Liebe braucht Diskretion

12.01.2013 | 18:03 |  von Doris Kraus (Die Presse)

Warum altmodisch doch am längsten währt, Langeweile eine Tugend ist und Politiker ihr Privatlebenfür sich behalten sollten. Nicht zuletzt zugunsten ihrer Glaubwürdigkeit.

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Die Hollywood-Legende Paul Newman enthüllte einst das Geheimnis seiner Ehe mit Schauspielerkollegin Joanne Woodward. „Die Ehe“, sagte Newman, „sind drei Mahlzeiten am Tag und nicht vergessen, den Müll runterzutragen.“ Wem das zu sehr nach Pflegeheim klingt, der bedenke, dass Paul Newman und Joanne Woodward immerhin erstaunliche 48 Jahre miteinander verheiratet waren – eine eheliche Langstrecke, von der die Partner heutiger, eher kurzlebiger Promi-Ehesprints nur träumen können. Wie gerade wieder einmal en bloc belegt wird: Die Ehe des ehemaligen deutschen Bundespräsidentenpaares Wulff endete dieser Tage ebenso wie die Verbindung zwischen dem aus den Niederlanden nach Deutschland importierten „Golden Couple“ Sylvie und Rafael van der Vaart, dem Fußballer und dem Showgirl.

Die beiden Paare haben auf den ersten Blick herzlich wenig miteinander gemeinsam und begegneten sich wohl höchstens das eine oder andere Mal auf einer Veranstaltung, bei der man professionell vertraut in die Kamera lächelte. Auch ihre Trennungen erfolgten aus völlig unterschiedlichen Motiven. Die genauen Hintergründe sind zwar nur den Betroffenen bekannt, man darf aber wohl mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass das nicht lange so bleiben wird. Denn beide Paare zelebrierten ihr Privatleben in der Öffentlichkeit, was dieser schon fast das Recht gibt, auch über die finalen Details informiert zu werden, die letzte Sendung der Staffel zu sehen. Alles andere wurde ihr schließlich auch vorgeführt.

Wie weit dieses Recht der Öffentlichkeit gehen sollte, wird derzeit auf zwei Ebenen diskutiert: zu ebener Erd' vom Boulevard, der zumindest im Falle der Wulffs ein wenig heuchlerisch auf traurig macht, dass wieder eine Partnerschaft in die Brüche gegangen ist, und im ersten Stock von den Qualitätsmedien, die im Wesentlichen dieselben Details wie die im Erdgeschoß in die Auslage stellen, das allerdings hinter dem Vorhang der intellektuellen Auseinandersetzung. Man beschränkt sich auf die private Tragödie mit Polit-Faktor und philosophiert darüber, wie Politiker mit ihrem Privatleben umgehen sollten.


Wie einst die Kennedys. Die Frage ist, ob für Showbiz und Politik wirklich dieselben Regeln gelten sollten und wie viel Öffentlichkeit ein Paar verträgt, in dem zumindest einer der Partner von selbiger ernst genommen werden will. Bisher war der Trend eindeutig: Je medialer die Zeit, umso unerlässlicher wurde es auch für die Politik, das Private zum Öffentlichen zu machen, sich ein Filmstarlächeln zuzulegen und eine möglichst fesche Partnerin an den Arm zu hängen. An diesem Credo ist nicht zu zweifeln, schon die Kennedys haben es vorgemacht. Die konnten aufgrund der Tragödie von Dallas allerdings auch nie unter Beweis stellen, wie lange ihre Ehe all das noch ausgehalten hätte, was Enthüllungsjournalisten später ans Licht brachten.

Viele Politiker glauben daher, ohne einen gewissen Glamour-Faktor nicht mehr sein zu können. Auch Christian Wulff, früher eher als braver Biedermann bekannt, lernte die Freude am medialen Feuerwerk, das er mithilfe seiner fotogenen jungen Frau Bettina zünden konnte. Kein Wunder, welcher Mensch könnte denn einer solchen Verführung widerstehen, dem öffentlichen Beweis in Bild und Ton, was für ein schönes und glückliches Paar man doch ist. Gegen die Schmeichelei anderer kann man sich vielleicht noch wappnen, gegen die Selbstverführung aber ist kein Kraut gewachsen.

Den Luxus von Glück als Momentaufnahme kann sich ein öffentliches Paar allerdings nicht leisten. Der Preis für den Pakt mit der Öffentlichkeit heißt „Dauerstrahlen“. Das schafft niemand, schon gar nicht, wenn man sich beim Glücklichsein beobachten lässt. Das wurde sogar mathematisch belegt, mittels einer Formel, die der amerikanische Wissenschaftler Garth Sundem und ein Journalist der „New York Times“ entwickelten und mit der sie angeblich die Haltbarkeit von Promi-Ehen berechnen können. Die „Sundem/Tierney Unified Celebrity Theory“ zieht das addierte Alter der Eheleute, ihre vorhergegangenen Ehen, ihre Bekanntschaft vor der Ehe und den „Sexsymbol-Faktor“ der Frau in Betracht. Letztere Parameter werden mithilfe von Google-Ergebnissen kalkuliert. Klingt ziemlich schwierig, aber auch wer mit der Mathematik nicht so auf Du und Du steht, kann sich die Chancen ungefähr ausrechnen: Sie stehen eher schlecht.

Die demonstrative Verbindung von Glanz und Gloria, von Macht und Schönheit funktioniert daher vor allem bei politischen Randfiguren wie den Royals, bei denen Aussehen von Vorteil und Können Luxus ist.


Politische Aufmerksamkeitsökonomie. Anders verhält es sich mit dem Privatleben von Politikern, in dem Langeweile langsam wieder als Tugend gesehen wird, die Versuchung, dem Scheinwerferlicht zu widerstehen, als Charakterstärke, und der Mann und die Frau, die ihrem Privatleben Diskretion zugestehen, als klug und umsichtig. Und das sind Fähigkeiten, die wir bei unseren Politikern gern mögen. Die deutsche Tageszeitung „Die Welt“ meint sogar, dass der Fall Wulff zum Wendepunkt in der politischen Aufmerksamkeitsökonomie werden könnte. Und Diskretion, eine bürgerliche Tugend, die auch bei Bürgerlichen unter die Räder gekommen ist, die neue Trumpfkarte derer, die im Medienzeitalter ernst genommen werden wollen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.01.2013)

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5 Kommentare

Das mit dem Wulff ist schwach argumentiert.

Nicht er ist damit in die Öffentlichkeit gegangen, sondern seine Tussi.
Er hat daraus gelernt, sie nicht, sie kassiert Geld daraus.

Re: Das mit dem Wulff ist schwach argumentiert.

frau wulff ist eine hübsche Person, und keine tussi

Re: Re: Das mit dem Wulff ist schwach argumentiert.

eine Geldgeile, armselige, Heidi- Brühl-schöne Tussi. passt das besser?

Re: Re: Re: Das mit dem Wulff ist schwach argumentiert.

ja!
wobei sie eher ordinär als schön ist. aber immerhin groß und blond, als Dekorstück war sie ganz braucjbar

Re: Re: Das mit dem Wulff ist schwach argumentiert.

Dann ist sie halt eine hübsche Tussi, wenn Sie so wollen. Die Öffentlichkeit dürfte ihr aber schon sehr gut gefallen haben.

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