Salma Hayek ist zurück. Nach Babypause und belanglosen Adam-Sandler-Komödien beweist die 46-Jährige als Drogenbaronin in Oliver Stones Thriller „Savages“, dass man auch als Mutter sehr bedrohlich sein kann. Im Interview dagegen demonstriert sie lautstark gute Laune und mexikanisches Temperament. In ihrer Unverkrampftheit lässt sie ganz vergessen, dass sie neben HollywoodSchauspielerin auch Milliardärsgattin und Medienunternehmerin ist.
Regisseur Oliver Stone ist dafür bekannt, dass er mit Schauspielerinnen ziemlich unsanft umspringt.
Salma Hayek: Er hat einige heftige Sprüche von sich gegeben, aber ich bin ein kluges Mädchen und habe mich nicht davon beeindrucken lassen. Wenn er solche Sachen sagte, dann haben meine Kollegin Blake Lively ich sofort gekontert – in Stereo.
Aber Sie hatten keine Bedenken, sich auf so etwas einzulassen?
Nein, denn ich liebe viele seiner Filme, besonders „Salvador“. Und ich bin auch begeistert von „Savages“. Jeder glaubte, der Mann könne uns nicht überraschen, und auf einmal wird er bei diesem Film wieder ganz jung. Viele Actionfilme von heute sehen alle gleich aus. „Savages“ dagegen hat eine Sinnlichkeit der Bilder, einen Rhythmus, der hochmodern wirkt, aber auch etwas zutiefst Persönliches ausstrahlt. Ich würde sogar sagen, dieser Film besitzt trotz aller Gewalttätigkeit etwas Feminines – auch wenn mich Oliver für diesen Satz wohl hassen wird. Aber ich liebe ihn deshalb jetzt umso mehr.
Für Sie als mexikanischen Hollywood-Star müsste die Geschichte über einen US-mexikanischen Drogenkonflikt besondere Relevanz besessen haben.
Natürlich. Und das Bemerkenswerte an dem Film ist, dass er auch die amerikanische Seite des Konflikts zeigt. Wir hören immer über das US-Engagement in Afghanistan oder im Irak, aber nie erfährt man, wie die Amerikaner im mexikanischen Drogenkrieg drinhängen. Dabei finanzieren sie ihn als Konsumenten und sie liefern dafür die Waffen.
Sie spielen darin eine Drogenbaronin – wobei weibliche Kartellchefinnen nach wie vor die Ausnahme sind. Warum?
Ganz einfach: Männer sind gewalttätiger. 94 Prozent aller weiblichen Häftlinge haben ihr Verbrechen wegen eines Mannes begangen. Und beim Grad an Brutalität in Männer- und Frauengefängnissen gibt es riesige Unterschiede. Ich sehe es auch privat: Eine Freundin hat zwei Jungs, die den ganzen Tag nur kämpfen wollen. Und was will meine Tochter? Prinzessin spielen.
Ihre Filmfigur ist gleichzeitig leidenschaftliche Mutter. In dieser Seite des Charakters dürften Sie sich aber eher wiederfinden.
Absolut. Ich kann mich mit allen Müttern wunderbar identifizieren. Wenn du ein Kind hast, wirst du angreifbar, aber das gibt dir auch enorme Stärke. Und es spielt keine Rolle, was für einen Beruf du hast, ob Gangsterchefin oder Schauspielerin, wenn du eine Mutter bist, dann bist du eine. Das liegt in deinen Genen. Ich sehe das schon meiner vierjährigen Tochter an. Sie ist dazu geboren, eines Tages Mutter zu sein.
Sind Sie als Mutter streng oder großzügig?
Das kommt darauf an. Ich höre meiner Tochter gut zu, möchte wissen, was sie will. Aber ich kann definitiv auch Nein sagen. Und wenn sie trotzdem nicht hören will, dann habe ich die Zauberformel „Ich sage es deinem Papa.“ Das funktioniert immer, wobei er's eigentlich lockerer angehen lässt als ich.
Sie führen als Hollywood-Star und Frau eines milliardenschweren Konzernchefs ein Luxusleben. Die Helden von „Savages“ steigen am Schluss aus ihrer Wohlstandsexistenz aus. Hätten Sie auch manchmal Lust?
Ich habe drei Leben – es kostet ein wenig Anstrengung, alle drei in Gang zu halten, aber das ist es wert. Mein erstes Leben ist meine Arbeit in Hollywood; die könnte ich jederzeit aufgeben. Wenn ich nie wieder einen beruflichen Anruf bekäme – mein Dasein wäre trotzdem noch fantastisch. Mein zweites Leben ist die Familie – das möchte ich natürlich nie aufgeben, denn ist das beste von allen. Aber ich habe auch noch ein drittes Leben, in dem ich weder Mutter noch Schauspielerin bin, und das für meine geistige Gesundheit sehr wichtig ist. Das ist meine Ranch, auf der ich bloß von Natur und meinen Tieren umgeben bin. Da geht es ganz, ganz einfach zu. Meinen Hühnern ist es egal, was ich trage und wie viel Geld meine Filme eingespielt haben.
Salma Hayek
wurde 1966 in Coatzacoalcos geboren. Ihr Vater, ein Libanese, war Politiker und Manager im Ölgeschäft, ihre Mutter eine mexikanische Opernsängerin. Mit zwölf kam Hayek auf ein US-Internat, von dem sie aber flog.
1991 gab sie ihre Hauptrolle in einer mexikanischen Telenovela auf und zog nach Los Angeles.
1996 wurde sie mit „From Dusk Till Dawn“ berühmt, 2003 für „Frida“ für Oscar und Golden Globe nominiert. Sie ist mit dem französischen Milliardär François Pinault verheiratet und hat eine Tochter.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.10.2012)
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