Washington. Ein schmales Lächeln umspielt die Lippen, und der 65-Jährige setzt eine Unschuldsmiene auf wie ein Lausbub, der gerade auf frischer Tat ertappt worden ist. „So ticke ich“, sagt Arnold Schwarzenegger in dem Interview in dem renommierten TV-Magazin „60 Minutes“ über seine Angewohnheit, heikle und unbequeme Wahrheiten auszublenden – über seine Herzoperation, seine Kandidatur für die Gouverneurswahl in Kalifornien und nicht zuletzt über seine Affäre mit der Haushälterin Mildred Baena, die den „Gouvernator“ aus Austria im Vorjahr recht unschön ins Licht der „Yellow Press“ gerückt hat.
Einen Tag nach Ende seiner Amtszeit hatte ihn seine Frau Maria Shriver zur Eheberaterin geschleppt, und die Therapeutin konfrontierte ihn gleich: „Maria wollte heute hierherkommen und Sie etwas zu einem Kind fragen, das Sie gezeugt haben.“ Da blieb Schwarzenegger nichts anderes übrig, als seine Vaterschaft zu bekennen – zumal ihm Joseph wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Die Ähnlichkeit sei ihm erst nach sieben oder acht Jahren gewahr geworden, danach habe er finanzielle Verantwortung übernommen. Die Affäre habe im Gästehaus seiner Villa in den Hügeln von Los Angeles begonnen, als seine Familie gerade auf Urlaub gewesen sei und er selbst mit den Dreharbeiten zu einem „Batman“-Film beschäftigt war, schreibt er. Aus und Punktum. Mehr sei dazu nicht zu sagen, ohne die Gefühle seiner Familie über Gebühr zu verletzen.
Serieller Seitenspringer
All dies erzählt er in seiner Autobigrafie „Total Recall“, deren Titel angelehnt ist an einen Kultfilm des Hollywood-Stars – und an die Nachwahl 2003 in Kalifornien, die den Gendarmensohn aus der Steiermark schließlich ins Gouverneursbüro im Kapitol von Sacramento brachte. Die Erfolgsstory nach US-Muster erschien am Montag in den USA, im Zuge der Frankfurter Buchmesse kommt das Buch am Donnerstag auch bereits in Deutsch heraus. Neben seinen Triumphen wollte er auch seine Niederlagen nicht aussparen, sagt Schwarzenegger. Von der „totalen Erinnerung“ sind die Memoiren, ein 646-Seiten-Wälzer, indes weit entfernt. Über seine Seitensprünge turnt er hinweg, einzig die „heiße Affäre“ mit Ko-Star Brigitte Nielsen aus „Red Sonja“ mag er eingestehen.
Schwarzenegger ist gerade dabei, eine vierte Karriere zu starten. Er lanciert ein Comeback als Hollywood-Star, mit fünf Filmen in der Pipeline. Mit großem Pomp weihte er neulich das „Schwarzenegger-Institute“ ein, ein Thinktank an der University of South California in Los Angeles, das sich Zukunftsfragen verschreibt.
Obgleich die Scheidung läuft, hofft Schwarzenegger – ein unverbesserlicher Optimist – immer noch auf ein Happy End mit seiner Frau, die er 1977 im Rahmen eines Benefiz-Tennisturniers kennenlernte und die ihm zuliebe schließlich ihre Karriere als TV-Moderatorin aufgegeben hat. Schwarzenegger verehrte seine Schwiegereltern, und Eunice Shriver – die Schwester von John F. Kennedy – legte ein gutes Wort ein, als sich Maria querlegte gegen die politischen Ambitionen „Arnies“. Die Ehetherapie brach Schwarzenegger freilich bald ab.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.10.2012)
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