Wenn es nur eine einzige Gemeinsamkeit zwischen Stieg Larsson und seiner Romanfigur Mikael Blomkvist gäbe, schreibt Eva Gabrielsson, „dann wäre das zweifellos die beeindruckende Zahl täglich genossener Tassen Kaffee." Das Kaffeeritual verband den Autor auch mit seiner langjährigen Lebensgefährtin. Heute trinkt sie nur noch Tee.
Fast acht Jahre sind vergangen, seit Stieg Larsson, der Bestsellerautor, der er damals noch nicht war, die Treppe nehmen musste, weil der Lift ausgefallen war. Oben vor seinem Büro brach er mit einem Herzinfarkt zusammen und starb noch auf dem Weg ins Krankenhaus. Es war der 9. November, der Tag der Reichskristallnacht, der Stieg Larsson jedes Jahr gedachte. Schwenk ins Jahr 2012: Inzwischen hat sich die „Millennium"-Trilogie 63 Millionen Mal verkauft. Hollywood hat sie verfilmt. Und die Lebensgefährtin des Autor liefert sich immer noch einen erbitterten Streit mit seinen gesetzlichen Erben, seinem Vater und seinem Bruder.
Gerade hat Gabrielsson, eine 58-Jährige mit Brille und Angela-Merkel-Frisur, der Geschichte ein neues Kapitel hinzugefügt. Vor Kurzem ist ihre lang angekündigte Autobiografie auf Deutsch erschienen. „There are things I want you to know", heißt sie im Englischen, angelehnt an einen Liebesbrief, den ihr der Mann, mit dem sie 32 Jahre lang zusammenlebte, geschrieben hat. Die deutsche Version ist etwas kommerzieller: „Versprechen", heißt sie, darauf Bezug nehmend, dass alle Titel der Trilogie mit V beginnen.
Es ist genau dieser Widerspruch, der Eva Gabrielsson antreibt: Hier die „Millennium-Industrie", die mit den Romanen des Verstorbenen Millionen verdient. Dahinter der Autor selbst, der Mensch, den die Welt nicht kennt und zu vergessen droht. Sein Vermächtnis will Gabrielsson retten, und da kommt wieder der Erbstreit ins Spiel - denn rein rechtlich hat die Frau, mit der der antifaschistisch engagierte Larsson nicht zuletzt aus Sicherheitsgründen nicht verheiratet war, noch immer nichts zu sagen. Von den Millionen einmal ganz abgesehen.
In ihrem Buch, das auf Tagebuchaufzeichnungen basiert, die nach seinem Tod entstanden sind, erzählt die Architektin also von ihrem gemeinsamen Leben mit Stieg Larsson. Beide wuchsen in der schwedischen Provinz ohne Mutter bei ihren Großeltern auf. Sie waren 18, als sie sich 1972 kennenlernten, bei einer Veranstaltung gegen den Vietnam-Krieg. Das politische Engagement sollte die „linke Kampfgemeinschaft" („Spiegel") immer verbinden; erst bei den Maoisten, dann den Trotzkisten, im Kampf gegen die extreme Rechte. Larsson, der sich als Feminist bezeichnete, arbeitete bei einer Nachrichtenagentur, hauptsächlich als Grafiker; dass er schreiben könne, glaubte man nicht. Nebenbei wurde er zum Neonazi-Experten und Herausgeber eines antifaschistischen Magazins. Was es heißt, für seine Überzeugungen einzutreten, spürten Larsson und Gabrielsson am eigenen Leib. Ihre Wohnung hatte eine Alarmanlage, schreibt sie, der Anrufbeantworter nahm regelmäßig Drohungen auf, mitunter bekam Larsson Pistolenkugeln mit der Post.
Bei seinen Büchern habe sie bei der Recherche geholfen, Ideen zugeliefert. Vieles spiegle das gemeinsame Leben wider, nicht nur der Kaffee, auch Straßen, Gegenden, Überzeugungen, Verbrechen, die beide erschütterten, kommen vor. Selbst der Traum von einer kleinen Hütte, wie sie Journalist Mikael Blomqvist besitzt. „Unser Leben und unsere zweiunddreißig gemeinsamen Jahre", schreibt sie, „bilden die Ausgangsbasis dieser Bücher." Dass sie nichts dazu beigetragen habe, stimme also ebenso wenig wie das Gerücht, sie habe in Wahrheit die Romane geschrieben.
Wo der gesuchte Laptop mit 200 Seiten Manuskript des vierten Bandes ist, verrät Gabrielsson auch im Buch - natürlich - nicht. „Die Rache Gottes" sei der Arbeitstitel, und sie sehe sich durchaus in der Lage, es fertigzustellen. Inzwischen, sagt sie, habe sie es sich allerdings anders überlegt.
Phettberg, Pornojäger und Prominenz
Life BallWas hat Zilk mit dem Life Ball zu tun?
AnkunftDer Life Ball ist gelandet
amfAR Gala CannesGlamour für den guten Zweck
BritishBentley Flying Spur