25.05.2013 08:07 Merkliste 0

25 Jahre Seitenblicke auf Österreich: „Gesellschaft, nicht Society“

15.10.2012 | 18:16 |  von Teresa Schaur-Wünsch (Die Presse)

Die „Seitenblicke“, Gesellschaftspionier des ORF, werden 25. Und feiern mit einer Party Dienstag Abend und einem Buch.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Es war schrecklich“, sagt Lisbeth Bischoff, Seitenblicke-Redakteurin der ersten Wochen. „Weil die meisten uns keine Interviews geben wollten. Es hieß, man lasse sich nicht durchs Schlüsselloch beobachten. Man hat über uns die Nase gerümpft.“ Entsetzlich, sagt Kollege Karl Hohenlohe, seien die Reaktionen gewesen. „Vernichtend. Sofort einstellen!“

„Natürlich“, schreibt auch Autor Georg Markus, sei er im Herbst 1987, als die erste Sendung ausgestrahlt wurde, gegen die Seitenblicke gewesen, „und diese kritische Haltung hielt sich genau bis zu jenem Tag, an dem meine nächste Buchpräsentation angesetzt war.“ 25 Jahre später gibt es die Seitenblicke immer noch – und Georg Markus bringt gerade ein Buch über sie heraus.

Künstler und Adelige, Prominente und Betuchte auf vermeintliche Tuchfühlung ins Wohnzimmer gebracht hatte Teddy Podgorski, ab 1986 ORF-Generalintendant. Er habe sich schon als Sportchef immer wieder die Frage gestellt, ob es nicht die Möglichkeit gäbe, das Gesellschaftsleben ins Fernsehen zu rücken – die Zeitungen taten das ja schon lang, schreibt Redakteur Robert Reumann in Markus' neuem Buch.

Binnen Kurzem zeigte sich ein typisch österreichisches Paradoxon: „Keiner hat es geschaut, aber bald waren wir erstmals bei einer Million Zuschauern“, erinnert sich die heutige ORF-Adelsspezialistin Lisbeth Bischoff im Gespräch mit der „Presse“ amüsiert. In kürzester Zeit kippte auch die Skepsis der beobachteten Protagonisten ins andere Extrem: „Man stand Schlange, wir wurden angerufen und konnten uns vor Einladungen nicht retten.“ Kam man nicht vor, war man mitunter auch ein bisserl böse; der eine oder andere soll ein Jahr nicht mit dem ignoranten Redakteur gesprochen haben. Die erste positive mediale Kritik erschien übrigens, erinnert sich Reumann, in der „Presse“: So stelle man sich eine Gesellschaftssendung vor.


Was verblüffen mag, ist die Tatsache, dass sich weite Teile der Gesellschaft selbige auch heute noch so vorstellen. Die Seitenblicke haben Programmreformen überdauert und nicht zuletzt hausinterne Konkurrenz verkraftet und halten seit Beginn der aktuellen Quotenmessung 1995 kontinuierlich bei rund 700.000 Zuschauern und 33 Prozent Marktanteil – jeder dritte Seher erholt sich nach der schweren Kost der Nachrichten mit Birgit Sarata am Society-Buffet. Wobei man einen kleinen begrifflichen Exkurs einfügen sollte, denn ORF-intern betrifft die Diktion „Society“ Dominic Heinzls Chili-Konkurrenz; die Seitenblicke werfen selbige auf die „Gesellschaft“. Das ist nun freilich ganz im Allgemeinen und in Österreich im Speziellen nicht immer leicht zu trennen.

„Die Seitenblicke“, bietet Bischoff einen Erklärungsversuch an, „gehen dorthin, wo ein interessanter Mensch im Mittelpunkt steht. Oder eine Charity, eine Premiere, eben ein Ereignis der Gesellschaft. Und nicht nur eines jener Liebkinder der Presse, die auf drei Veranstaltungen gehen und sich dazwischen auf der Toilette umziehen.“ Dazu komme die würzige Kürze, meinen viele. Das sei wie beim Essen, so Karl Hohenlohe, einst erster Redakteur und heute Gault-Millau-Herausgeber (der gleich mit der ersten Sendung für den ersten Skandal gesorgt hatte, weil in seinem Beitrag Zuckerln mit Goldstaub, Zustellung im Rolls Royce und Finanzminister Lacina in einen nicht korrekten Zusammenhang gerückt wurden; tatsächlich kaufte Lacina unvergoldete Zuckerln ohne Lieferung.)

Dazu kommen im Erfolgsrezept Höflichkeit, Witz (auch wenn, glaubt Hohenlohe, die Beiträge früher ein wenig ironischer waren) und, nach fragwürdigen Erfahrungen mit einer moderierenden Ex-Miss, das Fehlen eines Moderators. Bleibt nur eine Frage unbeantwortet: Warum Alfons Haiders der meistbemühte Interviewpartner in 25 „Seitenblicke“-Jahren ist.

Auf einen Blick

Die Seitenblicke wurden erstmals am 28. September 1987 um 21.50 Uhr in ORF2 gesendet. Seither sind gut 29.000 Beiträge auf Sendung gegangen, 79.403 Personen (Stand 9. Oktober) wurden interviewt. Gefeiert wird heute Abend in den Studios von Interspot Film, die die Sendung seit 1997 produziert. Buch: „In bester Gesellschaft“, Georg Markus (Hrsg.), Amalthea Verlag, 24,95 Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.10.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

4 Kommentare
2 0

Dieser Artikel

paßt sehr gut zu den Seitenblicken. Beide scheinen mir sinnlos zu sein.

Gast: PÖHSE
16.10.2012 10:54
3 0

25 Jahre C-Promis per Zwangsgebühren !


ORF abschaffen ! Volksabstimmung, und Schluß mit der Sozi-Pfründnerei und dem EU-Fernsehen !

Gast: PÖHSE
16.10.2012 10:54
0 0

25 Jahre C-Promis per Zwangsgebühren !


ORF abschaffen ! Volksabstimmung, und Schluß mit der Sozi-Pfründnerei und dem EU-Fernsehen !

Gast: Jellinek W
15.10.2012 21:33
6 0

25 Jahre

Lichter Germknödel, Schiller Lippe, Fonsi und Gerry, Lugner Katzi, Ötzi Mehlsack, .....

Da ist der Rotfunk dem Bildungsauftrag voll nachgekommen!