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Jake Gyllenhaal: "Es war eine innere Reise"

22.12.2012 | 18:01 | von Mariam Schaghaghi (Die Presse)

Einst Cowboy in "Brokeback Mountain", jetzt tapferer Cop im gefährlichsten Teil von Los Angeles: Jake Gyllenhaal erzählt, wie er mit echten Polizisten auf Streife ging und warum er sich darauf freut, 40 zu werden.

So, wie er da sitzt, wirkt er ganz entspannt: lässig auf einen Stuhl gegossen, die Beine weit von sich gestreckt, in Jeans und blauem T-Shirt. Trotz seines Talents und seiner Intelligenz hat Jake Gyllenhaal immer noch etwas vom Charme des großen Jungen. Jetzt ist der 32-Jährige im Drama „End of Watch“ zu sehen, in dem er als Cop mit seinem Partner täglich gegen die Kriminalität von Downtown L.A. kämpft.

 

Haben Sie auch die Gerüchte gehört, dass Sie für die Rolle als Cop in South Los Angeles eine Oscar-Nominierung verdient hätten?

Jake Gyllenhaal: Wenn ich diesen Film sehe, kommt mir nur in den Sinn, dass ich sechs Monate in ein Projekt involviert war, das mir sehr am Herzen liegt. Meine Arbeit ist mir wesentlich wichtiger als jede Auszeichnung. Ich begeistere mich dafür – wie das Ergebnis dann aufgenommen wird, darauf habe ich keinen Einfluss. Dieser Film hat mein Leben ganz schön verändert, denn ich habe mich vorher noch nie so intensiv auf einen Film vorbereitet.

 

Was war denn so anders?

Es war eine innere Reise. Ich habe mich fünf Monate lang vorbereitet. Zwei- bis dreimal pro Woche bin ich mit Cops Streife gefahren, zweimal wöchentlich gab's Schießtraining mit scharfer Munition, und jeden Morgen ging's zum Nahkampftraining.

 

Und Sie haben Ihren Schädel kahl rasiert.

Das gerät in den Hintergrund, wenn man gleich auf der ersten Streifenfahrt live miterlebt, wie jemand ermordet wird. Wenn man mit Cops zwölf Stunden zusammen ist, bekommt man oft Gewalt zu sehen. Umso wichtiger war es mir, ihre Arbeit authentisch darzustellen. Die Zeit mit ihnen war so intensiv, dass einige mir näher sind als Freunde, die ich lang kenne.

 

Wie geht man damit um, einen Mord zu sehen?

Ich hatte nicht damit gerechnet, dass ich so etwas je sehen würde. Und dann wurde ich gleich bei meiner ersten Fahrt Zeuge einer Schießerei zwischen zwei Banden. Es ging um Drogen. Ein Mann erschoss jemanden, der gerade im Wagen aus seiner Auffahrt bog. Wir waren als Verstärkung angefordert worden.

 

Hatten Sie Angst?

Natürlich gab es Momente, in denen ich Angst hatte, aber uns wurden ja Taktiken beigebracht, die wir anwenden sollten, um uns zu verteidigen. Und die Professionalität, mit der die Polizisten ihre Arbeit machen, hat mich immer wieder aufs Neue schwer beeindruckt – ich habe ihnen voll und ganz vertraut und hätte keine sicherere Begleitung um mich haben können. Immerhin haben sie mit mir im Wagen eine zusätzliche Verantwortung aufgeladen bekommen.

Was für ein Mann wollten Sie denn als Junge immer werden?

Vielleicht jemand wie Paul Newman, der wunderbare Dinge für andere Menschen geleistet hat.

 

Newman war Ihr Patenonkel, nicht?

Nein, er war ein enger Freund der Familie und hat mir sogar einmal eine Fahrstunde gegeben. Meine Mutter hat einmal für ihn ein Drehbuch geschrieben. Er war von ihrem Talent total beeindruckt. Und irgendwie hat er auch uns dann für sich entdeckt. Er war ein sehr engagierter Mensch, der sich gern um andere gekümmert hat. Wenn jemand Probleme hatte, war er da. Ich habe oft, wenn ich Rat brauchte, mit ihm geredet.

 

Ihr Vater ist Regisseur, Ihre Mutter Drehbuchautorin. Wollten Sie deswegen Schauspieler werden? Oder gab's einen Plan B?

Nein, denn dabei verdient man richtig gutes Geld! (lacht) Ich bin wirklich in die Schauspielerei hineingewachsen, weil es bei uns normal war, dauernd Filme zu schauen und Schauspielern zuzusehen. Aber ich hätte auch Lust, selbst etwas zu schreiben oder Regie zu führen. Jetzt mit über 30 ist es auch weniger anmaßend von mir, daran zu denken.

 

Wo sehen Sie sich mit 40?

Ich bin davon überzeugt, dann geht der Spaß erst richtig los. Ich habe beobachtet, dass ich mit zunehmendem Alter auch mehr Selbstvertrauen gewonnen habe. Also werde ich dann hoffentlich vor Selbstbewusstsein nur so strotzen, sodass mir das viele großartige Filme beschert, als Schauspieler oder Filmemacher.

 

Und neben großartigen Projekten ist auch eine großartige Familie vorgesehen?

Oh Gott ja, auf jeden Fall.


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