Er gilt als der große, grantige Mann des US-Kinos, nun aber ist Tommy Lee Jones mit Meryl Streep in der romantischen Komödie „Wie beim ersten Mal“ zu sehen. Die beiden Oscar-Preisträger spielen ein Ehepaar, das durch eine Ehetherapie seine Liebe wiederzuerwecken versucht.
Ein großer Denker hat einmal gesagt, dass Liebe die größte Hürde für eine Beziehung sei. Was halten Sie davon?
Tommy Lee Jones: Hört sich an wie ein Autoaufkleberspruch. Das ist Quatsch. Wahrscheinlich hat sich das jemand ausgedacht, um zu provozieren.
Sie sind 66. Haben sich Ihre Ansichten die Ehe betreffend über die Jahre verändert?
Sie haben sich genau genommen zwei Mal verändert. (lacht)
Weil Sie selbst zum dritten Mal verheiratet sind?! Ihre jetzige Ehe haben Sie vor elf Jahren geschlossen. Ist Therapie ein probates Mittel, um die Liebe zu pflegen?
Da ich Filmemacher bin und kein Therapeut, kann ich keine Ratschläge geben. Und meine Ehe geht Sie nichts an.
Was hat Ihre Frau zu diesem Film gesagt? Hat sie viel von Ihrer eigenen Persönlichkeit in Ihrer Figur entdecken können?
Nein, davon hat sie nichts gesagt.
Was hat Sie an dem Film gereizt: das Thema der erstarrten Ehe oder die Herausforderung, einmal eine Komödie zu spielen?
Beides. Ich fand, das sei eine fantastische Möglichkeit, einen unterhaltsamen Film über „echte“ Menschen und ihre „normalen“ Probleme zu machen, die auf andere unglaublich komisch, absurd und lächerlich wirken können. Der ausschlaggebende Faktor war die Chance, mit Meryl Streep zu arbeiten.
Wie war die Zusammenarbeit?
Jeder Tag war das reinste Vergnügen. Wir sind Freunde geworden.
Sind Sie nervös vor den Liebesszenen?
Nein. Eigentlich bin ich so gut wie nie nervös.
Hatten Sie schon immer so ein gesundes Selbstvertrauen?
Seit ich 16 bin, habe ich an meiner Karriere gearbeitet. Es nutzt weder einem Film noch einem Theaterstück, wenn man zu Nervosität neigt. Mein Job ist es, die Inszenierung optimal umzusetzen, und Nervosität passt nicht dazu.
Sie haben drei Mal selbst Regie geführt. Interessiert Sie das noch?
Ja. Im nächsten Frühjahr werde ich wieder Regie führen. Ich übernehme eine Rolle und schreibe auch das Buch.
Ist es nicht schwierig, gleichzeitig Regisseur und Schauspieler im eigenen Film zu sein?
Wenn man gleichzeitig Autor, Produzent und Regisseur ist, dann ist der Job als Schauspieler ein Spaziergang.
Will Smith, mit dem Sie „Men in Black“ gedreht haben, scheint Ihnen diametral entgegengesetzt zu sein. Eine perfekte Voraussetzung, um als Team zu funktionieren?
Will und ich mögen unterschiedlich sein, aber wir sind sehr gut miteinander befreundet. Ich bin immer darauf bedacht, mich mit meinen Kollegen bei einem Projekt anzufreunden.
Sie sind auch mit Al Gore befreundet und haben sich für seine Präsidentenwahl engagiert. Würden Sie das auch für einen anderen Kandidaten tun?
Ich habe es getan, weil ich mit ihm befreundet bin und er mich darum gebeten hatte. Ich war mir absolut sicher, dass er der beste Mann für diesen Job ist. Dahinter stehe ich immer noch.
Was muss ein Film haben, um Ihr Interesse zu wecken?
Eine gute Besetzung, einen interessanten Regisseur, ein stimmiges Drehbuch, einen attraktiven Drehort. Eine gute Gage ist nicht unwesentlich.
Sie haben 1994 einen Oscar für „Auf der Flucht“ gewonnen. Erinnern Sie sich noch an den Moment? Haben Sie damit gerechnet?
Ich habe mir nie groß Gedanken über den Oscar gemacht. Ich wurde drei Mal nominiert und war jedes Mal überrascht. Ich gehe gern zur Oscar-Verleihung. Es ist ein großer Spaß, all diese berühmten Leute dort versammelt zu sehen – ein großer Karneval, der größte Zoo, den man sich vorstellen kann.
Was bedeutet Ihnen die Auszeichnung?
Den Oscar verliehen zu bekommen macht dich demütig und glücklich. Immerhin wird man von seinesgleichen auserwählt. Und für die Karriere ist es auch nicht schlecht.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.09.2012)
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