"Wien ist eine sehr filmische Stadt"

17.01.2013 | 18:30 |  von Teresa Schaur-Wünsch (Die Presse)

Henning Backhaus und Thiemo Strutzenberger haben mit "Local Heroes" Orte wie das Chelsea zu Filmschauplätzen gemacht.

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Bei der Filmpremiere kam die unvermeidliche Frage: die nach seinem Lehrer, Michael Haneke – und da hatte der noch nicht einmal die neuen Oscar-Nominierungen und den Golden Globe in der Tasche. Seinem Schüler, Henning Backhaus, ist die Sache sichtlich unangenehm. Er habe viel gelernt, sagt er dann in etwa, im Übrigen habe Haneke seine Sicht der Dinge, er sei auf der Suche nach seinem eigenen Weg.

Die erste Etappe dieses Wegs ist geschafft. Noch nicht einmal aus der Filmakademie draußen, hatte er den ersten Filmvertrag in der Tasche, für sein eigenes Drehbuch, seit Kurzem läuft der Film im Kino. „Local Heroes“ heißt er, wie der tatsächlich existierende Bandwettbewerb. Hauptheld Thomas, gespielt von Thiemo Strutzenberger mit Lederjacke und viel Kajal, hat tatsächlich noch Kurt Cobain als Idol und sonst wenig Perspektiven – abgesehen vom ersehnten Durchbruch, natürlich.

„Wie ein Autist“, erzählt Regisseur Backhaus, Jahrgang 1978, habe er an seinem Debüt gearbeitet. Das spielt – zumindest für Wiener – erkennbar in Wien. Da treten die jungen Musiker in den Stadtbahnbögen im Chelsea auf, mitunter unten am Donaukanal im Flex. Eine Welt, die beide kennen. Backhaus, großer Filmmusikfan und Soundtracksammler, spielt Klavier und war zwischendurch als Keyboarder in einer Band, „da haben wir auch den Gürtel rauf und runter gespielt, im Chelsea oder B72, ich hab diese Subkultur durchaus kennengelernt.“ Hauptdarsteller Strutzenberger (31), selbst gern Gast im Rhiz, ist bis heute in einer Band: „Melodiösere Musik, ruhiger, mit Gitarre, Geige, Schlagzeug, Synthesizer. Vernachlässigen das gerade aber aufgrund meiner Theaterarbeit.“ Ein Klassiker im Bandleben, im Leben wie im Film. Seine „Beautiful Boys“-Kollegen, glaubt er, hätten wohl schon gern etwas mehr Erfolg.


Gefunden haben sich Backhaus und Strutzenberger klassisch über ein Casting. Er habe, sagt Backhaus, in fast allen deutschsprachigen Schauspielschulen gesucht, zu Strutzenberger habe es „keine Alternative“ gegeben. Strutzenberger, geboren in Kirchdorf an der Krems, ist Absolvent des Reinhardt-Seminars, hat früh an der Burg gespielt, dann in Hamburg und Zürich, aber es zog ihn zurück nach Wien, zu seinen Freunden. Dass er so bald wie möglich in einem Film spielen will, „war immer klar“.

Backhaus wiederum ist in der DDR aufgewachsen. („Auch wenn ich kein kompletter Piefke bin, ich hab österreichische Verwandtschaft.“) Und auch er wollte schon immer Filme machen – obwohl oder eher weil er ohne Fernsehen aufgewachsen ist. „In der Schule war ich der Außenseiter, weil ich nie mitreden konnte. Also hab ich mir meine eigenen Filme ausgedacht.“ Später waren Filme wie „Dumbo“ und „ET“ – „schutzlose Wesen in einer Welt, mit der sie nicht umgehen können“ – Schlüsselerlebnisse für ihn. Lehrer Haneke sorgte dann für Kontrastprogramm. „Er hat mir die Kunstkinokiste aufgemacht. Aber ich weiß noch nicht, wo ich mich einsortieren soll. Ich mag B-Movies, Art House und Blockbuster – solange das Ziel erreicht ist.“

Sein nächster Film ist schon in Planung. Ein deutscher historischer Stoff. Nichtsdestoweniger ist er von Wien begeistert. „Eine sehr filmische Stadt, die noch nicht so abgegrast ist wie Paris oder Berlin. Ich hätte auch keine Probleme, die Prachtbauten zu zeigen, jenseits des Gemeindebaus zu drehen. Paris wurde nicht zuletzt durchs Kino weltberühmt. Ich finde, Wien hätte dieses Potenzial auch.“

Auf einen Blick

Henning Backhaus stammt aus der DDR und wurde in Wien Schüler von Michael Haneke. Thiemo Strutzenberger ist Absolvent des Reinhardt-Seminars und spielt am Schauspielhaus Wien. „Local Heroes“ ist für beide ihr Filmdebüt. Ein Musikfilm über eine Band, der für Backhaus im Kern allerdings eher „das Porträt eines narzisstischen Charakters“ ist. Mit Michael Kranz, Laura Louisa Garde, Simon Schwarz.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.01.2013)

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