Was ist der Unterschied zwischen Tampa in den USA und Alpbach in Tirol? Dort sprechen alte Männer mit leeren Stühlen, hier sägen sie am Sessel ihres Obmanns. Das Ergebnis ist nicht unähnlich: Spott, Hohn und, tja, Häme.
Allerdings bleibt Clint Eastwood Clint Eastwood; wer solche Filme macht, hat allerhand gut beim Publikum. Die ÖVP eher nicht. Sie könnte aber versuchen, die Schauspielikone für ihren nächsten Parteitag (der wird, so wie es ausschaut, eher früher als später nötig sein) als Attraktion zu angeln. Faymanns leerer Stuhl würde zur Verwünschung freigegeben, die Kampagne wäre in voller Fahrt. Zwei Dinge sind allerdings noch zu klären: ob die Parteikasse den Stargast trägt. Und ob der niederösterreichische Landeshauptmann jemand duldet, der noch länger im Geschäft ist als er. ÖVP-Generalsekretär Hannes Rauch hat jedenfalls schon in Tampa spioniert.
Eastwood hat seine Rede übrigens mit seinen alten Dirty-Harry-Hadern „Make my day“ beendet, wie sein Schauspieler- und Parteikollege Arnold Schwarzenegger, der ohne „I'll be back“ zu sagen, nicht einmal beim Drive-in eine Bestellung aufgeben kann. Der österreichische Ex-Gouverneur versucht sich derzeit übrigens wieder als Schauspieler. In „The Expendables 2“ spielt er gemeinsam mit den 1980er-Jahre-Action-Haudegen Silvester Stallone natürlich, Chuck Norris (mittlerweile stolze 72), Bruce Willis, Jean-Claude van Damme und Dolph Lundgren. Es ist im Rückblick schon erstaunlich, dass in dieser Riege mit einem Schweden (Lundgren), einem Belgier (van Damme) und einem Österreicher (Schwarzenegger) immerhin drei europäische Kleinstaatler (zwei davon neutral) die großen Schlachten auf der Leinwand bestreiten durften.
Sollte Eastwood der ÖVP wider Erwarten absagen, hätte sicher einer der anderen Herren Zeit. Und dann gibt es noch eine naheliegende Idee: Die ÖVP würde doch einen bekannten, charismatischen, politisch erfahrenen Spitzenkandidaten für die nächste Nationalratswahl brauchen. Vielleicht ließe sich ja Arnold Schwarzenegger zu einer Kandidatur überreden. Die TV-Konfrontation mit Frank Stronach hätte mehr Zuschauer als „The Expendables 2“. Und der steirische Flügel wäre im innerparteilichen Machtkampf sicher auch zufrieden. Go ahead, ÖVP!
("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.09.2012)
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