Vom White Negro zum ästhetischen Rebellen

05.01.2013 | 18:13 |  von Karin Schuh (Die Presse)

Die Hipster gab es schon in den 1950er-Jahren, damals allerdings mit einer Prise Gesellschaftskritik.

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Der Hipster ist nicht nur schwer fassbar, er ist nicht einmal ganz neu – auch wenn er bei seinem ersten Auftreten ein bisschen beliebter war. In den 1930er-Jahren tauchte das Wort „hip“ erstmals auf und stand damals für angesagte Musik. In den 1950er-Jahren gab es die passende Subkultur dazu. Wobei es sich beim Hipster der 1950er-Jahre um weiße Bohemiens handelte, die den Lebensstil der schwarzen Subkultur kopierten. Schwarze Musik (Bepop, Swing und Jazz) und weiße, avantgardistische Dichter der Beat Generation standen dabei im Vordergrund. „Im Unterschied zu den heutigen Hipster hat man sich damals sehr wohl dazu bekannt, es gab eine gemeinsame Identifikation“, sagt Jugendforscher Philipp Ikrath. Gemeinsam ist den früheren und heutigen Hipstern ein „überlegenes“ Wissen in der Popkultur, also ein gewisses Expertentum, in erster Linie über neue Bands.

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Weiße imitieren Schwarze. 1948 thematisierte der Journalist Anatole Brovard in dem Aufsatz „A Portrait of the Hipster“ erstmals ebendiesen, allerdings ging es dabei um Codes der schwarzen Jazz-Subkultur, um sich von den Weißen abzuheben. 1957 behandelte Norman Mailer in seinem Buch „The White Negro: Superficial Reflections on the Hipster“ das Phänomen weißer Jugendlicher, die schwarze Codes übernahmen – inklusive rassistischer Klischees.

Mit den Hippies in den 1960ern verschwanden die Hipster, danach folgten Punks, Hip-Hopper, Technokids und Raver. Erst ab 1999 war der Hipster plötzlich wieder da. Allerdings hat er von der rebellischen und gesellschaftskritischen Haltung seiner Namenskollegen aus den 1950er-Jahren nichts mitgenommen. Rebelliert wird nur noch auf ästhetischer Ebene beziehungsweise in der Konsumsphäre, etwa durch Symbole, die der weißen Unterschicht entlehnt wurden. Was dadurch, dass auch diese im Mainstream angekommen ist, schwieriger wird.

Im Jahr 2000 behandelte David Brooks in seinem Buch „Bobos in Paradise“ die dem Hipster ähnliche Gruppe der Bobos. Seit 2008 betreibt Christian Lander den Blog „Stuff White People Like“, der Hipster eher positiv darstellt. 2012 erschien schließlich der von Mark Greif herausgegebene Sammelband „Hipster. Eine transatlantische Diskussion“, der für viele auch das Ende des Hipstertums signalisiert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.01.2013)

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