Emily Blunts bekannteste Rolle liegt sechs Jahre zurück – ein Einsatz als Meryl Streeps Chefsekretärin in „Der Teufel trägt Prada“. Doch in diesem Jahr könnte sich das ändern. Aktuell beweist die 29-jährige Britin ihre Wandlungsfähigkeit in dem Science-Fiction-Thriller „Looper“, der weltweit zum Kritiker- und Publikumserfolg avanciert.
Die offensichtlichste Frage zuerst: Würden Sie gern in der Zeit reisen?
Emily Blunt: Ganz ehrlich – nein. Ich möchte nicht wissen, wie mein Leben in 30 Jahren aussieht. Solche Gedanken wären mir viel zu stressig. Diese Einstellung brauche ich auch, wenn ich diesen Job machen will. Denn der ist ja geprägt von äußerster Unsicherheit. Ich lebe von Moment zu Moment. Du kannst dich in diesem Geschäft auf nichts verlassen. Deshalb hatte ich nie große Erwartungen. Dass ich Erfolg hatte und meinen Job immer noch weitermachen kann, ist ein absoluter Glücksfall. Wenn ich einem Schauspielanfänger einen Rat geben soll, dann nur den: Kämpf nicht dagegen an, denn du kannst dich sowieso auf nichts verlassen. Mache dir keine großen Sorgen, es ist alles nicht so wichtig.
Das redet sich von Ihrer Warte aus leicht.
Sie haben recht. Es ist auch nicht so, dass ich immer schon so gedacht habe. Früher habe ich mir wesentlich häufiger den Kopf zerbrochen.
Mit einer Zeitmaschine könnten Sie Ihrem jüngeren Selbst gut zureden.
Das würde ich auch nicht wollen. Nur jemand, dem es in der Gegenwart mies geht, hat so ein Bedürfnis. Aber ich bin momentan sehr glücklich. Seit ich meinen Mann kennengelernt habe, habe ich in meinem Leben ein Gefühl von tiefer Liebe, das mir eine sichere Basis gibt. Das half mir auch, entspannter und spontaner zu werden. Es ist schwierig, mich zu verstören oder zu schockieren.
Dann müssten Sie eine Abenteurerin sein...
Ich würde eher sagen, ich bin eine große Träumerin. Wobei ich nicht im Wohnzimmer sitze und herumsinniere, ich mache auch etwas aus meinen Träumen. Deshalb bin ich ja Schauspielerin. Ein echtes Abenteuer, das ich erlebt habe, liegt schon viele Jahre zurück. Da war ich 15.
Was haben Sie da gemacht?
Ich ging auf eine tolle Schule, in der ich eine fantastische Biologielehrerin hatte. Sie organisierte für Jugendliche Reisen an außergewöhnliche Orte. Ich zum Beispiel fuhr mit ihr nach Tansania, wofür ich das Geld selbst auftreiben musste. Während ich mir vorher Sorgen machte, ob ich auf eine Party eingeladen werde, flog ich mit ihr nach Afrika, wo wir im Freien campierten und Klassenzimmer und Toiletten für eine örtliche Schule bauten. Das war total überwältigend. Das war das erste Mal, dass ich etwas Außergewöhnliches in meinem Leben leistete.
Suchen Sie bei Filmdrehs auch solche außergewöhnlichen Erfahrungen?
In kreativer Hinsicht schon. Aber sonst möchte ich meinen Spaß haben. Wahrscheinlich bin ich deshalb die unprofessionellste Person am Set. Das war auch bei „Looper“ so. Während sich mein Partner Joseph Gordon-Levitt zu konzentrieren versuchte, habe ich herumgekaspert. Ich kann das alles nicht zu ernst nehmen. Aber ich finde auch, dass nur eine angenehme Atmosphäre zu den besten Resultaten führt. Nicht, wenn alle angespannt sind und sich gegenseitig stressen.
Aber nicht jeder Regisseur mag Partystimmung am Set...
Auch okay. Von einem Regisseur verlange ich bloß Folgendes: Er soll eine klare Meinung haben und gleichzeitig offen sein, was manchmal im Widerspruch zueinander steht. Ich würde mir wünschen, dass sie auch für meine Vorschläge offen sind. Das war leider nicht immer der Fall.
Wie gut können Sie am Drehbuch beurteilen, ob ein bemerkenswerter Film herauskommt?
Es muss mich einfach packen. Normalerweise weiß ich das ziemlich schnell. Ich sage immer „Ich lese von jedem Skript 30 Seiten.“ Wenn ich da schon vorhersehen kann, wie sich die Geschichte weiterentwickelt, dann interessiert sie mich nicht. Aber ich habe keine Strategie. Denn wie ein Film werden wird, kannst du nie vorhersehen. Und ebenso wenig, ob ihn sich das Publikum anschauen wird. Dazu brauchtest du eben eine Zeitmaschine. Aber ich liebe das große Unbekannte.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.10.2012)
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