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Chris Lohner: „Der Mann ist nicht Feind der Frau“

01.10.2012 | 18:33 |  von Duygu Özkan (Die Presse)

Schauspielerin Chris Lohner feiert am Mittwoch mit dem Stück „Männer und andere Irrtümer“ Premiere. Lohner wird das Solo-Stück abwechselnd spielen und vorlesen. Ein Gespräch über Geschlechter.

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Die Autorin dieser Zeilen muss Chris Lohner eine Geschichte erzählen: mit Lohners ORF-Ansagen hat sie nämlich Deutsch gelernt. „Passiert mir dauernd“, antwortet die Schauspielerin, Moderatorin und Autorin. Gut, vielleicht nicht exakt die Anekdote mit dem Spracherwerb, aber neulich habe sie eine ältere Dame mit ungarischem Akzent auf der Kärntner Straße angehalten und sich für ihre Stimme bedankt. Lohner sei ihr durch ihre ÖBB-Ansagen immer eine treue Begleiterin gewesen.

„Ich muss mir diese Geschichten alle aufschreiben“, sagt Lohner und stichwortet auf ein Blatt Papier: Ungarin, Kärntner Straße. All diese gesammelten Geschichten – besonders originell: eine andere Dame erzählte Lohner, dass sie als Kind Chris Lohner werden wollte, weil sie dachte, Chris Lohner ist ein Beruf – werden in ihr neues Buch fließen, das nächstes Jahr erscheinen soll. Davor hat Chris Lohner, sonst wäre sie nicht Chris Lohner, jede Menge andere Projekte am Laufen: Morgen, Mittwoch, feiert ihr neues Stück „Männer und andere Irrtümer“ Premiere im Wiener Stadttheater Walfischgasse.

Männer? Irrtümer? Bevor jetzt falsche Schlüsse gezogen werden, die Geschichte geht so: Eine Frau wird von ihrem Mann, den die Midlife-Crisis böse erwischt hat, verlassen. Sie reagiert hollywoodmäßig klassisch darauf: vor lauter Verzweiflung über den Zusammenbruch des kerngesunden Lebens (Kind, Haus, Garten, Hund, Zweitwagen) den Kühlschrank leerfegen. Lohner hat die französische Originalversion des Stücks etwas adaptiert, vor allem aber hat sie die Protagonistin – die im Original 40 ist – älter gemacht: „Man kann auch mit 69 verlassen werden.“

Lohner wird das Solo-Stück abwechselnd spielen und vorlesen. Die Bilder dazu habe sie gleich im Kopf gehabt, sonst, so Lohner sinngemäß, kann man es gleich vergessen. Das Publikum – ganz egal welchen Alters – könne sich sicherlich an irgendeinem Punkt in dem Bühnenstück wiederfinden. Erstens: Gibt es jemanden, der noch nie Liebeskummer hatte? Und zweitens: Das Stück sei durchaus authentisch.

Aber wieder zurück zum Titel des Stücks und vielleicht zum größeren Themenkomplex Männer und Frauen. Chris Lohner fasst zusammen: „Der Mann ist nicht der natürliche Feind der Frau.“ Beide Geschlechter hätten ihre Eigenschaften, aber sollten sich bitte nicht darauf verbeißen. Sie selbst zum Beispiel besitze eine „typisch männliche“ Eigenschaft, nämlich den automatischen Problemlösreflex, sobald ihr jemand Belastendes erzählt. Die Gleichberechtigung der Geschlechter, sicherlich auch ein erstrebenswertes Ziel für Lohner, aber das Gendern und das Binnen-I gehe ihr „furchtbar auf die Nerven“, denn das zeige nur, dass man die Gleichberechtigung nicht nicht im Griff habe.

Genau dieses Thema liegt im Übrigen auch auf der Hand, als die Sprache auf die Wiener Linien kommt. Nein, so abwegig ist das nicht, schließlich haben die Wiener Linien kürzlich auf ihrer Webseite abstimmen lassen, wer künftig die Ansagen im ganzen Öffi-Netz sprechen soll (der bisherige Sprecher hat sich in die Pension verabschiedet). Zur Auswahl standen zwei Frauen – für Lohner, die mit ihren ÖBB-Ansagen ohne Übertreibung die Stimme des Landes genannt werden darf – aber nur eine Nebensache: „Sprechen muss man können.“ „Irgendwie gut, dass wir nicht viel über das Alter gesprochen haben“, muss die Autorin dieser Zeilen noch sagen. Darüber sprechen ja alle mit ihr, schon fast fad. „Ich bin halt die Herzeig-Alte“, sagt Lohner dazu. Und lacht.

Auf einen Blick

„Männer und andere Irrtümer“. Das neue Stück von Chris Lohner feiert Mittwoch, 3. Oktober, Premiere im Stadttheater Walfischgasse (1010 Wien, 20 Uhr). Weitere Aufführungen finden im Schutzhaus Zukunft (Auf der Schmelz) und im Komma in Wörgl, Tirol, statt. Das Stück handelt von einer Frau, die von ihrem Mann (Midlife-Crisis) verlassen wird.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.10.2012)

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3 Kommentare
Gast: Hutbürger
02.10.2012 11:32
1 0

eine zeitlos sympathische Frau.

Bravo!

Faszinierend

dass so eine Selbstverständlichkeit mittlerweile schon als Schlagzeile taugt. So weit hat uns der Femischismus gebracht.

Gast: HBY
01.10.2012 21:08
7 0

Ist der Mann nicht Feind der Frau ...

... schließt das nicht aus, dass die Frau Feindin des Mannes ist :-)