Margaretner Autoren: Mayröcker und Puff-Topflappen

Eine Anthologie versammelt auf 300 Seiten 28 Autoren aus dem 5. Bezirk, von Friederike Mayröcker bis Ernst Hinterberger. Vorgestellt wurde der Band natürlich vor Ort. Weitere Bezirksanthologien sind in Planung.

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Friederike Mayröcker – (c) FABRY Clemens

Die einleitenden Worte gebühren bei einer solchen Veranstaltung natürlich dem Bezirksvorsteher. „Einem Arbeiterbezirk“, sprach also Kurt Wimmer von der SPÖ, „hätte man ja nie zugetraut, dass er Kultur hat. Das Gegenteil ist der Fall.“ Es gebe Literaten („und Literatinnen!“ unterbricht ihn ein Zwischenruf aus Richtung Bar) wie Friederike Mayröcker, der zu Ehren man gerade erst vor wenigen Tagen einen Fliederbusch im Bezirk, auf dem Zentaplatz, gepflanzt habe. Oder „den Ernstl Hinterberger, der uns wahnsinnig abgeht“.

Dazwischen gibt es noch einige andere, und ziemlich viele von ihnen waren am Montagabend ins Restaurant Gergely's im Margaretner Schlossquadrat gekommen. Mayröcker allerdings nicht („zu viele Menschen für sie“, sagt die Verlagsleiterin). Und Mundl-Erfinder Ernst Hinterberger ist bekanntermaßen im Mai gestorben, just im gleichen Monat, in dem Mathias Handwerk und Harald Pesata die Idee hatten, alle Margaretner Autoren in einem Band zu versammeln.

Sie seien davon ausgegangen, dass sie am Ende zehn Autoren haben würden, hundert Seiten das Buch, sagt Elisabeth Schmidt, Chefin des Verlagshauses Hernals, das die Anthologie herausgegeben hat. Geworden sind es 300 Seiten von 28 Autoren, von denen 21 am Montagabend im Gergely's sitzen. Oder bei Bier und Zigaretten an der Bar stehen, wie etwa El Awadalla, die zwar im Burgenland geboren wurde, aber seit mehr als 20 Jahren in Margareten lebt, und die man vor allem kennt, weil sie 2005 die Million in der Millionenshow gewonnen hat. Dabei schreibt sie seit Jahrzehnten, zuletzt „seawas, grüssi, salamaleikum“ über „Dialoge in der U-Bahn“.

Mundart ist die Spezialität von Herausgeber Harald Pesata, der seinen Mitbezirksbewohnern gern satirisch den Spiegel vorhält. Oder von Christa Urbanek, einem Margaretner Original mit kurzen Haaren, gemusterter Brille und einem Talent zur Kleinkunst. Sie nennt einen „Schatzerl“ und wurde von Sozialstadträtin Sonja Wehsely erst am Montag mit dem „Preis der Menschlichkeit“ für ihre „nachweihnachtliche Bescherung“ ausgezeichnet (für 2013 sucht sie noch eine Location). Schreiben, sagt „die Urbanek“, würde sie gar nicht. Aber man habe sie um eine ihrer Geschichten gebeten, also habe sie sie niedergeschrieben. Und so erfährt man von einer Dame, die unversehens zur „Buffmuada“ avanciert und die Verhältnisse ebendort beschreibt, wie sie sich selbst die Zeit vertreibt – mit Topflappenstricken.

Ganz nach Intention der Herausgeber („Ein Bezirk stellt sich über seine Literaten vor“) sind viele der unterschiedlich etablierten Schriftsteller mit ihren Texten nah dran an der Welt, die sie umgibt. Allen voran natürlich Hinterberger, dessen Witwe Karla drei bisher unveröffentlichte Texte aus seinem Nachlass zur Verfügung gestellt hat. An diesem Abend liest sie zum ersten Mal einen Text ihres verstorbenen Mannes, es geht um seinen „ersten 1. Mai“ und was heute daraus geworden ist, und sie hat extra daheim dafür geübt.

Die Idee der Bezirksanthologie, sagt Verlagschefin Schmidt, komme „sehr, sehr gut“ an, weitere Bezirke seien bereits in Planung. Als Nächstes soll eine zum 3. Bezirk erscheinen, danach eine zum 17. Und auch die Pläne für die Bezirke 16 und 9 seien „schon ziemlich konkret“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.11.2012)

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