Edita Gruberova: „Es war heute sehr emotional“

Die Primadonna der Koloratur, feierte ihr 45. Bühnenjubiläum – mit einem Konzert und einem späten Empfang im Hotel Bristol. Sie erntete begeisterten Applaus.

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In der Einladung ist noch 23 Uhr gestanden – aber das hat man in weiser Voraussicht schon im Vorfeld auf 24 Uhr abgeändert. Es war dann kurz nach Mitternacht, als Edita Gruberova die Treppen zum neu gestalteten „Garden Floor“ des Hotels Bristol herunterkam. Und, noch einmal an diesem Abend, begeisterten Applaus erntete.

Davor ist die 66-Jährige schon gut drei Stunden im Wiener Musikverein auf der Bühne gestanden, um dort, schon zum zweiten Mal, Bellinis „La Straniera“ zu singen. Doch diesmal war es wirklich ein Jubiläum: Auf den Tag genau vor 45 Jahren, am 18. Februar 1968, hat sie als Rosina im „Barbier von Sevilla“ in Bratislava zum ersten Mal vor Publikum eine Opernbühne betreten. Zwei Jahre später debütierte sie in Wien, als Königin der Nacht.

Und die Königin der Nacht war sie auch am Montag, als ihr Freunde und Künstlerkollegen immer wieder gratulierten, immer wieder zum Fotoapparat griffen. Er sei vor 31 Jahren ihr Erster Knabe gewesen, verriet ein Herr nach dem Handkuss. Parlamentspräsidentin Barbara Prammer überbrachte Glückwünsche; ebenso Werner und Martina Fasslabend, Hofburg-Chefin Renate Danler, Franz Patay vom Kunsthaus oder Bristol-Chef Gerald Krischek, der zum Empfang geladen hat und sich freut, wenn sein Haus am Ring als „Logenplatz zur Oper“ genutzt wird. Respektive zum Musikverein.

Es sei schon „sehr emotional“ gewesen an diesem Abend, resümierte Edita Gruberova also erfrischt und umgezogen in schwarzer Hose und Sakko kaum von ihren Gästen unterscheidbar. „Weil natürlich ein großer Tag, ein großes Jubiläum für mich. Und natürlich, das hat mich ein bisschen aufgeregt! Weil alle rundherum waren aufgeregt“, sagt sie und lacht, als wäre sie das junge Mädchen von damals.

Damals, da war sie 21, es war das erste Mal, „und da haben mir, glaube ich, die Knie ein bisschen gezittert“. Heute erlebe sie vor Auftritten stattdessen „eine wunderbare innere Anspannung, ich freue mich dann schon den ganzen Tag auf den Abend“. Zu Recht jedenfalls an diesem Jubiläumstag: „Ich qualifiziere das Publikum und es qualifiziert mich und ich glaub, wir haben uns sehr gut verstanden. Es war eine tolle Atmosphäre und es hat gestrahlt, das spürt man, das beflügelt einen. Dieses Geben und Nehmen ist herrlich.“


Geträumt habe sie von einer so langen Karriere nie. Am Anfang, „da denkt man an überhaupt nichts, da ist man froh, dass man glücklich von der Bühne runterkommt“. Und geplant habe sie ihr ganzes Leben lang nichts, „nichts kalkuliert oder irgendwie angestrebt. Es kam so wie es kam, ich hab's genommen, hab jahrelang viele kleine Rollen gesungen an der Wiener Oper, und dann kam der Durchbruch, die vielen Reisen, die vielen Theater auf der ganzen Welt. Aber ich habe mir nie zielstrebig gesagt: Das muss ich erreichen bis dahin.“

Heute sei sie „glücklich, dass ich das erleben kann, und noch in solcher Kondition“. Wie sie sich für die Anstrengung belohnt? Sie fahre gleich am nächsten Tag nach Hause nach Zürich, „und übermorgen nach Arosa, ein bisschen Winterurlaub machen“. Dann ist die Audienz zu Ende, und die Gruberova wendet sich dem Nächsten zu.

Zur Person

Edita Gruberova wurde 1946 als Tochter einer ungarischen Mutter und eines deutschstämmigen Vaters in Bratislava geboren. Schon der Pfarrer riet den Eltern zur musikalischen Ausbildung der Tochter. Der Einmarsch der russischen Truppen verhinderte ein Engagement in Leningrad – so kam die Sopranistin nach Wien, wo sie 1970 debütierte. Der Durchbruch kam 1976 mit „Ariadne auf Naxos“. Wien wurde zu ihrer Heimat; die Steuer vertrieb sie 1986 allerdings nach Zürich. Sie ist Mutter von zwei Töchtern und Großmutter.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.02.2013)

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