Am Beginn stand ein pragmatischer Entschluss: Johannes Gabriel wollte sein Zahnmedizinstudium rasch absolvieren. Seine Verwandten in Bulgarien, selbst Zahnärzte, machten ihm die Universität Sofia schmackhaft. „Hier bist du in sechs Jahren fertig“, versicherten sie. Gabriel war Mitte Zwanzig, hatte in Wien „herumstudiert“, wie er sagt, kämpfte mit Wartezeiten. Also packte er seinen Koffer und fuhr in die Heimat seiner Mutter.
Es war kein Auswandern in ein fremdes Land. Obwohl er Bulgarien gut kannte, „gibt es Dinge, die ich nie ganz verstehen werde“: etwa den teils chaotischen Lebensalltag. Zu Beginn sei es „ziemlich hart“ gewesen. An der Uni musste er an seinem schriftlichen Ausdruck feilen. Und: „Ich hatte keine Freunde.“ Mittlerweile hat er nicht nur einen Freundeskreis gefunden, sondern auch eine bulgarische Lebensgefährtin, mit der (und deren Mutter) er gemeinsam die Zahnklinik „Dentales“ führt.
44 Lewa, umgerechnet 22 Euro, beträgt der Kassenbeitrag im Jahr, der Rest ist Selbstbehalt. Viele Bulgaren warten daher mit dem Zahnarztbesuch, bis es wirklich weh tut. Gabriel will sowieso ins High-End-Segment: Seine Ordination verfügt über modernste Technik. Der nächste Schritt sei eine Internetseite mit Vorher/Nachher-Fotos, die den „Komplettumbau“ veranschaulichen, wie er lachend sagt.
Ihm gefalle, dass in Bulgarien derzeit viele Gemeinschaftspraxen entstünden, in denen sich die Ärzte spezialisieren können. „Im letzten Jahr bin ich nach vorn gesprungen. In Österreich hätte ich mich nicht so schnell selbstständig machen können“, fügt er an. Bei seinen Patienten macht sein deutscher Name Eindruck – „so sehr, damit habe ich nicht gerechnet“.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.10.2012)
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