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Krimiautor Adler-Olsen: "Hab mir viele Feinde gemacht"

18.09.2012 | 17:08 |  von Teresa Schaur-Wünsch (Die Presse)

Jussi Adler-Olsen war Star der Wiener Kriminacht. Davor erzählte er im Gespräch mit der "Presse" von seinen Anfängen als Autor, seiner Wut über Machtmissbrauch und weichem Klopapier.

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Jussi Adler-Olsen schreibt Krimis. Sie haben Dauerabos in den Bestsellerlisten (seine Lesung am Dienstag bei der Wiener Kriminacht musste wegen des Andrangs vom Kaffeemuseum ins Gartenbaukino verlegt werden), tragen auf Deutsch Namen wie „Erbarmen“ oder  „Schändung“ und handeln von den dunkleren Seiten der dänischen Gesellschaft. Dabei ist Jussi Adler-Olsen ein lustiger Mensch. Einer, der gerne Faxen macht. Für den Fotografen versteckt sich der 62-Jährige hinter dem Vorhang und küsst das Bild der grimmig dreinschauenden Dame an der Hotelzimmerwand.

„Sie meinen damals mit acht?“ beantwortet er die Frage nach dem späten Karrierestart und lacht. Er habe, erzählt er, schon früh, mit drei, lesen gelernt, holt er aus. Sein Vater, ein renommierter Psychiater, hatte ihm Cinderella aufgenommen. Er hörte zu und verglich die Töne mit den Buchstaben. „Aber ich konnte nicht schreiben, das hat mich sehr geärgert.“

Mit acht stand in der Schule „Freestyle writing“ auf dem Plan. „Da konnte ich plötzlich alles schreiben, was mich meine Kindheit über beschäftigt hatte.“ Die Lehrerin war verblüfft und klopfte ihm auf die Schulter. „Seither versuche ich ständig, fürs Schreiben auf die Schulter geklopft zu werden.“ Die Schreibwettbewerbe gab er indes auf, als er Zweiter wurde. „Das“, grinst er, „habe ich noch nie erzählt.“

Bis zum ersten Buch dauerte es schließlich doch noch ein paar Jahre und lukrative Jobs (ein Comicshop, Häuserrenovierungen). Dafür war es dann „ein gutes Leben, ich hatte Zeit für mein Kind, konnte im Pyjama arbeiten.“ Das „schlechte Leben“ sei mit dem Erfolg gekommen. „Er kam unerwartet schnell, nachdem ich mit dem Sonderdezernat Q angefangen hatte. Inzwischen versuche ich, da wieder rauszukommen, um wieder Hausfrau sein und Palatschinken machen zu können.“ Das Beste am Erfolg sei, dass er dadurch Menschen kennenlerne. „Das Schlimmste, dass ich immer weiterschreiben muss.“

Den Druck hat er sich freilich selbst auferlegt, die Q-Serie ist auf zehn Bände angelegt, um in Summe eine zusammenhängende Geschichte um Ermittler Carl Morck zu ergeben, einen „Typen wie mir, in dem langsam das Böse zum Vorschein kommt.“ Morck trägt übrigens nicht durch Zufall Adler-Olsens offiziellen Vornamen Carl. „Er ist in vielen Dingen wie ich, nur etwas offener faul. Ich habe große Angst davor, faul zu sein, obwohl ich es gern wäre.“

Ernst, aber nachdrücklich wird der Däne, als er auf das Thema Machtmissbrauch zu sprechen kommt, das sich durch seine Werke zieht. „Ich hasse es extrem. Und ich fürchte mich vor niemandem, der das tut.“ Kurze Pause. „Oh, das stimmt nicht. Aber egal. Ich könnte der Königin von Dänemark eine überziehen, wenn es notwendig wäre. Ich halte es einfach nicht aus, dass Menschen die Möglichkeit hätten, Gutes zu tun, und dann Schlechtes daraus machen. Wie viele Politiker.“ Oder wie die Ärzte in den psychiatrischen Kliniken, in denen sein Vater arbeitete. „Sie hatten einfach kein Mitgefühl für ihre Patienten. Als ich klein war, haben sie sie im Grunde wie Tiere behandelt. Ich hatte Mitleid mit den Patienten, obwohl sie manchmal in Käfigen waren und auf mich gespuckt haben. Mein Vater erklärte mir: „Jussi, die Gesellschaft kann zu Erwachsenen sehr hart sein.“

So aufgewachsen könne er bis heute bei Ungerechtigkeit nicht zuschauen. „Ich habe mir in meinem Leben viele Feinde gemacht“, sagt er. Und er ist unglücklich, wenn er wie kürzlich beim Arzt mehr Zeit gewidmet bekommt als alle anderen. Auch einen Tisch in Kopenhagens Noma, dem besten Restaurant der Welt, hat er noch nie in Anspruch genommen. „Sie kennen mich. Aber ich war nie dort.“ Allerdings toure er gerade mit dem Schauspieler Peter Lohmeyer, „und er und seine Frau Sarah Wiener würden gerne einmal hin. Also werden wir.“ Wofür er sein Geld sonst noch ausgebe? „Freunde und Familie“, sagt Adler-Olsen. „Musik, Instrumente. Und weiches Toilettenpapier.“

Zur Person
Jussi Adler-Olsen (62) wurde in Kopenhagen geboren und studierte Medizin, Soziologie, Politische Geschichte und Film. Er arbeitete u. a. als Journalist, Verlagsmanager, war Aufsichtsratsvorsitzender in Energiekonzernen und renoviert begeistert Häuser.

Aktuelles Buch: „Verachtung“ (dtv).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.09.2012)

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