„Nur nicht zwangsbeglücken“: Wie die Wiener feiern sollten

28.12.2012 | 16:41 |  von Teresa Schaur-Wünsch (Die Presse)

Die Wiener Eventmanagerin Maryam Yeganehfar im Gespräch mit der "Presse" über Silvester, die Angst vor Dresscodes, den Trend zur Mottoparty und ihren Weg über 9/11 zur Partyplanerin.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Die goldene Partyregel, sagte Francesca von Habsburg heuer in einem Interview mit der „Süddeutschen“, seien eigentlich drei. Man müsse erstens einen Empfang inszenieren, „der die Gäste noch auf der Türschwelle ihre Komplexe und Frustrationen ablegen lässt“. Sie sollen „hypnotisiert und in eine andere Welt entführt werden“. Zweitens müsse die Mischung der Leute stimmen. „Faustregel: Je unterschiedlicher in Temperament, Herkunft und Vermögen, desto besser!“ Drittens brauche man mitreißende Musik und gute Cocktails. Trockener Nachsatz: „Das wenigstens machen die meisten heute richtig.“

Maryam Yeganehfar antwortet auf die gleiche Frage mit einem klaren „don't“: Man dürfe seine Gäste vor allem nicht zwangsbeglücken. Und sie zu Silvester etwa mit Nachdruck aufs Dach bugsieren, „wo man dann vor lauter Nebel eh nichts sieht. Man muss einfach weg von dem, von dem man glaubt, dass man es machen muss.“

Die 36-Jährige hat Feiern zu ihrem Beruf gemacht, oder vielmehr: das Organisieren von Festen, von der privaten Weltuntergangsparty bis zur orientalischen Partnerfeier des Innenstadtanwalts. Erst kürzlich empfing sie eine 140-köpfige, großteils amerikanische Gruppe in Wien – für eine viertägige „Winter Wedding“ im großen Stil: Am Donnerstag begann man mit einem Essen im Schwarzen Kameel, freitags folgte eine Mischung aus Reception Dinner und Polterabend beim Döblinger Pfarrwirt – Dresscode „Black Tie“, Smoking und Abendkleid. Tags darauf die Hochzeit des in San Francisco lebenden Paares in Michaelerkirche (wo die Eltern der Braut einst getraut wurden) und Palais Liechtenstein; hier kam die Gesellschaft geschlossen in langem Abendkleid und Frack. „Die einzige Nachfrage dazu kam von einer deutschen Tante“, erzählt sie – in krassem Unterschied zu Wiener Festen, bei denen ein Dresscode gefragt ist.

Der funktioniert hier offenbar nur bei Bällen. „Sonst ruft immer jemand an und fragt, wie das lange Abendkleid gemeint sei.“ Yeganehfar plädiert, trotz ihrer sonstigen Ablehnung von Zwang, für ein einheitliches Erscheinungsbild. „Es sieht dort und auf den Fotos so viel schöner aus. Das ist doch der Grund, warum diese blöde Fête Blanche so erfolgreich ist. Der Mensch ist ein Herdentier – und es ist nett, wenn die Herde gleich ausschaut.“

Würde sie selbst zu Silvester einladen – und nicht am liebsten ins Ausland abtauchen –, sie würde ihre Gäste um einen bestimmten Stil bitten, „dem Abend vielleicht ein literarisches Thema geben und lange sitzen, essen und trinken.“ Yeganehfar schätzt Geselligkeit – und vermisst in Wien mitunter Rückeinladungen oder das ganz unkomplizierte Beisammensein, wie sie es aus anderen Ländern, vom Iran bis Amerika, kennt.

Im Iran wurde die Wiener Eventmanagerin geboren; 1979, im Jahr der Islamischen Revolution, kam sie als Dreijährige mit ihren Eltern, einem Ärztepaar, aus Teheran nach Wien. Hier wuchs sie auf, hier studierte sie an der Webster University – Management und Marketing. Später in Los Angeles, wo sie danach bei der weltgrößten Künstlermanagement-Agentur, William Morris, zu arbeiten begann. Dann kam der 11. September 2001, Maryam Yeganehfar kehrte für zwei Monate zurück nach Wien – und durfte danach aufgrund ihrer ursprünglichen Herkunft nicht mehr in die USA. „Ich saß plötzlich fest, musste über Nacht mein ganzes Leben stehen lassen.“

Das Wiedereingewöhnen in Wien war schwierig, „alles kam mir klein und eng vor“. Dazu komme, dass ein vermeintliches „Nicht-Österreicher-Sein in Österreich schwierig ist, und man das auch zu spüren bekommt“. Anders als in Los Angeles. „Dort sind alle anders. Und es interessiert die Menschen: Warum bist du da? In Österreich bildet man sich immer gleich ein Urteil, warum jemand da ist.“

Wieder hier, begann sie in einer Unternehmensberatung zu arbeiten – zuständig für die Organisation von (internationalen) Events. Seit fünf Jahren ist sie nun schon in diesem Bereich selbstständig. Hochzeit in Las Vegas, Geburtstag in Oxford – mit etwas reduzierter Gästezahl, dafür im Zweifelsfall unvergesslich. Wie auch die Mottopartys, die immer beliebter werden. „Meine Theorie ist, dass die Leute gelassener sind, wenn sie ein bisschen maskiert sind.“ Sixties-Geburtstag, die „Helden unserer Kindheit“-Party, nächstes Jahr organisiert Yeganehfar sogar eine „Great Gatsby“-Hochzeit. Nur Silvester richtig zu planen, das sei „noch nicht so en vogue“.

Zur Person
Maryam Yeganehfar wurde im Iran geboren, wuchs in Wien auf und lebte längere Zeit in den USA. Sie studierte unter anderem Marketing an der Webster University. Karriere: Im Jahr 2008 gründete sie die Full-Service-Eventagentur Yamyam, mit der sie weltweit Hochzeiten, Firmenfeiern und andere Veranstaltungen organisiert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.12.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

2 Kommentare

Dress-codes..

.. ist die äußerliche, aus Stoff bestehende political correctness. Nur nicht auffallen! Alle Männer in schwarz oder dunkelgrau, alle Autos in den gleichen Farben. Trostlos.

Re: Dress-codes..

Dress Code ist auch nichts anderes als eine Uniform! Nur ist halt dieser Ausdruck verpönt!

AnmeldenAnmelden