Es gibt ein Foto von Prinz Harry, da bläst ihm in Lesotho ein kleines afrikanisches Mädchen lachend ins Gesicht. Und Harry? Hat die Backen aufgeblasen und pustet zurück.
Wenn man 15 Jahre nach ihrem Tod nach dem Vermächtnis seiner Mutter fragt, geben Bilder wie dieses eine Antwort. Diana war wohl nicht umsonst die „Prinzessin der Herzen“, und dass man als Mitglied der Royal Family nicht nur eine steife Oberlippe im Repertoire haben muss, dass man gar eine gewisse herzliche Unbefangenheit an den Tag legen darf – Diana hat es vorgelebt; und ihre Söhne folgen ihrem Beispiel. Selbst die Queen, jene Dame, bei der alle Beobachter entsetzt den Atem anhielten, als Michelle Obama den Arm um sie legte – sie lächelt zumindest, im letzten Jahr wohl öfter als in all den Jahrzehnten davor.
Die Spezies „britischer Royal“ als Wesen, das Gefühle hat, ein Privatleben pflegt und mit der Presse kommuniziert (wenngleich mitunter unfreiwillig): Das mag (siehe Harry) gefährlich sein, hat der Monarchie aber auch eine Beliebtheit eingebracht, mit der vor 15 Jahren, als Dianas Söhne mit gesenkten Köpfen hinter dem Sarg hergingen, wohl niemand gerechnet hätte. Der Tod der beliebten Prinzessin, die jahrelang in einer unglücklichen Ehe mit Thronfolger Charles gefangen war, stürzte die Monarchie in eine tiefe Krise. Die über Jahrzehnte kultivierte Strategie der Queen, über Gefühle hinwegzuschweigen, funktionierte nicht mehr.
Heute ist die böse Schwiegermutter so beliebt wie nie zuvor, seit sie 1951 den Thron bestieg. Die Hochzeit von Dianas Sohn William, der seiner Kate den dunkelblauen Verlobungsring seiner Mutter an den Finger gesteckt hatte, dann das Thronjubiläum und schließlich die Olympischen Spiele, bei der sich die junge Generation präsentieren durfte, haben der Monarchie einen Höhenflug beschert. Turbulenzen inklusive – dass sich Dianas jüngster gerade wieder einmal sehr menschlich danebenbenimmt, scheint der Institution nicht ernstlich zu schaden.
Wobei die genüssliche Aufarbeitung von Harrys Partyurlaub in Las Vegas mit der Veröffentlichung der Nacktbilder wohl nicht erledigt ist: Von einer „verrückten Nacht“ sprach jüngst ein Augenzeuge, und dass nicht nur Alkohol, sondern auch Kokain, Pilze und Gras für Stimmung gesorgt hätten. Ob auch der britische Gastgeber genossen hat, habe der Augenzeuge aber nicht gesehen. Dafür solle noch ein skandalöses Video folgen.
Das Spiel „Was wohl Diana dazu gesagt hätte“ lässt sich auch hier spielen. Post-jugendliche Dummheit? Oder spricht da aus Harry Dianas Unwillen, sich in das enge Korsett standesgemäßen Verhaltens pressen zu lassen? Als Diana Spencer am 31. August 1997 starb, war sie vom Thronfolger geschieden, hatte Affären hinter sich und eine mit Dodi Al-Fayed am Laufen – wie es manchmal heißt, nur, um ihren früheren Liebhaber, den pakistanischen Herzchirurgen Hasnat Khan, eifersüchtig zu machen. Gemeinsam mit Dodi stieg sie in den Mercedes, der um 0.25 Uhr in einen Pariser Tunnelpfeiler krachte, beobachtet von den Fotografen, die sie zuvor verfolgt hatten.
Es sind diese letzten beiden Lebensjahre der Ex-Prinzessin, die den Stoff für den jüngsten Diana-Film liefern. Gut 30 davon gibt es schon, diesmal soll Naomi Watts versuchen, Diana ein neues Gesicht zu geben. Sie habe Angst vor der Rolle gehabt, Angst, Diana nicht ähnlich genug zu sehen, sagt die 43-jährige Watts. Aber sie habe nicht Nein sagen können.
Im Juli begannen die Dreharbeiten in Kroatien. Mozambique, Südfrankreich, Paris, Pakistan und London sind weitere Stationen. Der Hamburger Oliver Hirschbiegel, der mit „Tatort“ und „Kommissar Rex“ anfing und später „Der Untergang“ drehte, führt Regie. Derweil werden Verschwörungstheorien zur wahren Unfallursache aufgekocht und wieder verworfen. In Paris trauern Fans immer noch an der Unterführung, in London an Dianas Gedächtnisbrunnen im Hyde Park. Auf dass der Mythos ein Mythos bleibt.
Dianas 15. Todestag: Zwischen Trauer und Hysterie




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