Zehn ist das neue 20. So lautet die neue Trendformel in Hollywood – nur dass die, die es betrifft, das nicht unbedingt gut finden. 20 Millionen Dollar Gage für einen Film (plus 20 Prozent der Einnahmen), das war lange Zeit die magische Grenze. Wer sie als Schauspieler erreichte, war an der Spitze angekommen. Und konnte es sich dort, wenn er zum Beispiel Tom Cruise hieß, für die nächsten Jahrzehnte gemütlich einrichten.
Heute geben es die Schauspieler unfreiwillig billiger. Zehn Millionen Dollar, das ist die Zahl, mit der es ein Schauspieler mittlerweile auf die sogenannte A-List schafft, in jene Riege an Darstellern, von denen sich die Studios maximale Zugkraft an den Kinokassen erhoffen. Auf dass sich die Investition auch lohne. Doch auch hier, konstatiert der „Hollywood Reporter“ jüngst in einer Analyse, läuft nicht mehr alles wie früher. Denn nur wenige kratzen an der neuen Marke, und wer sich dort halten kann, das vermag keiner zu prognostizieren.
Kristen Stewart etwa zählt zu den Newcomern, die zehn Millionen Dollar für einen Film bekommen – oder auch nicht, denn die lukrative Fortsetzung der Schneewittchengeschichte „Snow White and the Huntsmen“ dürfte ihrem Techtelmechtel mit Regisseur Rupert Sanders zum Opfer gefallen sein. Filmkollege Chris Hemsworth könnte für ein Sequel ebenso viel bekommen, Jennifer Lawrence kommt mit der Fortsetzung der „Hunger Games“ zumindest nah dran. Dafür wackelt Kristen Stewarts Karriere bereits wieder – und steht symptomatisch für die Verletzbarkeit der neuen „A-Lister“. „Stars“, schreibt das Magazin, „gelten heute als ersetzbar, oder zumindest als austauschbar.“ Welcher wirkliche Stern sei in den letzten fünf Jahren aufgegangen?, fragt ein Studioboss rhetorisch.
Keiner nämlich – oder am ehesten noch der von Zukunftshoffnung Channing Tatum. Das ehemalige Abercrombie-&-Fitch-Model, das ausgerechnet mit einer Folge CSI ins Schauspielgeschäft einstieg, konnte nach ein paar Flops plötzlich mit „21 Jump Street“ punkten. Und aktuell, mit viel nackter Haut und Muskeln, in „Magic Mike“, Steven Soderberghs Bearbeitung von Tatums früherem Stripperleben.
Einer der befragten, mächtigen Agenten rät jedenfalls inzwischen eher von einer „Hot List“ zu sprechen: einer Liste von Namen, von denen man hofft, dass man künftig mit ihnen richtig gut Geld verdienen kann – ohne, dass man es wüsste.
Entwickelt wurde das Konzept der „A-List“ im engeren Sinn dabei erst 1997 vom Entertainment-Journalisten James Ulmer. Dessen „Ulmer Skala“ ist ein 100-Punkte-Rating, das den Wert eines Stars für eine Filmproduktion voraussagen soll. Genau genommen, wie viel der Name dazu beiträgt, den Film überhaupt finanziert zu bekommen. Eingerechnet werden dabei frühere Erfolge an den Kinokassen, Vielseitigkeit, professionelles Benehmen und die Bereitschaft zu reisen und den Film zu bewerben. Daneben wird der Begriff freilich längst nicht nur im streng finanziellen Sinn und nicht nur für Schauspieler verwendet.
Channing Tatum, den Befragten zufolge derzeit die heißeste Aktie, widerlegt auch das Erfolgsrezept, das sich zuletzt etabliert hat: Erst ernte man Kritikerlob, entweder über einen Art House-Erfolg oder eine Oscar-Nominierung, dann bemühe man sich um einen Franchise-Film (Serien à la Batman) und reüssiere außerhalb der USA, wo 69 Prozent des Geschäfts gemacht werden. Beispiel Jennifer Lawrence: Oscar-Nominierung für „Winter's Bone“, dann eine Rolle in „X-Men“, schließlich im ersten Teil der „Hunger Games“, der weltweit 684 Millionen Dollar einbrachte. 500.000 Dollar bekam Lawrence dafür – zehn Millionen für den zweiten Teil. James McAvoy, Robert Pattinson, Daniel Radcliffe, Carey Mulligan, Scarlett Johansson, Zoe Saldana oder Mila Kunis sollen zur Riege jener Jungen zählen, die man auch im Ausland gern sieht.
Dass es auch andere Wege zur Karriere gibt, demonstriert Jessica Chastain. Sie wurde für „The Help“ Oscar-nominiert, arbeitete mit Terrence Malick in „The Tree of Life“ und hat sich bisher jedem Blockbuster verweigert.
Der „Hollywood Reporter“ zählt sie zur zweiten Kategorie der „A-Lister“: jenen, die zwar nicht das Geld, dafür aber weitere Talente anziehen. Auch eine Qualität, die man sich bezahlen lassen kann.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.08.2012)
Fleischer, Fische und Frauen
Prinz Charles bis Prinz PilsWie gut kennen Sie den Adel?
Mercedes-FlaggschiffDie neue S-Klasse
SchlagerWer macht denn so was?
Victoria's SecretWas ist sexy?