Welt-Aids-Tag: Bären, Punsch und Party

28.11.2012 | 17:26 |  Teresa Schaur-Wünsch (Die Presse)

Der Life-Ball-Verein wird 20, das Aids-Hilfe-Haus 15 Jahre alt. Gefeiert wird mit Punsch, Bärenwerkstatt und einer Party am Samstag.

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Gefeiert wird getrennt, und genau genommen ist es der Life Ball, der es ruhiger, adventlicher und familientauglicher angeht – während man im Aids-Hilfe-Haus die Boxen aufdreht und sich das klassische Life-Ball-Motto ausleiht: nicht über Krankheit und Tod zu klagen, sondern gemeinsam das Leben zu feiern. Und die aufklärerische Botschaft mitschwingen zu lassen. Dass der eine oder andere Gast mit Punsch beginnt und dann weiter zur Party wandert, ist dabei freilich nicht ausgeschlossen.

Jubiläen gibt es da wie dort. Am 1. Dezember 1992 gründeten Gery Keszler und Torgom Petrosian den Verein Aids Life, der seither den Life Ball veranstaltet. Diesen Samstag ist es also 20 Jahre her, gefeiert wird am Nachmittag familienfreundlich mit Bernd Schlacher im Motto am Fluss, mit Punsch und einer Bärenwerkstatt: Der Reinerlös soll dem Projekt Operation Bobbi Bear zugutekommen, das heuer am Life Ball ausgezeichnet wurde.

Bärentherapie für Kinder

Gründerin Jackie Branfield setzt in Südafrika die herzigen Bären dabei nicht als Spielzeug oder für PR-Zwecke ein: Missbrauchte Kinder dürfen anhand der Bären ihre Geschichte erzählen oder darauf malen. So machen die Teddys erstens schonend schnelle Prophylaxe möglich, zweitens sind sie später auch vor Gericht zugelassen. Wer will, kann zugunsten des – ebenfalls vor 20 Jahren gegründeten – Projekts nun selbst einen Bären gestalten (und mitnehmen). Oder bis März warten, da werden prominent gestaltete im Dorotheum versteigert. Bill Clinton und Sean Penn haben sich bereits auf einem Stofftier verewigt, auch ein Lagerfeld-Bär ist gerade eingetroffen und wird am Samstag zu sehen sein. Branfield, die die ganze Woche in Wien ist, kann es freilich kaum glauben, dass in Österreich nur noch zehn Menschen pro Jahr an Aids sterben. Und ist angesichts der Unterstützung „den Tränen nahe“.

Dass das Problem in Österreich trotzdem nicht erledigt ist, wurde diese Woche schon am Montag klar, als sich der Verein Aids Life in der Kunsthalle zur Jubiläumsdiskussion traf. Die dann doch an den Life Ball erinnerte: Als Location hatte man sich die Ausstellung „Xtravaganza“ von Leigh Bowery ausgesucht. Bowery war ein künstlerisches Enfant terrible der Londoner Clubkultur der Achtziger, nutzte seinen Körper als Werkstoff – und starb 1994 an Aids. Heute ist die Krankheit behandelbar, „aber an der Diskriminierung“, sagt Keszler, „hat sich erschreckend wenig geändert. Betroffene werden am Arbeitsplatz rausgemobbt oder knallhart entlassen.“

Keine traurigen Gesichter

In Härtefällen schnell und unbürokratisch mit kleinen Geldbeträgen zu helfen, war lange Zeit die Spezialität von Moderator Günter Tolar, der ebenfalls gekommen ist. 1992 hatte sich sein Partner nach der Diagnose das Leben genommen, Tolar sich daraufhin geoutet, von 1993 bis 2009 führte er seinen Verein. Heute ist er glücklich liiert und hat das unbestimmte Gefühl, seine „Schuld abgedient“ zu haben.

Mit Dolores Schmidinger oder Serge Falck steht er auch auf der Gästeliste für den 15. Geburtstag des Aids-Hilfe-Hauses. Eva Pölzl und Sylvia Graf moderieren, Emil Tischbein ist Stargast. „Mein Ziel ist“, sagt Projektkoordinator Gerd Picher, „dass ich an diesem Abend nur lächelnde Gesichter sehe.“ Idealerweise viele neue, die dann auch einmal auf einen Test im Haus vorbeischauen.

Auf einen Blick
Aids Life, der Trägerverein des Life Ball, lädt am Samstag anlässlich des Welt-Aids-Tags zum Charity-Punsch im Motto am Fluss. Außerdem gibt es eine Bärenwerkstatt zugunsten des südafrikanischen Projekts „Bobbi Bear“, von Prominenten gestaltete Bären werden ausgestellt. Ab 16 Uhr.
Im Aids-Hilfe-Haus in der Gumpendorfer Straße wird dessen 15-jähriges Bestehen gefeiert. Mit Emil Tischbein, Tamara Mascara. Show ab 20 Uhr.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.11.2012)

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3 Kommentare

Tabu Keuschheit

und Treue zum Partner.

Zuviel Aufmerksamkeit

AIDS bekommt in Ö meiner Meinung nach zuviel Aufmerksamkeit und Geld im Verhätnis zum tatsächlichen Einfluss. lt. Statistik Österreich sind in Österreich 42 Leute an AIDS im letzten Jahr gestorben. Bei den Männern waren es 28 das sind um 10 Männer mehr als an Brustkrebs sterben. Selbstmord liegt um den Faktor 30 ( 1280 Todesfälle) höher. Naturlich sind die Einzelschicksale tragisch, aber man sollte die Kirche im Dorf lassen. Auch bei der Forschung wird AIDS bevorzugt:
http://www.fairfoundation.org/factslinks.htm
Aber AIDS lässt sich besser vermarkten als z.b. Alzheimer oder Depressionen. (Machen Sie mal einen Alzheimer ball der ist sicher weniger bunt als ein Lifeball)

alzheimerball...

...wer kann sich daran noch erinnern...gg

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