär gemacht.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Alle paar Wochen sieht man sie wieder auf der Straße. Junge Frauen und Männer, die in ihren knielangen Kleidern, Tellerröcken, hochgeschlossenen Oberteilen und engen Anzügen am Abend durch die Straßen laufen. Früher in Richtung Gartenbaukino, in Zukunft ins Chaya Fuera, diesen Samstag in den Volksgarten-Pavillon.

In Wien wächst seit einiger Zeit eine beachtliche 50er- und 60er-Fangemeinde heran. Maßgeblich dazu beigetragen haben die beiden Wiener Hannah Wagner und Stefan Gavac, die seit eineinhalb Jahren 50er- bzw. 60er-Jahre-Partys veranstalten. Rund 400 Menschen kamen regelmäßig zu ihrer Veranstaltungsreihe „Swell Time“ (Nachsatz: A Mad Men Night Out) und tanzten dort in oben erwähnter Kostümierung zur Musik von The Supremes, Ray Charles und Co.

Dabei hätte wohl lange niemand gedacht, dass ausgerechnet die 30-jährige Wagner und der 33-jährige Gavac einmal so etwas wie einen 50er/60er-Jahre-Kult in Wien begründen würden. Kennengelernt haben sich die beiden nämlich bereits vor fast 15 Jahren – als große Anhänger der Hardcore-Punk-Szene in Wien. Die zahlreichen Tätowierungen auf den Körpern der beiden sind noch heute Zeugnis davon.

Ihre Begeisterung für die 50er und 60er haben die beiden „Mad Men“ zu verdanken. Die amerikanische TV-Serie über die Mitarbeiter einer Werbeagentur in der Madison Avenue (daher auch der Name „Mad Men“) läuft seit dem Jahr 2007 sehr erfolgreich auf der ganzen Welt. Als ein Freund einen Mad-Men-Serienabend veranstaltete, spann Gavac die Idee weiter. „Ich wäre selbst gerne auf so eine 50er/60er-Party gegangen. Die gab es aber nicht.“ Also beschlossen er und Wagner, selbst eine zu organisieren.

Die erste „Swell Time“-Party fand im Jänner 2011 statt, und die Veranstaltung findet seither ständig weitere Anhänger. Mittlerweile ist sie vom Gartenbaukino ins Chaya Fuera in den siebten Bezirk umgezogen – mit Platz für 400 Leute. Denn: „Bei der letzten Veranstaltung im Gartenbaukino hatten wir eine 100 Meter lange Schlange vor der Tür“, sagt Wagner. Viele mussten, obwohl sie sich extra hergerichtet hatten, wieder gehen.

Mit Visuals wird das eher steril wirkende Chaya Fuera (schlichte Möbel, kahle Wände) an das Feeling des New York der 60er herangeführt.

Die Veranstaltung im Volksgarten wiederum ist das alljährliche Sommerfest. Fast alle Besucher – mehr als 50 Prozent sind Frauen – tragen dabei den typischen Fifties-Look. Auch weil der Eintritt billiger ist, wenn man in Kostümierung kommt. Und die wird zum Teil mit viel Liebe ausgesucht. „Einige Frauen schneidern sich sogar extra für unsere Partys ein Kleid.“

Dass „Swell Time“ auch in Wien gut ankommt, erklären sich die beiden mit dem „Heile Welt“-Gefühl, das die 50er und 60er doch vermitteln. „Ich glaube, vielen gefällt, wenn sie einmal in eine andere Rolle schlüpfen können“, sagt Wagner. Außerdem hätten viele bereits von den drogenreichen Techno- und Elektropartys genug. „,Swell Time‘ ist ja irgendwie oberflächlich konservativ“, sagt sie. Einen versteckten Wunsch nach dem Rollenbild aus früheren Tagen sieht sie darin aber nicht. „Wir spielen ja bewusst mit den Klischees.“ Sie selbst bezeichnet sich „durchaus als Feministin“.

Für Gavac liegt der Erfolg auch in der Musik der 50er und 60er. Songs wie „You Can't Hurry Love“ von The Supremes kennen viele aus dem Radio – auch wenn sie die Entstehungszeit nie selbst erlebt haben. Auch Freunde aus der Hardcore-Punk-Szene, ebenso Anhänger der Gothic-Bewegung, würden die Partys besuchen. „Auf die Musik können sich einfach viele einigen.“

Geht es nach den beiden, werden in Zukunft auch noch andere Leute mit ihnen tanzen. Im Winter wird das erste „Swell Time“ in Graz stattfinden. Auch ein Ableger in Vorarlberg ist geplant, auf Anregung einiger Fans sind auch Partys in Paris und Berlin im Gespräch. „Wir sind schon auf Locationsuche“, sagt Wagner, die extra ihren Job als Fotoredakteurin gekündigt hat, um mit der Veranstaltungsreihe ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Vergleichbares gebe es dort nämlich nicht. Und wer sagt, dass nicht auch in Paris und Berlin alle paar Wochen junge Frauen und Männer in knielangen Röcken und engen Anzügen am Abend die Straße entlanglaufen wollen?

Auf einen Blick

Tanzen wie in alten Zeiten. Die 50er/60er-Veranstaltung „Swell Time“ findet heute, Samstag, im Wiener Volksgarten-Pavillon statt. Wer Kleidung im Stil der 1950er- und 1960er-Jahre anhat, zahlt fünf Euro Eintritt, ansonsten sind es sieben. Beginn ist um 22 Uhr. Infos gibt es unter swelltimevienna@gmail.com oder auf Facebook (Swell Time Vienna).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.08.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

1 Kommentare
Gast: hmpf.hmpf.
24.08.2012 23:28
0 0

So Kinder..

und jetzt schreibt mir einen Aufsatz, was ihr in den Sommerferien gemacht habt.