Udo Huber? „656731“ sagt der Kollege aus dem Ressort. „656731“ weiß der Kollege, der das Layout für die Seite macht, sofort. Sie gehören zu jener Generation, der man Udo Huber nicht erklären muss. Für alle anderen: Udo Huber war der „Mr. Hitparade“ (mit oben genannter Hörer-Nummer) auf Ö3 zu Zeiten, als die Charts eben noch Hitparade hießen und der Club noch eine Disco war. Aus ebensolchen zwischen Großmugl, Zirl und Timelkam übertrug der ORF auch bald an Sonntagnachmittagen „Die Großen Zehn“, die mitunter eine Million Zuschauer hatten. Mehr, sagt Udo Huber, hatten in den Achtzigern nur die „ZiB“, „Dallas“ und der „Denver Clan“.
Dann ereilte ihn das Moderatorenschicksal. „Der damalige Intendant meinte, ich würde tolle Angebote bekommen, aber das hat alles nicht so funktioniert.“ Plan B hatte er keinen.
Udo Huber sitzt auf einem einsamen Sofa unter der Friedhofstribüne des Wiener Sportklubs, dessen Präsident er seit vier Jahren ist. Er ist braun gebrannt, hat weniger Haar als zu Zeiten, als er Reinhold Bilgeri zu dessen „Mäischn“ befragte; aber das ist nur von Vorteil, er hat immer noch genug. Und er sieht aufgeräumter aus als auf Fotos noch vor ein paar Jahren. Dabei wird ihn sein neues, altes Publikum fürs Erste nur hören. Ab 9. September moderiert er den „Radio Wien Hitsonntag mit Udo Huber“. Zuvor hatte man auch schon Rudi Klausnitzer wieder ans Mikro geholt; im ORF darf Peter Rapp auf Publikumswunsch hin wieder zur „Großen Chance“. Sich zu erinnern, sagt Huber, sei keine Schande. Und es gebe Untersuchungen, dass Menschen vertraute Stimmen gerne hören. Auch für ihn sei es „wie eine Heimkehr ins Funkhaus“ gewesen. „Die Fliesen im WC sind dieselben, die Türschnallen auch. Da ist gleich Vertrautheit da.“
Seit seinem Ausscheiden 1997 habe es „schon auch zache Zeiten gegeben“. Er verlegte sich auf Formel-1-Berichterstattung für die langsam aufkommenden Privatradios, moderierte fürs Privatradio, Regional- und Lokalfernsehen, Veranstaltungen. Eine andere Karriere habe er nie überlegt. „Dazu war ich zu sehr drinnen. Selbst wenn ich den Medizinnobelpreis bekäme, würden alle vom Mr. Hitparade schreiben. Es gibt schlimmere Schicksale.“
„Servas, wo ist der Overall?“ Auch das wird er heute noch gefragt. Hubers Overalls sind Legende. „Allen, denen die Gnade der rechtzeitigen Geburt zuteil war, hat sich der eingebrannt“, nickt er. „Dabei hab ich ihn in zehn Jahren Show nur in den ersten zehn Sendungen angehabt.“ Die Idee sei ihm bei einem Konzert von Roger Chapman gekommen. Dass er später „die tollsten Anzüge, Comme des Garçons, Jean Paul Gaultier“ getragen habe, ging irgendwie unter.
Bis vor vier Jahren lebte Huber in Dornbach, dann zog er mit seiner Frau in den Seewinkel, seither ist er begeisterter Burgenländer. Er radelt gern, schwimmt als Exmitglied des Nationalteams immer noch, ist rund hundertfacher Meister bei den Masters (wenngleich derzeit die Schulter streikt). Versucht, seinen Verein zu erhalten und den ältesten Fußballplatz Österreichs zu sanieren. Er zieht den Vorhang hinter dem Sofa zur Seite, zeigt die fleckige Wand: „Alles feucht.“ Von Society-Auftritten habe er sich bewusst ferngehalten. „Auch wenn es gut ist, ab und zu aufzutauchen, damit die Menschen wissen, dass man noch lebt.“
Udo Huber (geboren 1955) wuchs in Wien-Dornbach auf, studierte zwei Semester Theaterwissenschaft, ehe er in der Ö1-Kultur anfing. Er war 23 Jahre beim ORF, moderierte Hitparade oder Studio 4 auf Ö3 und „Die Großen Zehn“. Ab 9. September präsentiert er auf Radio Wien „Fakten, Kuriositäten und eigene Anekdoten aus der Charts- und Musikgeschichte von den 60ern bis heute“. (Sonntags von 14 bis 16 Uhr.)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.09.2012)
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