Vom Wiener Salon ins Weinviertel "Die Jahreszeiten leben"

20.12.2012 | 18:14 |  von Anna Burghardt (Die Presse)

Sven und Felix Strasser schließen ihr Restaurant "Ein Wiener Salon". Das Landleben ruft: Ab Frühling laden die beiden auf ihr Strassergut.

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Gott sei Dank haben wir das nicht gemacht“, sagt Sven Strasser mit einem vielsagenden Blick zu seinem Lebenspartner, der ansatzlos ergänzt: „Sonst wären wir beide schon unter der Erde.“ Die Gastronomiequereinsteiger Sven und Felix Strasser erzählen von ursprünglichen Plänen, eine Luxuspension zu eröffnen. Geworden ist es vor sechseinhalb Jahren das kleine Restaurant „Ein Wiener Salon“ in der Stubenbastei. „Ein Anschnitt von Salon“, präzisiert Felix Strasser, eigentlich Architekt. „Tutto completto“ habe man damals selbst gemacht, Maria Theresia schaute den Gästen in raumfüllender Gestalt beim Essen zu, opulente blau-weiße Tapeten und weiße Originalstühle aus dem Palais Schönborn schufen Beletage-Wohnzimmer-Atmosphäre.

Heute, Freitag, schließen die beiden ihr Lokal. Mit Weltuntergang hat das nichts zu tun, eher mit Sehnsucht nach Ruhe, nach Natur. Sven, eigentlich Modedesigner, hat für die höchstens 24 Gäste „aus Platz- und menschlichen Gründen“ stets allein gekocht, Felix Strasser hat die Gerichte seines „Göttergatten“ mit persönlichen Anmerkungen garniert serviert. Zwei Hauben, 78 Punkte im „À la carte“ und weitere, ähnlich gute Bewertungen sind es für Autodidakten Sven Strasser geworden. Irgendwann komme dann ein fast gefährlicher Ehrgeiz, sagt er, man wolle immer mehr – eine starke Belastung. „Er hat sich dann schon gefragt: Sind nicht auch drei Hauben drin?“, ergänzt Felix Strasser.

Von Druck und Tempo haben die zwei nun genug. In Zistersdorf im Weinviertel kauften sie ein Haus mit Baujahr 1906 – „es ist zwar nicht barock, aber es schaut so aus“ – samt ein paar tausend Quadratmetern Grund und nannten es Strassergut. Der Name darin wird in Versalien geschrieben: „Wir müssen ja den Familiennamen Strasser rehabilitieren“, spielt man auf einen gewissen Ex-Minister an. Seit Sommer lebt das Paar dort, pendelt derzeit nach Wien. Felix Strasser will wieder im Bereich Architektur arbeiten. Im großen Keller mit Tageslicht werkelt er jetzt schon, „die Ideen sprudeln nur so“. Für das Projekt Strassergut planen die zwei intime Dinner im Wohnzimmer für höchstens zwölf Gäste, eine Kollektion aus Gewürzmischungen und Eingelegtem sowie Kochkurse mit kleinstmöglicher Teilnehmerzahl: für eine Person, „allerhöchstens zwei, sonst lernt man ja nichts“, ist Sven Strasser überzeugt.

Beide wollen die Jahreszeiten leben. „Im sechsten Bezirk bekommst du die ja nicht wirklich mit“, sagt Sven Strasser. Heute liebt er den Nebel. Sein Gatte scheint sich noch immer zu wundern, wie gut Sven das Landleben tut: „Als ich ihn kennengelernt hab, hätte ich nie gedacht, dass...“ – Felix Strasser überlegt laut, ob er das Wort Tussi verwenden soll – „...dass er einmal so in der Gartenarbeit aufgehen würde. Ich muss mir keine Sorgen machen, dass der Hund dreckig ins Haus kommt“, spielt er auf das an, was Sven Strasser so alles aus dem Garten ins Haus hineinträgt. Spanieldame Laura ist zwölf Jahre alt, „der geht's dort draußen überhaupt am besten“. Wenn man den Herren Strasser zuhört, wie der eine von Essiggurkerl-Versuchsanordnungen erzählt und der andere bei den schon fertigen Hochbeeten ins Schwärmen kommt, merkt man: Auch den beiden geht's dort draußen gut.

Auf einen Blick

„Ein Wiener Salon“, das Restaurant von Sven und Felix Strasser, schließt. Wer das Lokal übernehmen wird und ob das angenehm exzentrische Interieur bestehen bleibt, ist noch nicht klar. Das Paar hat ein Haus in Zistersdorf gekauft, betreibt dort eine kleine Landwirtschaft und wird Kochkurse, private Dinner sowie eigene Greißlereiprodukte anbieten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.12.2012)

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