Wie feiert man einen Abschied? Kann man einen Abschied überhaupt feiern? Ja, man kann, und ja, natürlich ist es ein wehmütiges Feiern. Aber Abschiede gehören zum Leben und helfen allen Beteiligten, etwas Neues zu beginnen. Würden jetzt Dale Carnegie oder der Dalai-Lama sagen, aber mit Glückstipps und Kalendersprüchen hat es „Die Presse“ nicht so. Das Gleiche gilt zum Glück für Michael Fleischhacker und Reinhold Gmeinbauer, ihren nunmehr ehemaligen Chefredakteur, ihre beiden nunmehr ehemaligen Geschäftsführer.
18 Jahre haben die beiden in Summe für die „Presse“ gearbeitet, 36 Jahre in der Styria, „beide sind ein ganz wesentlicher Teil des Konzerns, manche meinen Ikonen“, sagte am Donnerstagabend Klaus Schweighofer, Vorstand des Styria-Konzerns, der zum Abschiedsfest geladen hatte. Mit allen Mitarbeitern der „Presse“, beim Heurigen, dem Martinsepp in Grinzing, was ganz gut passt für ein wehmütiges Feiern und einen Blick zurück. 1991, mit 22, war Michael Fleischhacker zur Mediengruppe gestoßen, wenig später war er, wie Schweighofer formulierte, „bei der ,Kleinen Zeitung‘ als Andersdenkender stadtbekannt“. Reinhold Gmeinbauer wiederum hatte Mitte der Neunziger „die Wochenzeitungen in einer schier aussichtslosen Position übernommen und in ein paar Jahren an die Spitze geführt“.
2004 trafen die beiden an der Spitze der „Presse“ aufeinander. „Innerhalb von sechs Jahren“, bedankte sich Schweighofer, „ist es ihnen gelungen, die ,Presse‘ eindrucksvoll in die schwarzen Zahlen zu führen.“ Mit Herz und Hirn, Energie und Leidenschaft – in beiden Fällen „gepaart mit Charme, der sich nur unterschiedlich ausdrückt.“ Dass sich die beiden entschieden hätten, nunmehr andere Wege zu gehen, „ist eine Entscheidung, die für uns nicht so leicht hinzunehmen war“, bekannte Schweighofer. „Aber es ist zu akzeptieren und ringt mir Respekt ab. Weil ich weiß, welche große Verbindung sie zur ,Presse‘ haben.“
Vor allem von deren Mitarbeitern verabschiedete sich Reinhold Gmeinbauer bewegt in seiner Rede. Er wurde, genauso wie Fleischhacker nach ihm, mit Standing Ovations bedacht. Nicht zuletzt von den Nachfolgern, Michael Tillian und Rainer Nowak. „Ich weiß, dass ich kein Weltmeister im Zeigen von Zuneigung bin“, sagte Fleischhacker. Aber er habe auf dem gemeinsamen Weg nicht nur viel Spaß gehabt, es sei auch große Zuneigung entstanden. „Danke euch allen für die letzten zehn Jahre. Es war eine ziemlich gute Zeit.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.10.2012)
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