Klimaschutz „Marke“ Hollywood: Schwarzenegger und Bazookas

31.01.2013 | 17:43 |   (Die Presse)

Wartet nicht auf internationale Klimaabkommen, langweilt die Bürger nicht mit Zahlen, ruft Arnold Schwarzenegger auf der Umweltkonferenz seiner R20-Initiative in Wien Europas Politikern zu.

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Wien/APA. Arnold Schwarzenegger hat vor allem eines von Hollywood auf die Umweltkonferenz seiner R20-Initiative in Wien mitgebracht: Ein sicheres Gespür dafür, was Menschen hören wollen und was nicht. Klimaschutz müsse „sexy“ werden, forderte der Exil-Österreicher, der es in seinem Leben vom Bodybuilder und Action-Schauspieler bis zum Gouverneur von Kalifornien gebracht hat. Statt die Menschen mit Zahlen zu langweilen, müsse man ihnen konkrete Möglichkeiten aufzeigen, wie sie etwas für den Klimaschutz tun könnten. Verzicht sei dabei nicht unbedingt notwendig: „Ich fahre noch immer meinen Hummer, aber mit alternativem Treibstoff“, betonte Schwarzenegger.

Bundeskanzler Werner Faymann und EU-Kommissionspräsident Manuel Barroso verriet der frühere Republikaner sein „Erfolgsrezept“, wie er Kalifornien zum der „grünsten“ Bundesstaat der USA gemacht hat. Punkt eins: „Heraus aus der ideologischen Ecke. Es gibt keine liberale und keine konservative Luft, sondern wir atmen alle dieselbe Luft. Es gibt kein liberales und kein konservatives Wasser, wir trinken alle dasselbe Wasser“. Punkt zwei: Auf internationale Klimaschutzabkommen kann man zwar hoffen, aber sicher nicht warten. Das hinterlasse bei den Menschen nur das Gefühl, dem Klimawandel hilflos gegenüber zu stehen.

Seine Heimat Österreich konnte Schwarzenegger in seiner Rede gar nicht genug loben. Das Land sei „ein Held der Grün-Bewegung“. Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) mutierte in den Augen des 65-jährigen Altschauspielers gar zum „Real Action Hero“, der in Sachen Klimaschutz „keine Bazooka benötigt, um seinen Standpunkt zu unterstreichen“.

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Dann kam EU-Kommissionspräsident Manuel Barroso und setzte – rein rhetorischen – einen Kontrapunkt zu seinem Vorredner. In der Sache einer Meinung, tat der EU-Politiker genau das, wovor Schwarzenegger eben gewarnt hatte: Er warf mit Zahlen um sich. Barroso unterstrich, dass die Verbindung von Wirtschaftswachstum und Umweltschutz kein Widerspruch sei, sondern sogar ein Ausweg aus der Wirtschaftskrise sein könne. Ein konsequentes Umsetzen der Klimaziele bis ins Jahr 2030 würden etwa 4,5 Millionen „Green Jobs“ schaffen.

Doch trotz teils großzügiger Förderprogramme in manchen Staaten ist das Geld für Investitionen in erneuerbare Energien derzeit knapp, sagte Josue Tanakam, der für Energie zuständige Direktor der Osteuropabank EBRD. „Die meisten Regierungen legen ihr Augenmerk derzeit auf Wachstum und Beschäftigung.“  Wegen der Krise hätten die Staaten ihre Subventionen für Ökostrom zurückgefahren. Wegen der schwächeren Konjunktur sei auch die Nachfrage gesunken. Die EBRD investierte in den vergangenen Jahren elf Mrd. Euro in Klimaschutzprojekte und erzielte damit eine Reduktion der CO2-Emissionen von 50 Mio. Tonnen pro Jahr.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.02.2013)

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