Die überdrehte Liebeskomödie „Und nebenbei das große Glück“ scheint nicht so recht zu Sophie Marceau zu passen. Beim Auftakt des Gesprächs zeigt die 45-Jährige zwar Charme, aber auch eine Spur Melancholie. Und immer wieder ironische Anflüge.
Sie stehen seit Ihrem 13. Lebensjahr vor der Kamera, die Komödie „Und nebenbei das große Glück“ ist Ihr 39. Film. Ist es schwer für Sie, noch interessante Rollen zu finden?
Sophie Marceau: Im Gegenteil, ich kenne mich jetzt viel besser als früher. Und so weiß ich genau, welcher Stoff in diesem Moment für mich richtig ist. Und bislang hatte ich das Glück, dass immer Angebote kamen.
Haben Sie bei Ihrem Debüt mit „La Boum“ gedacht, dass Sie eine solche Karriere hinlegen würden?
Nein, ich hatte keine große Zukunftsvision. Ich fühlte mich beim Dreh sehr wohl, aber ich dachte nie „Ich werde eine Schauspielerin werden“. Ich hatte auch keine Ahnung, was das bedeutete. Ich habe einfach gearbeitet. Auch jetzt ist es nicht mein Hauptziel. Für mich lautet die Frage: Was für eine Frau werde ich im Alter sein? Werde ich glücklich sein? Werde ich frustriert sein oder vielleicht sogar bösartig?
Reflektieren Sie, ob Sie in Ihrem Leben noch etwas verändern wollen?
Ich möchte meine Grenzen noch besser akzeptieren. Es gab eine Zeit, da habe ich mich zu Dingen getrieben, in denen ich mich nicht wiederfand. Dadurch habe ich viel gelernt. Aber inzwischen denke ich mir: „Ich muss mich auf mich selbst konzentrieren. Nicht jeder Weg ist mein Weg.“ Damit werde ich automatisch anspruchsvoller in dem, was ich vom Leben will.
Sie sind also selbstsicherer?
Ja, aber ich muss auch noch mehr von meinen Ängsten abbauen.
Wovor fürchten Sie sich?
Es ist nicht mehr so ausgeprägt – aber ich fürchtete mich früher vor der Gesellschaft, vor der Welt, weil ich sie nicht kannte. Andererseits wollte ich die Welt auch kennenlernen. Das war ein Widerspruch. Ich löse ihn jetzt dadurch auf, dass ich mich dann mit der Welt und der Gesellschaft auseinandersetze, wenn ich es will. Und wenn ich mich lieber zurückziehe, dann tue ich das eben. Ich weiß, dass ich nichts zu verlieren habe. Das gilt auch in materieller Hinsicht. Manchmal denke ich: „François Hollande will einen Spitzensteuersatz von 75 Prozent – das geht doch nicht.“ Aber dann überlege ich: „Moment, im Gegensatz zu früher habe ich genug Geld, ich kann es weggeben, mir reicht es auch so.“
Gibt es Besitztümer, auf die Sie nicht verzichten möchten?
Ich bin Skorpion, mit diesem Sternzeichen wechselst du immer wieder deine Haut. Deshalb bin ich in meinem Leben häufig umgezogen – im Schnitt habe ich alle fünf Jahre das Apartment gewechselt. Es gibt aber Dinge, die ich immer behalte. Vor Kurzem ist mir aufgefallen, dass ich meine Gießkanne schon 30 Jahre lang habe.
Wie ist es mit Ihren beiden Kindern? Teilen die Ihren Lust am Wandel?
Mein 17-jähriger Sohn ist schon mit 15 ausgezogen, meine Tochter lebt noch bei mir. Aber beide habe ich zur Unabhängigkeit erzogen. Sie sollen sie selbst sein, auch wenn sie sich dabei gegen mich auflehnen. Das ist für mich schmerzhaft, aber es ist ein guter Schmerz.
Wie gut kennen Ihre Kinder Ihre Arbeit?
Meine Kinder sehen meine Filme nicht, worüber ich glücklich bin. Mein Sohn hat sich mal „LOL“ angeschaut, aber das war's schon. Ich bin ihre Mutter, das ist alles, worauf es ankommt. Vor Kurzem spielte ich mit meiner Tochter Trivial Pursuit, und bei einer Frage lautete eine von drei Antwortvarianten „Sophie Marceau“. Sie meinte: „Ich mag es nicht, diesen Namen zu sehen.“ Einerseits hat sie nichts gegen Sophie Marceau, aber andererseits ist das so ein Gefühl wie „Hey, du hast meine Mutter gestohlen.“
Gleichzeitig muss den beiden klar sein, dass sie von Ihrem Status profitieren. Sie können ein abwechslungsreiches Leben führen.
Das wissen sie auch, und sie sind dankbar dafür. Aber es ist eben manchmal eine Bürde, das Kind von Sophie Marceau zu sein. Denn für sie stellt sich die Frage: Was ist meine Identität? Wer bin ich selbst? Wie ich schon sagte, beide müssen für sich existieren.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.09.2012)
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