Manfred Juraczka mag als Obmann der Wiener ÖVP die Nummer eins in der Parteizweigstelle sein – auf dem Feld ist er die Nummer zwei. Und das kam so: Bevor das Fußballturnier begann, wühlte Juraczka in der Trikotkiste und fischte ein T-Shirt seiner Größe heraus – „Large“. Die Rückennummer zwei habe also keine weitere, tiefere oder sonstige Bedeutung, sagt er.
Juraczka war einer von mehreren Politikern, Sportlern und Journalisten, die am Samstag in Wien auf der Hohen Warte an einem Benefizturnier – der Erlös kommt dem Behindertensport zugute – teilgenommen haben. Seine Trikotnummer war dabei insofern recht, sagen wir, witzig, da er im Team von Michael Häupl, SP-Bürgermeister und damit Nummer eins in der Hauptstadt, kickte.
Wie aber alle Anwesenden betonten: Hier geht es nicht um Politik, sondern um Sport und den guten Zweck – und da passt politisches Gezänk bekanntlich nicht ins Bild. Häupl selbst spielte als Kapitän des Teams „Politik“ aber nicht mit. Warum eigentlich nicht? „Haben Sie sich meinen Geburtsschein angeschaut?“ Anders ausgedrückt: Er beherzige die Aussage Josef Hickersbergers – über 60-Jährige sollten nicht Fußball spielen. Daher machte es sich der Bürgermeister am Spielfeldrand gemütlich, während er das erste Match „Politik“ gegen „Wirtschaft“ verfolgte. Neben Juraczka kickten im ersten Team auch SP-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter, ÖVP-Landesgeschäftsführer Alfred Hoch sowie die SP-Gemeinderäte Ernst Nevrivy und Christoph Peschek, der bereits nach vier Minuten das erste Tor schoss und dafür eine freudige Umarmung von Häupl erhielt.
Ein paar unglückliche Kopfballversuche später – und manchmal wollte der Fuß den Ball nicht recht treffen – war die erste Hälfte auch schon vorbei. Spielzeit insgesamt: humane 20 Minuten. Am Spielfeldrand tummelten sich indessen auch Walter Nettig und Brigitte Jank – der ehemalige Präsident und die aktuelle Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien. Jank ist daneben auch die Präsidentin des Österreichischen Behindertensportverbands, daher stand für sie der Gewinner bereits fest – der Behindertensport nämlich. Die Turnierorganisatoren hofften auf Spendenerlöse von rund 30.000 Euro, das Benefizturnier fand heuer bereits zum 18.Mal statt.
Da schmerzte es auch nicht, dass ihr Team „Wirtschaft“ gegen „Politik“ verlor – Jank vergoss zumindest keine Träne, während Häupl auf das Feld spazierte, um die Hände der Spieler abzuklatschen. Während die zwei Teams auf ihr nächstes Spiel warteten – in der Zwischenzeit spielte „Sport“ gegen „Medien“ sowie die U11-Teams „Rapid“ gegen „Wiener Sportklub“ – erklärte Juraczka, warum seine Kondition auch nicht mehr die Beste ist: „Mein Laster ist das Rauchen.“ Beim nächsten Spiel gegen „Medien“ war Juraczka erst ab der zweiten Hälfte auf dem Feld. Gar nicht auf den Rasen konnte hingegen Bernhard Häupl, Bürgermeistersohn und SP-Jugendkoordinator. Zu seinem Leidwesen, wie er versicherte, denn er erhole sich von einer Knieverletzung.
Fußball. Das traditionelle Fußballturnier auf der Hohen Warte zugunsten des Behindertensportes fand am Samstag bereits zum 18. Mal statt. Vier Teams – „Medien“, „Politik“, „Wirtschaft“ und „Sport“ – spielten jeweils 20 Minuten gegeneinander. Das Turnier haben Wiens Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) und der ehemalige Präsident der Wiener Wirtschaftskammer, Walter Nettig, ins Leben gerufen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.08.2012)
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