20.05.2013 14:50 Merkliste 0

Alison Jackson: Die Fotografin der falschen Stars

21.09.2012 | 18:29 |  von Teresa Schaur-Wünsch (Die Presse)

Alison Jackson macht private Schnappschüsse von Prominenten – mit Doubles. Und empfiehlt Prinz William eine Haartransplantation.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Die Queen steht in der Wiener Galerie „Photographers Limited Edition“ vor einem Foto von sich selbst, auf dem sie gerade mit ihren Corgis spazieren geht, vorbei an einer Filiale des britischen Wettanbieters William Hill. Ein Tourist betritt die Galerie. Blickt erstaunt. Und fragt eine Mitarbeiterin leise, ob das die Königin von Österreich sei.

Normalerweise passieren Mary Reynolds, wie die Queen wirklich heißt, solche Verwechslungen nicht. Schon in ihrer Jugend wurde die Britin auf ihre Ähnlichkeit mit Königin Elizabeth angesprochen. Seit 1988 arbeitet sie als Doppelgängerin. Seit 1997 mit der Fotografin Alison Jackson. Jackson ist berühmt für ihre Fotos, die sie mit sogenannten Lookalikes berühmter Persönlichkeiten macht, in Situationen, in denen man sie sonst nicht zu sehen bekommt. George W. Bush, der an seinem Schreibtisch mit einem Rubikwürfel spielt. Die Queen beim Abwaschen oder am WC. Prinzessin Diana, die der Welt den Mittelfinger zeigt.

Mit Dianas Tod, erzählt Alison Jackson, fing alles an. Jackson studierte damals am Royal College of Art in London, „gegenüber von Kensington Gardens, von meinem Studio sah ich hinaus auf die Massen mit Kerzen. Es war ein außergewöhnliches Phänomen, alle weinten, obwohl sie keiner gekannt hatte, es war nur eine Mediengeschichte.“ Jackson begann, sich mit dem Thema zu beschäftigen. „Meine Arbeit“, sagt sie, „befasst sich mit unserem Voyeurismus, alles sehen zu wollen, jedes kleine private Detail einer öffentlichen Figur. Ich versuche zu zeigen, wie voyeuristisch wir wirklich sind, indem ich diese privaten Momente zeige.“

Immer wieder müsse sie sich dabei selbst bremsen. Herzogin Kate ohne Oberteil – das hatten sie und deren Doubles bereits verworfen, als sie von der Realität überholt wurden. Kate, findet Jackson, „muss – leider für uns – ein bisschen vorsichtiger werden. Sie ist keine normale Person mehr. Sie wird Königin sein. Und die Queen unter den Celebrities.“


Begründet habe den Celebrity-Kult deren Schwiegermutter Diana. Auch dessen Vergänglichkeit vorgeführt. „Kleine Kinder in England wissen nicht, wer sie war“, sagt Jackson. Was sie schade findet. „Gerade für Frauen war sie eine interessante Persönlichkeit, sie stand für Individualität, dafür, sein Leben selbst zu verändern.“ Mit Diana seien all die Tabloids, Starmagazine und Big-Brother-Formate aufgetaucht. „Heute haben wir statt einer Blondine viele. Sie kommen und gehen, kommen und gehen.“ Und jede Einzelne stehe dabei für etwas anderes.

„Celebrities sind so etwas wie eine Volksreligion geworden. Sie sind wie kleine Heilige. Beckham ist der große Sportler, der tolle Vater, die Schwulenikone. Posh – Victoria Beckham – die Geschäftstüchtige, Kate Middleton die Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Geschichte. Angesichts des Fehlens religiöser Strukturen gibt das den Leuten etwas, an das sie glauben können.“

Mit Religion hatte sich Alison Jackson schon vor ihrer Arbeit mit Stars beschäftigt. „Ich begann mit Skulpturen aus lebenden Menschen, beim letzten Abendmahl, am Kreuz, und mit Fotografien davon. Und ich interessierte mich für die Tatsache, dass das Bild viel länger im Gedächtnis bleibt, wenn man die Komposition richtig macht. Das Kruzifix ist ein unvergessliches Bild. Mich interessiert, welche Macht Bilder haben.“

Eine Macht, die man beeinflussen kann. Tom Cruise sei besonders geschickt im Umgang mit dem eigenen Bild. „Er geht nie aus dem Haus. Und wenn, bewegt er die Arme und kontrolliert den Raum um sich.“ Apropos Kontrolle: Ein wenig mehr würde sie auch Prinz William ans Herz legen. „Er sollte sich eine Haartransplantation machen lassen. Das geht so leicht. Und schließlich dreht sich alles um die Bilder.“

Auf einen Blick

Alison Jackson (52) erforscht mit ihren Fotografien den Kult des Berühmtseins. Gerade arbeitet sie an einem Film über ihre Doubles: „Es ist faszinierend: Den Menschen ist egal, ob etwas echt ist oder nicht.“ Jackson hat eine TV-Serie, eine Seite in der „Sunday Times“, ihre Bilder hängen in der „Tate Modern“ oder dem „Centre Pompidou“ und noch bis 7. Oktober in der Galerie „Photographers Limited Editions“ in Wien.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.09.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com