Junge Bälle: Von Sauschädel bis Gewichtheber

18.01.2013 | 18:33 |   (Die Presse)

Schräg hat Konjunktur: Man tanzt auf dem Sauschädl- oder dem Gewichtheberball. Neu ist der SchauSpielBarBall der Jungen Burg, der „sexy-freaky“ sein soll.

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Manche Dinge überraschen selbst die Veranstalter mit ihrem Erfolg. Einer dieser Überraschungshits ist die SchauSpielBar, erfunden von der Jungen-Burg-Chefin (und Hartmann-Schwester) Annette Raffalt für die jungen Teilnehmer des Theaterjahrs, damit sie nicht nur lernen, „wie man sich am Theater versklavt, sondern auch noch kreativ sein können“. Die Theaterjahrleute – und alle Gäste, die darauf Lust haben – dürfen an diesem Abend auf die Bühne, mit Musik, Tanz oder Gedichten, danach wird gefeiert.

Am ersten Abend 2009 im Vestibül mussten 50 junge Leute beim Eingang abgewiesen werden, beim zweiten 100. Inzwischen ist man ins größere Kasino am Schwarzenbergplatz übersiedelt, „aber immer noch müssen wir die Hälfte der Leute wegschicken“, staunt Raffalt. Da die SchauSpielBar erstens „so unglaublichen Anklang“ findet und der Deutschen Raffalt „das Ballfieber von Wien“ nicht verborgen geblieben ist, veranstaltet man am nächsten Freitag nun erstmals einen Ball – in abgewandelter Form. „Als Pilotprojekt“, mit weniger Beiträgen, danach einer Quadrille von Burg-Choreografin Daniela Mühlbauer. Es gibt eine Burgtheater-Tombola, eine Mitternachtseinlage, das schrägste Outfit wird prämiert. Dresscode: „nur nicht langweilig“, internes Motto: „Sexy-freaky“. 300 Karten waren zu haben, 20 gab es gestern noch.


Trashig, trachtig“ wird es heute, Samstag, auch beim Sauschädlball im Summerstage-Pavillon zugehen. Der Ball, der heuer zum vierten Mall stattfindet, geht auf einen steirischen Brauch zurück. „Wenn ein Bauer ein Schwein geschlachtet hat, dann haben sich seine Nachbarn einen Jux gemacht und den Sauschädel gestohlen. Der Nachbar musste den dann auslösen – und zwar mit einem Fest“, erzählt Oliver Schönsleben, der den Ball gemeinsam mit Roland Gombotz veranstaltet. Mittlerweile zieht der Ball rund 250 Besucher „zwischen 20 und 60 Jahren“ an, die in Tracht oder trashigen Versionen zu Balkanpop und dergleichen tanzen.

Zu den Höhepunkten zählen die „Stelz'npolonaise“, die von acht „Missen“ (Miss Gunst, Miss Achtung) angeführt wird, und die Wahl der Miss Sauschädl. Diese muss durch ihr Outfit und ihren Schmäh auffallen. Und ja, die Miss kann auch ein Mann sein. Quasi als Draufgabe wird um Mitternacht ein gekochter Sauschädel serviert. Im Preis (Abendkasse: 18 Euro) inbegriffen ist übrigens eine „Apfelpauschale“. Für diese können die Besucher so viele steirische Äpfel essen, wie sie wollen.

Noch ein Ball, der mit der glamourösen Wiener Welt der Walzer wenig zu tun hat, ist der Gewichtheberball. Das verrät schon die Location: das bodenständige „Schutzhaus Zukunft auf der Schmelz“ im Fünfzehnten. Statt einer feierlichen Eröffnungszeremonie mit Debütanten beginnt der Stemmerball – so nennen ihn die Kenner – traditionell mit einem Gewichtheberbewerb. Schließlich war der Ball stets zugleich Meisterschaft der Veranstalter, des KSC Argos/AK Hermann/Polizei SV Wien. Und danach? „Es gibt Tanz, eine Tombola, eine Playback-Show“, erzählt Gerhard Fuchs, der Vorstand von Argos. Statt Walzer gibt es „Stimmungsmusik“, statt Ballroben kann man auch in Jeans kommen. Als Mitternachtseinlage singen die Stemmer schon auch einmal in Frauenkleidern und Netzstrümpfen.

Und doch – oder gerade deshalb –, der Ball genießt Kultstatus. Von den gut 300 Gästen ist nur eine Minderheit tatsächlich Gewichtheber (oder mit einem solchen dort): „Es ist witzig, früher haben sich alle persönlich gekannt. In den letzten Jahren ist ein Kult um den Ball entstanden, voriges Jahr war eine Runde da, die extra aus Tirol angereist ist“, erzählt Fuchs. Ihn freut das, vor allem, weil die Vereine ohnehin nicht gerade von Nachwuchsstemmern überlaufen werden. Im Gegenteil. Für den Ball empfiehlt er trotzdem, Karten zu reservieren. Im Wiener Fasching sind die Stemmer schließlich Kult. tes/win/cim

Termine

Sauschädlball: 19.Jänner, ab 21 Uhr, Summerstage-Pavillon, AK: 18 Euro/VVK: 13 Euro

SchauSpielBarBall: 25.Jänner, ab 20.30 Uhr, Kasino am Schwarzenbergplatz, VVK: 18/15 Euro

Gewichtheberball: 2.Februar, Schutzhaus „Zukunft auf der Schmelz“, ab 20 Uhr, Eintritt: zwölf Euro

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.01.2013)

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2 Kommentare

Alles besser als Passivfussball

oder Medizinball intra venös. . .

Junge Bälle


passt irgendwie zum Bild :)

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