Es kommt eher selten vor, dass sich Bewohner einer Stadt einen Reiseführer für ihre Heimat zulegen. Weil man meint, ohnehin jede Ecke zu kennen. Und weil man in dieser schlafwandlerischen Sicherheit gar nicht erst auf die Idee kommt, nach verborgenen Ecken zu suchen.
Genau damit wollen die Betreiber von „Luups“ aufräumen. So nennen sich der Verlag und das gleichnamige Gutscheinbuch, das für Abwechslung im städtischen Alltag sorgt. „Liebe deine Stadt“ lautet das Motto. Und der Gag dahinter sind die darin enthaltenen Gutscheine für Essen, Trinken, Freizeit und Kultur, die zum Kauf motivieren sollen. „Luups“ baut auf dem beliebten Prinzip „2 for 1“ auf und zielt dabei nicht stur auf Wienerinnen und Wiener ab. Ein junges Pärchen aus Konstanz am Bodensee findet ebenso Gefallen. Die Gäste aus Deutschland kosten sich in der Bäckerei Backliesl im siebenten Bezirk durch die Frühstücksvariationen – und sind begeistert. Luups, meinen sie, hat ihrem fünftägigen Wien-Urlaub das gewisse Etwas verliehen.
„Für uns ist das die perfekte Gelegenheit, diese Stadt kennenzulernen. Wir haben auf diese Weise mehr von Wien gesehen, wunderschöne Ecken fernab von jedem Touristenstrom entdeckt“, erzählt Laura zufrieden und nimmt nach zwölf eingelösten „Luups“-Gutscheinen einen kräftigen Schluck von ihrem Wiener Kaffee. Das Angebot von „Luups“ ist reichhaltig. Beim Blick durch die Seiten des Buches stößt man auf unzählige verschiedene Gutscheine. Von Frühstücksvariationen über Hauptspeisen bis zu Torten und Cocktails. Und wer weder Hunger noch Durst hat, kann etwa bei „Dialog im Dunkeln“ die Welt aus der Sicht von Blinden kennenlernen oder ausgefallenes Kinodesign im Filmcasino bestaunen.
Am Anfang waren Notizen
Katrin Hofmann leitet die Geschicke bei Luups Wien. Sie pflegt die Kontakte zu den Partnern, handelt Deals aus, realisiert die Umsetzung. Anfangs führte die heute 30-Jährige für sich selbst Buch, hinterließ Notizen, wenn ihr Wiener Locations in besonders guter Erinnerung blieben. Seit 2009 macht sie selbiges in Form von Luups auch für die Allgemeinheit. Das Projekt entwickelte sich schnell zu einer Herzensangelegenheit – und zu einem Verkaufsschlager. Die 2012er-Version, in 2000-facher Auflage erschienen, war rasch ausverkauft. „Luups 2013“ ist seit gestern, Montag, auf dem Markt. Die Geschäftsidee an sich stammt nicht von der Oberösterreicherin, sondern kommt aus Dortmund.
Seit der Markteinführung im Jahr 2005 nimmt das Interesse laufend zu. Mittlerweile verfügt jede größere deutsche Stadt über ihre eigene Ausgabe. 2012 finden sich bereits 22 verschiedene Bücher auf dem Markt. Die Expansion ist eine logische Folge der steigenden Nachfrage. Kürzlich fand auch Graz als zweite österreichische Stadt Aufnahme in das Angebot. Innsbruck und Salzburg folgen 2013. „Egal, wo man sich aufhält, es gibt immer eine gewisse Kreativszene. Jede Stadt hat ihre sympathischen Ecken und Lokale“, erklärt Hofmann. Der schlichten Idee sind in der Praxis keine Grenzen gesetzt. In Hotspots wie New York oder London könnte sich ein Reiseführer dieser Art in tausendfacher Ausführung verkaufen.
Alles beim Alten
Noch sind solche Gedankenspiele reine Zukunftsmusik, doch die Gegenwart ist für Katrin Hofmann spannend und arbeitsintensiv genug. Und so positiv die allgemeine Resonanz auch ist, gibt es auch einige Kritikpunkte. Etwa findet das Prinzip „2 for 1“ nicht bei jedermann Anklang. Wer sich allein in ein Café setzt, zieht keinen Nutzen aus dem zweiten Frühstück, das gratis serviert wird. Ein Problem, mit dem auch Hofmann schon des Öfteren konfrontiert war. Daran ändern wird sich allerdings nichts. Man bleibt seiner Firmenphilosophie auch in Zukunft treu, will dadurch das gemeinsame Erlebnis fördern. „Es soll ein Ansporn sein, seine Freizeit zu zweit zu verbringen.“
Der Gutscheinführer „Luups 2013“ ist in Wien seit dem 8.Oktober für 16,90 Euro erhältlich. Das Gutscheinbuch baut auf das Prinzip „2 for 1“ auf. Soll heißen: Eine Person zahlt den Normalpreis, die zweite Person konsumiert die gleiche Leistung gratis. Insgesamt gibt es 61 Angebote.
WEITERE INFORMATIONEN UNTER
("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.10.2012)
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