25.05.2013 09:17 Merkliste 0

Ben Becker: Rockstar, Rebell und Romantiker

03.09.2012 | 17:51 |  von Christine Imlinger (Die Presse)

Zum Finale der Festspiele sorgt der Tod für einen Eklat, wird abgeführt und heiratet tags darauf ohne Pomp, dafür Qromantisch in Tracht am See - zwei Seiten des Ben Becker, die er par excellence vorgeführt hat.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Ben Beckers Polterabend – es wäre ja enttäuschend, wäre dieser anders verlaufen. Ohnehin war es in der heurigen Festspielsaison ungewöhnlich ruhig um den Tod, den Becker seit 2009 im „Jedermann“ gibt, gilt doch das Verhältnis zwischen Becker und Festspielintendant Alexander Pereira als spannungsreich. Es musste also so kommen. Schon eine Stunde vor Eröffnung des Festspielballs am Samstag drehte Becker Runden vor dem roten Teppich, schrieb Autogramme, hielt Fotografen seinen Mittelfinger vor die Linsen.

Während der Eröffnung war es so weit, das viel zitierte Enfant terrible wurde seinem Ruf gerecht: Drei Mal habe Becker Pereira „Gott sei Dank spielst du nicht, du Pfeife“, entgegengerufen, berichten Zeugen. Vier Securitys sollen Becker dann äußerst grob – von einem verdrehten Arm ist die Rede – abgeführt haben. Salzburg hat seinen Skandal. Von einem betrunkenen, torkelnden, polternden Star ist die Rede. Von jenem Bösewicht, dessen Image Becker selbst so gern pflegt. Tatsächlich dürfte Becker nicht ganz so wild gewesen sein. Weder sei er betrunken gewesen noch über eine Stiege gestürzt, das Abführen „wie einen Schwerverbrecher“ sei völlig überzogen gewesen, heißt es.

Aber doch, ohne Geschichten wie diese wäre Ben Becker nicht Ben Becker. Manch einer vergleicht ihn heute mit dem legendären Klaus Kinski, der ebenso gern den Exzentriker gab, mit Ausbrüchen und Entgleisungen von sich reden machte. Und dessen Werk Becker für ein Hörbuch gelesen hat.

Der Rebell der Festspielstadt – das Spektakel war nicht von Dauer. Am Sonntag hat Becker im Pongauer Örtchen Goldegg seine langjährige Partnerin Anne Seidel geheiratet. Er in Lederhose, sie im grünen Dirndl, auf einem Steg, am 12. Geburtstag der gemeinsamen Tochter. Begleitet von einer Trachtenkapelle, nach dem Jawort sangen Mädchen „Nie mehr ohne di sein“ der „Seer“. „Es war toll, es hat Spaß gemacht. Wir hatten Kaiserwetter. Uns geht's gut, wir sind glücklich“, so zitiert die deutsche „Bild“ Becker, wittert aber freilich einen neuen Skandal („Auf einem Badesteg!“ „Bier aus der Flasche!“ – macht: „Die schrägste Hochzeit des Jahres“, „völlig durchgeknallt!“).

„Sehr unaufgeregt, ohne Pomp und Trara, mit viel Rührung. So, wie er eben ist“, sei die Feier verlaufen, erzählt Hotelier Sepp Schellhorn, in dessen „Seehof“ die Hochzeit seines Stammgasts – Becker wohnt während der Festspiele stets dort – stattgefunden hat. Schön und romantisch, berichtet Bürgermeister Hans Mayr, der die Rolle des Zeremonienmeisters innehatte. Nur mit rund 20 Gästen, darunter auch Beckers Schwester, Schauspielerin Meret, sei die Feier schon vor Mitternacht zu Ende gegangen.

Es sind die zwei Seiten des Ben Becker, die er an diesem Wochenende par excellence vorgeführt hat: der Wilde, Exzentrische, Unkontrollierbare. Und der Sensible, Ruhige, Romantiker. Beckers Ehefrau, Anne Seidel, dürfte wissen, worauf sie sich einlässt: Seit 14 Jahren an seiner Seite (obwohl angesichts seines Lebensstils teils in getrennten Wohnungen) kennt sie die Exzesse, bis hin zu einer lebensbedrohlichen Überdosis Heroin 2007. Oder die Aufregung nach Beckers Behauptung, Franz Beckenbauer sei tot. Nach seinen Sympathiebekundungen für die Hells Angels oder über seine detaillierten Schilderungen amouröser Abenteuer.

Er fühle sich eben als Rockstar, als Punk, sagen Kenner, sei aber ein „herzensguter“ Mensch, einer, der sage, was er sich denkt, einer mit dem berühmten weichen Kern. Auch öffentlich. So hat sich Becker jüngst, in seiner letzten Saison als Tod mit Tränen in den Augen vom Publikum verabschiedet. Er hätte gern weitergemacht, heißt es. Wiewohl Becker selbst das Gegenteil zu Protokoll gab. Eine lange Ungewissheit, eine Art Gesprächsverweigerung der Festspielleitung soll für jene Spannungen gesorgt haben, die schließlich für den kleinen Eklat auf dem Ball sorgten. Aber auch dafür, dass Becker einen Polterabend genoss, der seinem Ruf gerecht wurde.

Auf einen Blick
Punk, Rebell, Schauspieler. Ben Becker wurde 1964 in Bremen als Sohn zweier Schauspieler geboren. Schon als Kind übernahm er kleine Rollen, seinen Durchbruch feierte er 1995 in „Schlafes Bruder“. Becker ist auch als Musiker aktiv – von Sprechgesang bis Punk.
Seit 2009 gibt Becker im „Jedermann“ den Tod, heuer war seine letzte Saison. Becker hat u. a. mit einer Heroinüberdosis oder Sympathie für die „Hells Angels“ für Skandale gesorgt. Seit Sonntag ist er mit Anne Seidel verheiratet, das Paar hat eine Tochter.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.09.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

21 Kommentare
3 1

Ein primitiver Rüpel,

der von schlagzeilengeilen Medien zum "Star" hochgeschrieben wird.

drama-queen

ich kenne nicht einen film von ihm, bin dafür aber schon über mehrere berichte über seine peinlichen, aufmerksamkeitsheischenden eklats gestolpert.

nun, schlechte publicity ist sicher besser als gar keine und wenn ers als schauspieler nun mal nicht schafft, sich in die öffentlichkeit zu drängen...

Antworten Gast: gast11
04.09.2012 23:27
1 2

Re: drama-queen

banause!

wenigstens "comedian harmonists" sollte man gesehen haben.

Re: Re: drama-queen

bevor sie, ihre limitierten intellektuellen fähigkeiten offenlegend, andere als banause bezeichnen, sollten sie wenigstens weiterlesen. verweise auf meinen unteren kommentare von 15:21.

Re: drama-queen

Wenn Sie nicht einen Film von ihm kennen, dann sollten Sie einmal Ihren Medien- bzw. Kulturkonsum überdenken.

Re: Re: drama-queen

nach allem, was ich bisher von ihm gelesen habe, habe ich nicht den eindruck, etwas versäumt zu haben.

im übrigen kann ich nicht mal ausschließen, einen seiner filme gesehen zu haben - lediglich hat er mit seiner darbietung offenbar keinen bleibenden eindruck hinterlassen, sodass ich konstatieren musste, auswendig keinen zu kennen.

aber, wie dem auch sei, wenn sie mir jemanden mit dem auftreten eines dauerpubertierenden schulhofrüpels als kulturdesiderat verkaufen wollen, sollten sie vielleicht eher ihre rezeption überdenken...

Re: Re: Re: drama-queen

Wenn Sie tatsächlich eine Film mit Ben Becker gesehen haben, er Ihnen dennoch nicht aufgefallen ist, haben Sie leider keine Ahnung von Schauspielkunst. Ben Becker ist einer der besten deutschen Schauspieler!

Re: Re: Re: Re: drama-queen

das liegt wohl, wie so vieles, im auge des betrachters.

Re: Re: Re: drama-queen

Ja, Sie haben eh Recht.

Hab mir nur gedacht, Schlafes Bruder könnte man schon kennen.

Re: Re: Re: Re: drama-queen

ich habe vor langer zeit das buch gelesen! nur spielt unser russel crowe-verschnitt dort keine rolle :)

aber da ich jetzt selbst neugierig wurde, habe ich schnell nachgelesen und festgestellt, dass ich tatsächlich zwei filme mit ihm gesehen habe: comedian harmonists und sass.

ihn muss ich dabei aber ziemlich verdrängt haben...

Gast: Beck Penner
03.09.2012 23:05
0 2

I..

.. love him.. ! Einer der letzten - von 110 ;-) - die wissen, von was sie.. sprechen.

@kraxn: Über die Zensur-Willkür hier im Forum kann man sowieso nur mehr den Kopf schütteln.

@presse: Genau deswegen habe ich vor 3 Wochen (nach 20 Jahren) mein Abo gekündigt.

@zensor: ihr solltet eure URL auf "oe23.at" ändern lassen.

"...von was..."

"...von was..." = falsch
"...wovon..." = richtig
A Deitsch von was mir graust!

Antworten Gast: schlÄchter
04.09.2012 08:19
2 0

Re: I..

sg beck penner!

als schauspieler mag ich herrn becker gar nicht sio ungern (comedian harmonists), seine "punk attitüde" wirkt aber sehr aufgesetzt - zuletzt im summer of rebels auf arte mit lederjacke und totenkopfring - nunja, ein schmunzeln hat er mir abgerungen, die musikvideoauswahl war o.k..

für mich war zb ein harald junke viel authentischer und rebellenhafter oder auch der schon genannten klaus kinski als eben herr becker.
nur eine persönliche einschätzung, kenne/kanbnte keinen der drei angesprochenen.

ihren anderen verweisen stimme ich vollinhaltlich zu

mfg
s.

1 0

es lebe der Unterschied

Die Presse veröffentlich zwar Fotos von Herrn Becker mit Stinkefinger (nicht in diesem Artikel, sondern Busserl weiter oben), kümmert sich auch sonst um jeden noch so kleinen Pfur... von diesem Schauspieler, auf der anderen Seite werden Kommentare mir nix, dir nix wieder gelöscht, die weit harmloser sind..., vielleicht solte ich meinen Nick auf "Ben Becker" unbenennen :)

Stinkefinger? Bis heute...

...ist mir nicht klar, warum der nach oben zeigende Mittelfinger stinken soll.
Ihn beim Waschen auszulassen muss doch schwierig sein. Entweder stinken alle Finger oder keiner.

??

wer soll das sein? (ohne jeglichen Sarkasmus) noch nie von dem gehört. aber viel dürfte ich da ja ohnehin nicht versäumt haben.

Becker...

Die ueberzogenen Gehaelter solcher Doeseln werden uebrigends nur zu einem kleinen Teil vom Publikum bezahlt und zum grossen Teil von den Steuerzahlern.

Gast: b745
03.09.2012 19:46
3 0

wenn man primitiv genug ist schreibt auch die presse darüber

keine macht den drogen

Gast: der kommentar
03.09.2012 16:36
5 5

"Stinkefinger" am Festspielball

ja, der becker möchte halt "auf klaus kinsky machen"....
kinskys eskapaden wollte auch kaum jemand, aber er war zumindest ein beeindruckender schauspieler, was man von becker kaum behaupten kann.

Antworten Gast: franzmeierei
03.09.2012 19:47
0 0

Re: "Stinkefinger" am Festspielball

Auch ich zog sogleich die Parallele zu Klaus Kinski. Ich gebe ihnen vollkommen recht, wobei Becker sicherlich kein schlechter Schauspieler ist, obschon er an Kinski´s Darstellungs-Niveau nie herankommen wird.

Kaum zu glauben, ...

... dass so ein Vollpfosten eine Frau findet.