Das Ende des großen Fressens: Funktioniert nur mit Plan B

Besonders nach den Feiertagen will jeder gesünder essen. Schon beim Vorsatz gilt allerdings: Weniger ist mehr.

Nach der kollektiven Völlerei über die Weihnachtsfeiertage fällt ein Vorsatz nicht nur leicht, sondern fast schon unter „Erleichterung“: endlich weniger und gesünder essen. Die Hose drückt unangenehm, das Hemd spannt auffällig, und im Inneren seiner mehr oder weniger verformten äußeren Hülle fühlt sich so mancher wie die berühmte Gans, die den Hals nicht voll kriegen kann. Mit dem Unterschied, dass das arme Federvieh bei dem großen Fressen nicht unbedingt freiwillig mitmacht.

Im Unterschied zu Vorsätzen wie Nichtrauchen, der besseren Pflege zwischenmenschlicher Beziehungen oder mehr Sport fühlen die meisten Menschen gegen Jahresende die Notwendigkeit des Abnehmens richtiggehend – schon aus reinem Überdruss. Keine Kekse mehr, auch keine Naschereien vom Christbaum, und es kommt ja nicht mit einer Wurstplatte daher! Auch den Schnaps, von dem wir jedes Jahr aufs Neue erhoffen, dass er mit nur ein paar Millilitern ein ganzes Festtagsmenü vernichten kann, können wir nicht mehr sehen. Schluss!


Schlauer Körper. Gut so. Nicht nur die Kilos sind im Überfluss vorhanden, sondern offenbar auch die Motivation. Allein der Vorsatz hat schon etwas Segensreiches: In dem Moment, in dem er in unseren Köpfen zu reifen beginnt, lassen wir bereits von einem Wurstradl (dem 15.!) ab.

Das Problem beginnt dann allerdings bei der Umsetzung. Vielleicht liegt das einfach daran, dass wir uns ein bisschen zu viel vornehmen. Außerdem steht uns unser eigener Körper im Weg. Dieser gewöhnt sich leider doch recht schnell an eine erhöhte Kalorienzufuhr und merkt sich verdammt gut, dass es in den letzen Tagen nach dem Mittagessen immer noch ein Keks gab. So ein Organismus ist nämlich schlauer, als man denkt. Und er ist durchtrieben. Denn das, was wir eigentlich essen sollten – gedünstetes Gemüse, Fisch oder Obst – wird zwar verputzt, wenn es da ist, wirklich danach verlangt der Körper allerdings selten.

Vielleicht müssen wir aber einfach nur ein bisschen nachdenken. Darüber etwa, wie wir das mit der besseren Ernährung konkret hinbekommen wollen. Schon beim Vorsatz gilt das goldene Prinzip: Weniger ist mehr. Man kann zum Beispiel nur auf eine Versuchung verzichten, etwa Mehlspeisen, dafür aber mehr von den Dingen essen, die man sonst noch gern mag – vorausgesetzt, dass diese die Diät nicht ad absurdum führen. Plan B nennt man das – B für Belohnung. Und zwar sofort. Eine Belohnung, für die man sich ein paar Monate anstrengen muss, ist nämlich nicht nur nicht motivierend, sondern richtiggehend kontraproduktiv.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.12.2012)

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