Wiens Punschrevolutionär Heißgetränke vom Haubenkoch

12.11.2012 | 18:15 |  von Eva Winroither (Die Presse)

Markus Ornig eröffenet den ersten Wiener Gourmetpunschstand im Sigmund-Freud-Park. Er serviert Punsch nach Rezepten von Haubenköchen. Und setzt damit ein Zeichen gegen Fertigpunsch und schlechte Qualität.

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Es ist wohl ein Stück Alltagsironie, dass ausgerechnet jener Mann, der in Wien die Punschszene aufrüttelt, in Wahrheit gar keinen Punsch mag. „Ich hab's nicht so mit Heißgetränken. Schon gar nicht mit picksüßen“, sagt Schnauzbartträger Markus Ornig, 33 Jahre alt. Auch Kaffee trinkt der Inhaber der Eventagentur „Festakt“ nur, wenn „mir das Gesicht einschläft“. Trotzdem wird Ornig diesen Donnerstagabend den ersten Wiener Gourmetpunschstand im Sigmund-Freud-Park vor der Votivkirche eröffnen.

Die Rezepte dafür haben sieben österreichische Haubenköche geliefert. Unter ihnen Walter Eselböck, Christian Domschitz, Heinz Hanner sowie Rudolf und Karl Obauer, die so ungewöhnliche Kreationen wie Mandarinen-Ingwer-Punsch, Zwetschken-Schoko-Punsch und Zillertaler Bergpunsch erfunden haben.

Vorsicht bei Letzterem, sagt Ornig, da ist wirklich nur mehr Alkohol drinnen. Er grinst. So kurz vor der Eröffnung hat er natürlich alle Sorten schon probiert. Und ja, ohne dass er jetzt jemanden hervorheben möchte, der Zwetschken-Schoko-Punsch schmeckt ihm besonders. Da könnte er sich sogar vorstellen, mehr zu trinken.

Drei von sieben Punschsorten gibt es ab Donnerstag nun täglich beim Gourmetpunschstand. Ein eigens dafür engagierter Koch bereitet die Getränke frisch zu. Die Frische, die Zutaten, die sind Ornig wichtig. Waren sie doch der Grund, warum er überhaupt erst die Idee für den Gourmetpunschstand hatte. Immer wieder sei er auf dem Weg in die Arbeit beim Weihnachtsmarkt vor dem Rathaus vorbeigekommen. Und hätte sich ob des „Punschzirkus“ dort regelmäßig an den Kopf gegriffen.

Er möchte das nicht falsch verstanden wissen. Er habe nichts gegen den Rathausplatz, „der passt gut für die Touristen, aber was bleibt für die Wiener?“ Im Gespräch mit Gastronomen hätte sich außerdem herausgestellt, dass geschätzte 80 Prozent des Punsches aus billigen Fertigmischungen hergestellt werden. „Da kostet ein Glas zum Teil 30 Cent. Verkauft wird es aber um 3,50 Euro“, sagt er. „Ein Bombengeschäft“, wie er sagt, das zulasten der Kunden geht.

Ornig will es nun anders machen. Allein die Zutaten für seinen Punsch würden bei manchen Rezepten 3,50 Euro pro Tasse kosten. Trotzdem will er den Preis bei vier bis 4,50 Euro halten. Und einem Euro Glaseinsatz. „Ich will nicht, dass es dann heißt, hier wird teurer Punsch verkauft.“

Am Eröffnungsabend (an dem es übrigens alle sieben Sorten zu probieren gibt) kommt der gesamte Erlös der Männer-Prostatabewegung „Movember“ zugute. (Das ist übrigens der Grund, warum er einen Schnauzbart trägt. Die Movember-Anhänger wollen so auf ihre Anliegen aufmerksam machen.) Richtig viel Geld glaubt er, wird er mit dem Punschstand ohnehin nicht verdienen. „Aber wenn wir etwas cool finden, dann machen wir das auch.“

So wie im Winter vor zwei Jahren. Damals hat Ornig seine erste Erfahrungen im Punschgeschäft gemacht und den „Kubik-Punschstand“ im Sigmund-Freund-Park eröffnet. Ein eigenes Style-Konzept, bei dem bekannte DJs die Leute schon am frühen Abend zum Tanzen hätten bringen sollen. Der Stand wurde aus Wasserkanistern gebaut, die in den Farben Rot und Weiß geleuchtet haben. Der Kubik, sagt Ornig heute, sei aber ein voller Bauchfleck gewesen.

Die Leute hätten den Stand nicht sehr gut angenommen. Auch wenn die Facebook-Seite innerhalb weniger Tage 4000 Fans gehabt hätte. Nur gekommen seien zu wenige. „Kubik ist ja ein Sommerkonzept, das wir für den Winter adaptiert haben“, erklärt er den Flop. Nach einem Jahr Pause will er mit dem Gourmetpunschstand nun allerdings trotzdem ein neues Winter-Event wagen. Bei so viel Engagement könnte man glatt vergessen, dass Markus Ornig auch die kalte Jahreszeit gar nicht so richtig ausstehen kann.

Auf einen Blick

Wiener Gourmetpunschstand. Der erste Wiener Gourmetpunschstand wird Donnerstagabend, dem 15. November, im Sigmund-Freud-Park vor der Votivkirche eröffnet. Sieben Haubenköche haben für den Punschstand Rezepte entwickelt. Unter ihnen Walter Eselböck und die Brüder Obauer. Der Punschstand wird bis 21.Dezember täglich von 16 bis 22 Uhr geöffnet sein. Ein Punsch kostet vier bis 4,50 Euro. Außerdem gibt es Glühwein, Champagner sowie Hotdogs von Hildegard Wurst.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.11.2012)

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6 Kommentare

also

ich glaub ich werd's mal probieren, hört sich gut an

Hotdogs von Hildegard Wurst?

Na hoffentlich gibt es genug von ihr...

Re: Hotdogs von Hildegard Wurst?

So lange sie nicht von Conchita Wurst sind sind sie sicher genießbar.

Wenn er das Getränk nicht mag,


dann wird das außer teuer nix werden.

Re: Wenn er das Getränk nicht mag,

Artikel gelesen?
Wenn er bei einem Wareneinsatz von 3,50€ 4,50€ verlangt ist das sicher nicht überzogen.
Inbesonders wenn man vergleicht dass Andere bei einem Wareneinsatz von 0,30€ 3,50€ verlangen.

klingt nicht schlecht

Vielleicht werd ich hingehen.

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