Freundin erschossen? Mordanklage gegen Olympia-Star Pistorius

14.02.2013 | 19:02 |   (DiePresse.com)

Der südafrikanische Prothesenläufer soll seine Freundin erschossen haben. Es gibt Gerüchte über Notwehr oder einen Unfall, die Ermittler sprechen aber von Mord.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

Im Haus des südafrikanischen Prothesenläufers Oscar Pistorius wurde die Leiche der Freundin des Sportlers gefunden. Der 26-Jährige wurde verhaftet und steht unter Mordanklage. Das berichtete die Nachrichtenagentur AP am Donnerstag unter Berufung auf die südafrikanische Polizei. Pistorius soll der 30-Jährigen vier Schüsse in den Kopf und einen in den Oberkörper versetzt haben. Die genaueren Umstände des Zwischenfalls sind noch unklar. Ersten Medienberichten zufolge hat der Sportler die Frau für einen Einbrecher gehalten und sie aus Versehen erschossen. 

Mehr zum Thema:

Die aktuellen Entwicklungen legen jedoch nahe, dass die Behörden nicht von einem Unfall ausgehen: Die Staatsanwaltschaft werde sich gegen eine Freilassung auf Kaution aussprechen, weil es bereits in der Vergangenheit Berichte über "Familienstreitigkeiten im Haus des Beschuldigten" gegeben habe. Das sagte eine Polizeisprecherin am Donnerstag dem Fernsehsender eNCA. Berichte über einen Akt der Notwehr "kamen nicht von uns", hob sie hervor.

Immer wieder häusliche Gewalt?

Der tödliche Vorfall ereignete sich in den frühen Morgenstunden des Donnerstag: Die Polizei wurde um drei Uhr per Notruf verständigt, berichtet eine Sprecherin. Der Anrufer soll nicht Pistorius selbst gewesen sein.

Als die Beamten beim Haus des Sportlers in Pretorias bewachtem Nobelvorort Silverlakes eintrafen, wurde die 30 Jahre alte Frau gerade von Rettungskräften wiederbelebt. Die Versuche blieben jedoch ohne Erfolg, sie starb an Ort und Stelle. Am Tatort wurde eine 9mm-Pistole gefunden.

Pistorius hatte in der Vergangenheit offen darüber gesprochen, eine Waffe zu besitzen und gelegentlich mit einer Neun-Millimeter-Pistole auf einem Schießstand zu trainieren. Einem Reporter der "New York Times" erzählte Pistorius im vergangenen Jahr, wie er mit einer Waffe durch sein Haus gegangen sei, als die Alarmanlage irrtümlich losgegangen war.

EPA/STR

EPA/STR

Erster Behindertensportler bei Olympia

Bei der Getöteten handelt es sich um das Model Reeva Steenkamp. Medienberichten zufolge waren der Sportler und die 30-Jährige seit einem Jahr ein Paar.

Der beidseitig unterschenkelamputierte Oscar Pistorius ist einer der erfolgreichsten Behindertensportler weltweit. Neben sechs Paralympics-Goldmedaillen holte der Südafrikaner über 100, 200 und 400 Meter auch sechs WM-Titel und hält die Weltrekorde auf diesen Strecken. Im Sommer startete er als erster beidseitig amputierter Athlet auf Hightech-Karbon-Prothesen bei den Olympischen Sommerspielen in London.
REUTERS/David Gray/Files Archivbild: Pistorius bei einem 100-Meter-Vorlauf bei den Paralympics in Peking

REUTERS/David Gray/Files Archivbild: Pistorius bei einem 100-Meter-Vorlauf bei den Paralympics in Peking

Oscar Pistorius
Pistorius wird am am 22. November 1986 in Sandton/Südafrika durch einen Gendefekt ohne Wadenbeine und äußere Fußseiten geboren. Im Alter von elf Monaten werden ihm beide Beine unterhalb der Knie amputiert.

>>Mehr: "Blade Runner" Pistorius: Athlet für die Geschichtsbücher

Größte Erfolge:
- Paralympics 2004 in Athen: Gold über 200 m, Bronze über 100 m
- Paralympics 2008 in Peking: Gold über 100, 200 und 400 m
- Paralympics 2012 in London: Gold über 400 und 4 x 100 m, Silber über 200 m
- Weltmeisterschaften 2011 in Daegu: Halbfinale über 400 m

Olympische Spiele 2012 in London: Halbfinale über 400 m

Wichtige Entscheidungen:

14. Jänner 2008: Der Leichtathletik-Weltverband IAAF entscheidet, dass seine Karbon-Prothesen Pistorius Vorteile verschaffen und er deshalb nicht an den Olympischen Spielen in Peking teilnehmen darf.

16. Mai 2008: Der Internationale Sportgerichtshof CAS hebt die IAAF-Entscheidung wieder auf. Pistorius verpasst aber die sportliche Qualifikation für die Spiele in Peking.

8. August 2011: Pistorius wird zusammen mit dem Sprinter Jason Smyth als erster behinderter Sportler für eine Leichtathletik-WM nominiert

4. August 2012: Pistorius startet als erster beinamputierter Sportler der olympischen Geschichte bei den Spielen in London

(APA/dpa/AFP/AP/red.)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

  • Paralympics-Star unter Mordverdacht

    Bild:  c EPA THIERRY ROGE Der Prothesenläufer, 26, wird verdächtigt, seine Freundin mit vier Kopfschüssen in seiner Villa ermordet zu haben. Er beteuert jedoch, sie mit einem Einbrecher verwechselt zu haben.

Mehr aus dem Web

64 Kommentare
 
12

Is scho recht

und auch sicher bemerkenswert; ob jetzt absichtlich oder nicht.

Aber muss ein Mord der Südafrika passiert ist den Headliner machen? Ganz nebenbei passieren in SA sicher jeden Tag mehrere solcher Verbrechen.

Ich hätte einen Vorschlag: Schreibt doch einfach jeden Tag hin wieviele Kinder und Erwachsene einfach auf Grund unserer Agrarpolitik und unseres Lebenswandels am Vortag gestorben sind. Aber das ist ja weitaus nicht so interessant wie wenn ein carbonfüssiger Leichtathlet seine Frau erschiesst.

Vierfacher Kopfschuß...

Angesichts der weiteren Umstände ist kaum von Pistorius' Version auszugehen, er hätte einen Einbrecher vermutet.
Selbst wenn man seiner Version glaubt, ist es kaum nachzuvollziehen, wie ein Laie mit der Waffe in einer Stresssituation wie einem vermeintlichen Einbruch die Ruhe und Zielgenauigkeit hat, dem vermeintlichen Einbrecher viermal in den Kopf zu schießen.

Jeder andere hätte in einer ähnlichen Situation wohl zuerst dafür gesorgt den Partner in Sicherheit zu bringen und erst dann "auf die Pirsch" zu gehen.
Wohl ein Beziehungsdrama mehr, diesmal nur mit einem Prominenten...

Re: Vierfacher Kopfschuß...

Sie haben sicher recht, aber den Hausmeister in mir interessiert natürlich eine Sensation mehr.
keine Sorge, ich bleibe aber Au der Autobahn nicht als Schaulustiger stehen.

Bei seinem Beruf

hätt er auch weglaufen können.

Wer jemanden erschießt sollte auch die Laiche entsorgen

Der muss ja gewusst haben, das sie dann gefunden wird? Gibt es dort unten keine Flüsse mehr?

Re: Wer jemanden erschießt sollte auch die Laiche entsorgen

DER Laich, nicht DIE Laiche!

Re: Re: Wer jemanden erschießt sollte auch die Laiche entsorgen

Nau ein Pathologe?

Re: Wer jemanden erschießt sollte auch die Laiche entsorgen

Er soll seinen Laich im Fluss entsorgen?
Der Typ ist ein männlicher Mensch und kein weiblicher Fisch...

Re: Wer jemanden erschießt sollte auch die Laiche entsorgen

Dem haben sie anscheinend nicht nur die Beine amputiert...

Rauhes Klima in Südamerika

Bei der Kriminalitätsrate in diesem Land kann ich es nachvollziehen, wenn man nach dem Motto handelt "Erst schießen, dann fragen".

Aber vier Schüsse in den Kopf und einen in den Leib ? Das hört sich eher nach einer Hinrichtung als nach Selbstverteidigung an.

Re: Rauhes Klima in Südamerika

und noch rauheres in Südafrika, wo es passiert ist

Re: Re: Rauhes Klima in Südamerika

Ups, danke für die Berichtigung..

Re: Re: Rauhes Klima in Südamerika

hihi- man sollte Geschriebenes halt auch verstehen.... :)

6 2

Auch Versehrte

sind natürlich von menschlichen Regungen, wie Eifersucht z.B., oder Wut nicht gefeit.

Da er mehrere Schüsse abgegeben hat, weißt das eher in die Kategorie, nicht zufällig. Aber das werden die Gerichte hoffentlich klären können.

Im Zweifel für den Angeklagten.

3 34

Bei uns werden Jugendliche mit einem Kugelhagel in den Rücken überzogen, wenn sie sich nächtens in einen Supermarkt verirren.

Also, liebe User, schön die Füße still halten, denn was Polizeiwillkür und Alkohol im Zusammenhang mit Waffen (siehe Jäger etc. usw.) in Österreich angeht, dagegen ist Südafrika im wahrsten Sinne ein Entwicklungsland.

Re: Bei uns werden Jugendliche mit einem Kugelhagel in den Rücken überzogen, wenn sie sich nächtens in einen Supermarkt verirren.

Wer alt genug ist, um einzubrechen, ist alt genug, zu sterben. Berufsrisiko.

Das gilt auch und besonders in dem von Ihnen referenzierten Fall.

14 1

Re: Bei uns werden Jugendliche mit einem Kugelhagel in den Rücken überzogen, wenn sie sich nächtens in einen Supermarkt verirren.

na-pfoaaa-> einen dümmlicheren Kommentar habich auch noch nicht gelesen / Ihre Aussage macht mir allerdings klar, dass Sie offensichtlich nicht ganz so richtig ticken :) ( mein Beileid )

Re: Bei uns werden Jugendliche mit einem Kugelhagel in den Rücken überzogen, wenn sie sich nächtens in einen Supermarkt verirren.

waren Sie schon einmal in Südafrika ? für ihre Forschungen würde ich zum Beispiel Johannesburg empfehlen. Vielleicht fällt Ihnen ein kleiner Unterschied auf!

Re: Bei uns werden Jugendliche mit einem Kugelhagel in den Rücken überzogen, wenn sie sich nächtens in einen Supermarkt verirren.

Auch wenn Ihnen die Realität nicht gefällt: der Jugendliche damals war ein Einbrecher! Und wer sich solch eines schweren Verbrechens schuldig macht, muss damit rechnen, erschossen zu werden.

Re: Bei uns werden Jugendliche mit einem Kugelhagel in den Rücken überzogen, wenn sie sich nächtens in einen Supermarkt verirren.

Wo sind Sie denn zu fest mir Ihrem linxen Köpfchen angerannt?

Re: Bei uns werden Jugendliche mit einem Kugelhagel in den Rücken überzogen, wenn sie sich nächtens in einen Supermarkt verirren.

Sind Sie noch bei Sinnen?

gestern an der Bar

hab ich angeblich eine weisse Maus erwürgt.
Dabei war ich mir sicher, es wär der Kellner mit der Rechnung gewesen, es bleibt einfach zu vieles unklar.

Ebenfalls heute in Jo'burg passiert:

http://www.iol.co.za/news/chrysler-ceo-shot-in-bumper-robbery-1.1469928#.URzegfIp-sQ

Lesson learned: Bei Einbruechen oder Robot-Robberies entweder schnell abhauen oder schnell schiessen.

Re: Ebenfalls heute in Jo'burg passiert:

in einer Gated Communtiy mit Security uns Wachdienst in der Herr Pistorius residiert wird er sich schwer tun, andere zu überzeugen, warum er dort einen Strassenräuber vermutet hat.

Gated community

oft kolaboriert die Security oder domestic-staff mit den Raeuber ("inside job") oder die werden mit waffengewalt gezwungen, das Gate zu oeffnen.

Re: Gated community

Ja und die Erde ist eine Scheibe.
Viermal in den Kopf schießen klappt nur bei einer Entfernung von max. zwei Metern, weil sich das Opfer ja bewegt. Da sollte man aber seine Freundin schon erkannt haben.

 
12
AnmeldenAnmelden