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Buch der Rekorde: Rekordhalter der anderen Art

29.09.2012 | 18:06 |  von Siobhán geets (Die Presse)

Für einen Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde werfen Österreicher Backöfen, fahren mit dem Tretroller durch Australien oder stricken 61 Meter lange Stoffhasen.

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Oliver Gratzer ist ein starker Mann. 27 Öfen wirft er in einer Minute, das ist Weltrekord. Warum jemand Öfen wirft? Der Niederösterreicher kam auf die Idee, als er einem Freund beim Umzug half, danach begann er, Waschmaschinen zu werfen. „Weil Öfen aber um einiges leichter sind, habe ich mich dann darauf spezialisiert“, erklärt Gratzer seine Disziplin.

Schön stark ist auch der Salzburger Franz Müllner, er ist der Österreicher mit den meisten Weltrekorden, seit Mai sind es 14. Seinen jüngsten Guinness-Rekord stellte er im Bierkrüge-Tragen auf: 23 Maßkrüge trug Müllner 40 Meter weit, außerdem ist er gut im Auto-Umdrehen. Zu seinen Bestzeiten schaffte er neun 750 Kilo schwere PKW in fünf Minuten. Gefährlicher ist das Auto-Halten: Ein PS-starkes Auto gibt Vollgas, Müllner hält es an einem Seil zurück; sieben Sekunden lang schaffte er das bei einem Lamborghini, 13 bei einem Ferrari.


Die Sportlichen. Auch David Weichenberger hält den Rekord in einer ungewöhnlichen Disziplin, dem Einrad-Weitsprung, Weichenberger schaffte 2,95 Meter. Im vergangenen Jahr überquerte der Linzer auf seinem Einrad die Alpen – „nur zum Spaß, da ging es nicht um Rekorde“ – und zwar im Gelände, ohne auch nur einen einzigen Meter auf der Straße zu fahren.

Noch ein Stück weiter fuhr Harald Hel. 2001 durchquerte er Australien mit einem Tretroller. Als Extremsportler suche er die Herausforderung, sagt Hel: „Das Training mit dem Roller ist intensiver als mit dem Rad“. Der Oberösterreicher legte in knapp 19 Tagen 2800 Kilometer zurück – das macht etwa 250 Kilometer am Tag bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 18 Stundenkilometern.

Martina Schmit aus Niederösterreich ging es dagegen weniger um Landschaft und Entfernung, sie erzielte ihren ersten Guinness-Rekord 2006 mit dem längsten Lauf auf einem Laufband. In 48 Stunden lief sie 309,8 Kilometer, im Jahr darauf sogar unglaubliche 736,8 Kilometer in 168 Stunden. Der Unterschied zum ersten Lauf: Diesmal legte sie sich zwischendurch auch einmal hin.

Weniger Körpereinsatz, aber ebenso viel Ausdauer zeigten Alexander Gruber, Roman Schelling, Enrico Lechtaler und Christian Nägele beim längsten Tischfußballmarathon, den Lechtaler und Nägele nach 51 Stunden 52 Minuten und 469 Spielen 3854 zu 3646 für sich entscheiden konnten.

Einen wahrlich kuriosen Rekord schaffte Lukas Steiner: Er ist im aktuellen Guinness-Buch mit einem Rückwärtssalto in eine Jeanshose vertreten. Dafür hätte er „monatelang geübt und viele Hosen verbraucht“, sagt Steiner. Er hält außerdem den Rekord für den längsten Sprung in einen Handstand (2,55 Meter) und den längsten Sprung im Rückwärtssalto (4,26 Meter). Der Sport ist für den Tiroler mehr als ein Hobby: Freerunner von Beruf, bildet Steiner auch Lehrer für den Schulsport aus und ist Trainer für akrobatische Bewegungsformen.

Die Leidensfähigen. Nicht alle springen, laufen, ziehen oder drehen, es gibt auch solche, die für einen Rekordeintrag besonders ausgefallene Bürden auf sich nehmen. So quetschten sich in Krems 25 Menschen in einen VW Käfer.Auch die längste Fahrt in einem Autodrom fand in Österreich statt: Sebastian Bösch fuhr 24 Stunden lang ohne Unterbrechung. Durchhaltevermögen bewies auch Michael Krappel beim Beatbox-Marathon. Zur Auswahl stand eine Liste von 120 Liedern, deren Instrumente, Beats und andere Töne Krappel nur mit dem Mund nachmachte. Mit nur fünf Minuten Pause pro Stunde beatboxte er 2007 in Wien ganze 24 Stunden durch.

Die Bastler. Und manche sitzen zum Erringen ihrer Rekorde ganz still: So baute Franz Rosenberger die kleinste funktionierende Mausefalle, neun mal fünf Millimeter ist sie groß, fangen wird er damit also nichts. Seinen ersten Rekord erzielte er 2000 mit dem kleinsten Klappstuhl, inzwischen sind noch eine Wäscheklammer und eine Brille mit Etui dazugekommen.

Für andere Österreicher gilt „size matters“ eher im wörtlichen Sinn. So strickte das Künstlerkollektiv Gelatin einen 61 Meter langen rosa Stoffhasen, der heute auf einem Bergrücken in Piemont liegt. Walter Moshammer baute 2011 das größte Kartenhaus aus Plexiglasplatten (3,97 Meter), Gerhard Walter den größten Bumerang (2,59 Meter) und Hans Fankhauser schlug selbst den Baum für den größten Holzaschenbecher (162 Zentimeter Umfang, 15 Kilogramm). Auch das größte Hufeisen (56 mal 61,5 Zentimeter) und der größte funktionierende Hobel (6,6 mal 3,5 mal 2 Meter, 2,5 Tonnen schwer) kommen aus der Alpenrepublik. Und Walter Kellner arbeitete 20 Jahre an dem größten Kreuzworträtsel der Welt. Momentan sucht er nach einem Käufer für das zwölf Quadratmeter große, 160.000 Kästchen umfassende Mammutwerk. Wie viel es kostet, will er aber nicht verraten.

Für andere muss es nicht groß sein, dafür aber viel: So ist Österreich Heimat für die größte Sammlung an Modell-Rettungswägen (10.648), Zauberkästen (2401) und Biergläsern (13.000).

Fakten

Im Septembererschien die aktuelle Auflage mit rund 4000 Rekorden.

Wege zum RekordWer eine Idee für einen Rekord hat, muss ihn Guinness ausführlich erklären. Will man einen bestehenden brechen, bekommt man die jeweiligen Richtlinien zugeschickt. Für eine Anerkennung müssen Beweise wie Fotos, Videos und Zeugenaussagen per Post eingesendet werden. Infos unter:

guinnessworldrecords.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.09.2012)

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