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Andreas Gabalier, oder: Kernöl-Elvis mit Gusto auf Bratlfett

26.10.2012 | 18:46 |  von Samir H. Köck (Die Presse)

Der Volks-Rock'n'Roller aus Graz steht mit seinem neuen Live-Album wieder an der Spitze der österreichischen Hitparade. Der oft als „Kernöl-Elvis“ titulierte Pop-Überflieger propagiert am liebsten die Liebe.

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Hoch auf den Bergen lauert viel Gefahr. Dort wächst ein immergrüner Strauch mit Lederblättern, der von Botanikern beinah poetisch „bewimperte Alpenrose“ genannt wird. Wegen ihrer toxischen Wirkung aufs Vieh wird sie vom Volk „Almrausch“ genannt.

Auf der Alm sitzt alle Sommer auch Andreas Gabalier. Dort ersinnt der 27-jährige Grazer seine cholesterinhältige Songpoesie, die ohne falsche Scham Schweinsbraten, Bratlfett und Tiroler Gröstl lobt. Seine Gedanken sind da wohl schon wieder im Tal, wo die Freunde der volkstümlichen Musik eine ganz andere Art von Almrausch zelebrieren, nämlich einen, der nach einer soliden Unterlage verlangt.

Im leutseligen Ambiente von Zelt und Disco kitzeln sich die Massen eine grundsolide, durch Alkohol und Schlager-Tekkno hervorgerufene Intoxikation zusammen. Die eben erschienene DVD „Volksrock'n'Roller-Live“, die Gabaliers heurigen Triumph in der bis in den letzten Winkel ausverkauften Wiener Stadthalle festhält, zeigt enthusiasmierte Fans mit nicht zu wenig leeren Bechern in den Händen.

Es ist bekannt, dass diese Art von Musik besser in die Ganglien flutscht, wenn das Blut durch ein bisserl Bier und Wein beschleunigt ist. Gabalier selbst ist kein Freund der permanenten Dröhnung. Ihm geht es weniger um die Abhärtung der Leber, als um die Bewahrung eines weichen Herzens. Dem unvermeidlichen Imperativ „Stimmung!!!“ begegnet Gabalier mit durchaus vielschichtigem Songmaterial. Der im Widerspruch zu seiner Fleischeslust oft als „Kernöl-Elvis“ titulierte heimische Pop-Überflieger propagiert am liebsten die Liebe. In seinen romantischen Anwandlungen sieht er auf den Lichtungen des Lebens allerlei Engel und „sweet little Rehlein“. In Liedern wie „Heimweh nach dir“ und „Amoi seg'ma uns wieder“ zeigt er sich als sensibler, emotional intelligenter Zeitgenosse.

Für den distinguierten Stadtbewohner mag auch das zu grob geschnitzt sein, aber kein Grund für die Verdächtigungen, denen Gabalier von sonst so um politische Korrektheit bemühten Kreisen ausgesetzt ist. Nicht jeder, der die Worte „Heimat“ und „Volk“ im aktiven Sprachschatz hat, ist dem rechten Rand zuzuordnen.

Die populäre Unterstellung, dass Gabaliers Pose auf dem Cover seines Erfolgsalbums „Volks-Rock'n'Roller“ ein Hakenkreuz darstellen soll, ist schlicht hanebüchen.

Der sympathische Steirer kommentiert solchen Unsinn nicht. Lieber stellt er sich mit rustikal-rockigem Habit vor sein Publikum und röhrt seine Good-Time-Songs in das geweihverzierte Mikrofon. Die Demut hat er im Strudel der Erfolge nicht verlernt.

„Danke, dass ihr auch in Zeiten des Internet heimische Stücke handgemachter Musik kauft“, rief er bei seinem Konzert im Mai seinen vornehmlich weiblichen Fans entgegen. Seine Bilanz kann sich sehen lassen. In unserer Ära der Gratismentalität verkaufte er bislang mehr als 700.000 Alben. 74 Wochen lang hielt sich sein Opus „Herzwerk“ in den Top-10 der österreichischen Charts. Nur Michael Jacksons „Thriller“ schaffte mehr.

Turbo dieses erstaunlichen Erfolgs war das romantische „I sing a Liad für di“. Die Idee dazu kam Gabalier nach einer fröhlichen Disconacht um 4 Uhr früh in der Badewanne. Der Scissor-Sisters-Hit „I Don't Feel Like Dancing“ spukte noch in seinem Kopf herum. Den damals einsetzenden Ideenschwall verarbeitete Gabalier später noch zu einem zweiten Hit, dem kindlich-naiven „Sweet Little Rehlein“.

Den Hype nimmt er in derselben Gelassenheit zur Kenntnis, wie er die permanenten Fragen nach den amourösen Aspekten seines Privatlebens ignoriert. Der leidenschaftliche Rockfan, zu dessen musikalischer Sozialisation die väterliche Plattensammlung mit Alben von Status Quo und den Rolling Stones viel beitrug, ist derzeit vor allem gebannt davon, welche großen Emotionen er mit Musik auslösen kann. So sehr, dass er, obwohl längst als Headliner etabliert, sich nicht für Galaabende zu schade ist, bei denen er die Bühne mit Kollegen teilen muss.

Auf einen Blick

4. Schlagernacht des Jahres

28. Oktober in der Wiener Stadthalle, ab 16 Uhr.

Mit Andreas Gabalier, Vicky Leandros, Andy Borg, Nockalm Quintett, DJ Ötzi, den Schürzenjägern und anderen.

Karten bei Wien-Ticket.

CD und DVD: „Volksrock'n'Roller-Live“, Platz 1 der österreichischen Charts.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.10.2012)

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7 Kommentare

hihihi - den find´ich g u t -

der verarscht das dümmliche Volk vollendet :),
und verdient sich damit noch eine "Mörderkohle".

Der Verkaufserfolg des röhrenden Hirschen

bestätigt ja nur die intellektuelle Unterbelichtung
der Konsumenten.

Volksverdummung im Kulturteil Der Presse?

Ist nolens volens zu akzeptieren, weil der Herr G. mangels Interesse nicht das absolute Feindbild darstellt... Aber dann, geehrte Red., was zum Geier hat die Ankündigung der "4.Schlagernacht" zu suchen? Ich ginge dort nicht einmal hin, wenn mir eine Puffn an den Kopf hielte... mich schüttelt und reckt es heftig bei der Aufzählung der "Stars": DJ Ötzi, Andi Borg, Micky Krause, V. Leandros... pure (110%) evil!!!

3 1

Hahaha

Kernöl Elvis find ich Super aber die Musik ist eine Vergewaltigung meiner Ohren !!! Trotzdem Good luck Elvis

4 2

Etwas zuviel der Lobhudelei für

dermaßen seichte Unterhaltung!

4 1

was hat der Kasperl

im "Kultur"-Teil zu suchen?

Re: was hat der Kasperl

auf jedenfall mehr als ihr dümmliches Posting.....