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Vienna Swingers: US-Squaredancer wirbeln in Wien

30.09.2012 | 18:28 |  von eva winroither (Die Presse)

Im ersten Bezirk tanzen Senioren und Studenten in Vierer-Formationen zu Country- und Popmusik. Dahinter steckt ein kluges Reisenetzwerk.

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Die Musik ist schwer zu ignorieren, schon unten in der Bäckerstraße ist die Country- beziehungsweise Popmusik aus den geöffneten Fenstern zu hören. Im ersten Stock dann: ein Bild, wie man es eigentlich nur aus dem US-amerikanischen Fernsehen kennt. Eine Gruppe älterer Herren und Frauen tanzt in schnellen Drehbewegungen durch den großen Tanzsaal. Die Damen tragen Petticoats, die sich tellerrund bei den Platzwechseln aufblähen.

Viele der Kleider sind teilweise aus geblümtem Stoff, eines von ihnen ist sogar farblich auf das Hemd eines Herren abgestimmt. Ständig wartet man darauf, dass jemand noch seinen Cowboyhut aufsetzt, aber es ist dann doch keiner zu sehen. Dafür zieht der Mann, der in einer schwarzen Hose, weißem Hemd und oranger Krawatte auf der Bühne steht, die ganze Aufmerksamkeit auf sich. Er gibt im Takt der Musik unverständliche Kommandos, die „Bend the Line“, „Pass the Ocean“ oder „Element Life“ heißen, wie man mir später sagen wird.

In der Bäckerstraße haben sich heute, wie jeden Montag, die Vienna Swingers zum Training zusammengefunden, die einzige Squaredance-Gruppe Wiens. Der Squaredance geht zurück auf die europäische Besiedelung Amerikas und ist eine Mischung aus verschiedenen Tänzen der Einwanderer. In ihm finden sich Elemente der französischen Quadrille oder des English Country Dance. Getanzt wird er – wie der Name schon andeutet – in der Gruppe. Jeweils vier Paare stehen sich im Quadrat gegenüber und führen die Tanzschritte aus, die der „Caller“, so heißt der Mann auf der Bühne, ins Mikrofon sagt oder singt.

Dabei kann er auf 70 Tanzfiguren auf dem Grundlevel („Mainstream“), auf 100 auf mittlerem Level („Plus“) und auf 200 in den beiden fortgeschrittenen Stufen zurückgreifen. „Wir wissen also nie, welcher Tanzschritt als nächstes kommt“, sagt eine Frau, die mit ihren Freundinnen in weiten Kleidern vor der Türe steht. Für sie macht genau das den Spaß aus. Squaredance, das ist „eine Kombination aus Gedächtnistraining, Bewegung und Spaß bei Musik“. Neben den Damen steht auch Thomas Blaschke. Der ganz in Schwarz gekleidete Mann ist vor sechs Jahren zufällig dazugekommen und versucht jetzt, auch junge Leute für den Sport zu begeistern. „Das ist oft gar nicht so einfach“, sagt er. Immerhin: Mittlerweile tummeln sich auch Studenten unter den Tänzern.

Für die Anwesenden ist Squaredance ohnehin mehr als nur ein Tanz, der einmal die Woche ausgeübt wird. Es ist ein soziales Netzwerk, das auf der ganzen Welt gut funktioniert. „Squaredancer sind sehr reisefreudig“, sagt Blaschke. Der Grund liegt in den internationalen Tanzschritten, die auf der ganzen Welt gleich heißen und gleich getanzt werden. Jeder Squaredancer kann also zu anderen Vereinen reisen und dort mittanzen. Das wird in der Realität auch fleißig praktiziert. Hotspots für Wiener sind – abgesehen von den acht Clubs in den Bundesländern – Deutschland, Tschechien, aber auch weiter weg Schweden, Amerika oder Japan. „In Deutschland haben wir über 500 Squaredance-Clubs“, sagen etwa Reimund und Gertrud Athmer. Das Ehepaar aus Deutschland ist auf Besuch in Wien und gleich am ersten Abend zu den Vienna Swingers gekommen. „Das ist ja der Vorteil. Man kommt her und trifft vom Typ her die gleichen Menschen“, sagt Athmer.

Auf seiner Brust prangen verschiedene Plaketten, die bekommt man quasi als Abzeichen, damit jeder sieht, wo man überall getanzt hat. Gerne erzählt auch die 59-jährige Eva Imböck die Geschichte von dem russischen Ehepaar, das sie getroffen hat. „Ich kann kein Englisch, also konnte ich nicht mit ihnen reden. Aber ich konnte mit ihnen tanzen“, sagt sie.

Geht es nach Blaschke, dann werden dieses Angebot in Zukunft auch mehr Männer in Anspruch nehmen. „Also, man muss nicht als Paar zu uns kommen.“ Der Caller stoppt. Alle verbeugen sich. „Thank you.“

Auf einen Blick

Vienna Swingers. Jeden Montag treffen sich die Vienna Swingers in der Bäckerstraße 16. Der nächste Schnupperkurs beginnt am Montag, 1. Oktober und dauert zwölf Wochen – bis einschließlich 17. Dezember, jeweils von 19 bis 20 Uhr. Squaredancer besuchen sich gerne gegenseitig. Es gibt eine ausgeprägte Squaredance-Szene in Deutschland, Amerika, Japan, aber auch im nahen Tschechien. In ganz Österreich gibt es neun Clubs. Infos unter www.facebook.com/SquareVienna

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.10.2012)

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1 Kommentare
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Der Kongress tanzt

in moderner Form ,ja die Spass Gesellschaft muss bei Laune bleiben damit sie die traurige Wirklichkeit auf die sie zusteuern nicht erkennen.
Bravo die Politik hat ihre notwendigen Sklaven gut im Griff.