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Julian le Play: „Bin ich schon bobofiziert?“

26.09.2012 | 18:18 |  von Samir H. Köck (Die Presse)

Der 21-jährige Julian le Play setzt mit seinem Debütalbum „Soweit Sonar“ ein Statement für ein lustvolles Leben in schwierigen Zeiten.

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Julian le Play ist in dem Alter, in dem man sich gerne über Schrulligkeiten definiert. Da ist etwa sein Tick, die Eintrittsbänder von Festivals an seinem Handgelenk zu lassen, bis sie fast von selbst abfallen. Sein derzeit ältestes begleitet ihn vier Jahre. Auf dem Frequency war er damals. Wie eigentlich jedes Jahr. Die Frage, ob so ein Stoffband nicht irgendwann zu müffeln beginne, bejaht er nicht direkt, erzählt aber, dass er, wenn er mit der Freundin ins Kino gehe, lieber jene Sitzordnung wähle, bei der er ihr die Bänder nicht unter die Nase halten müsse, wenn er den Arm um ihre Schulter legt.

Abgesehen von solchen kleinen Unbilden scheint sein Leben ein einziger Quell an Möglichkeiten zu sein. Das hat mit einer angenehmen Eigenschaft zu tun: Julian le Play ist erstaunlich abgeklärt. Ein Grund dafür: Der 21-Jährige ist bereits eine Art Showbusiness-Veteran.

Im zarten Alter von 11 Jahren versuchte er sich beim Kiddy Contest. Schmunzelnd gibt er zu, dass er damals kurz ans „Ich-möchte-ein-Popstar-werden“ geglaubt hat. Das Lied, das ihm Erwin Kiennast geschrieben hatte, trug den Titel „Ich habe Hunger“. „Es passte zu mir“, sagt er schmunzelnd und verweist ein wenig stolz darauf, dass die hoffnungsvollen Teilnehmer des heurigen Kiddy Contest nun seinen Song „Mr. Spielberg“ lernen. Es ist der erste Radiohit des talentierten Sängers, der aufgrund einer gewissen natürlichen Coolness schon als Kind fürs Fernsehen arbeitete. Dafür opferte er stets einige Schultage. Bereut hat er es nicht. Sein TV-Engagement ging weiter. Er machte bei „Helden von Morgen“ und „Guten Morgen Düsseldorf“ mit.

Glaubt er an solche Formate, oder beuten sie nicht doch narzisstische Sehnsüchte junger Menschen aus? „Das mit der Ausbeutung stimmt auf jeden Fall auf eine Art und Weise. Ich war allerdings sehr gefestigt. Es war einfach eine Show, bei er es darum ging, Emotionen zu erzeugen. Du gehst raus und das war's dann. Da kümmert sich niemand zehn weitere Jahre um dich.“ Auf indirekte Art war es dann doch der Beginn seiner Musikerkarriere. Er lernte seinen Produzenten Lukas Hillebrand und seine jetzigen Musiker kennen. Gemeinsam kreierte man einen luftigen Sound, der von hoher Musikalität ist. Darüber legt sich le Plays beseelte Stimme und kündet von bunten Traumgesichtern und positiven Lebensvisionen.

Zeilen wie „Und ich mag die Zeit, wenn du mir fehlst“ trägt er in lupenreinem Hochdeutsch vor. Er gehört zur Generation jener, die mit austropopbefreitem Radio aufgewachsen sind. „Wenn ich auf Wienerisch singen würde, müsste ich mich verstellen“, sagt er. Scherzhafter Nachsatz: „In meinem Bekanntenkreis spricht niemand richtig Dialekt. Vielleicht bin ich auch schon bobofiziert?“

Eines seiner Lieder heißt „Kind Sein“. Obwohl es nicht so lange her ist, dass er eines war, will er es schon wieder sein. Es geht um die Sehnsucht nach einer Zeit, in der man noch keine wichtigen Lebensentscheidungen treffen musste. Die seinen hat le Play dennoch souverän getroffen. Statt als Halbinteressierter Jus oder BWL zu studieren, hörte er auf seine innere Stimme und setzt nun auf die Musik.

Wichtig war ihm auch die Wahl eines adäquaten Künstlernamens. Er hat ihn dem französischen Sozialwissenschafter Pierre Le Play entlehnt. „Angesichts der Kürze des Lebens scheint es mir wichtig, das zu machen, was einem im Augenblick einfällt und was Spaß macht. Le Play bedeutet für mich, gute Momente mit anderen zu teilen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.09.2012)

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1 Kommentare
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Bei so einem blöden Künstlernamen interessiert der Rest gar nicht mehr.