Natália Kelly: "Mama, sie singt die ganze Zeit!"

21.02.2013 | 18:33 |  von Teresa Schaur-Wünsch (Die Presse)

Wer fährt da eigentlich für Österreich zum Wettsingen? Natália Kelly ist noch Schülerin. Und sagt von sich: "Ich bin ein simpler Typ."

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Wann ist man alt genug, um vor einem internationalen Millionenpublikum aufzutreten? Im Fall des Songcontests: ziemlich früh. Junge Teilnehmer(innen) haben hier Tradition. Das kann gut funktionieren (Lena für Deutschland ) oder auch weniger (Nadine für Österreich). Nun kommt also Natália, Kelly mit Nachnamen, was wie ein Künstlername klingt, aber keiner ist: Der Vater ist Amerikaner, die Mutter Brasilianerin, die Oma stammt aus Linz.

Als Natália Kelly fünf war, bekam der Vater hier ein Jobangebot, „und wir haben uns gedacht, warum nicht unsere österreichischen Wurzeln erforschen?“ Seither wohnt man in Bad Vöslau. Jetzt sitzt Natália mit ihrer Mutter (und Managerin) im Café Westend und antwortet für eine 18-Jährige fröhlich und routiniert – wenn auch mitunter etwas vorgefertigt. Immerhin, Kelly arbeitet, wie sie mit Ernst erklärt, ja auch schon seit zehn Jahren an ihrer Karriere. Gesungen habe sie immer schon, erst Schlaflieder mit der Mama (erzählt die Mama), dann gemeinsam zu Céline Dion. Später habe sie die Lehrerin so lang bezirzt, bis die einen Kinderchor gründete. „Und als ich acht war, habe ich gesagt, dass ich es beruflich machen will“, sagt Kelly. (Die zweite Option, Tierärztin, fiel damals nach ein paar abschreckenden Spritzen für die Familienkatzen weg.)

Es folgten Klassikausbildung und Musical, Gitarre und Klavier, Kiddy Contest und die Kinder-Popgruppe „Gimme Five“; von da kennt sie auch ihren Produzenten, Alexander Kahr, der auch schon Christina Stürmer und Luttenberger*Klug als Kunden hatte. Er hatte auch die Songcontest-Idee. Erst war Kelly „unschlüssig“, dann füllte sie einfach das Formular aus.

In den Tagen, seit Freitagabend die Entscheidung fiel, hat sie bei der WM in Schladming gesungen, Radio- und Fernsehinterviews gegeben, ein bisschen gelernt und am Vormittag eine Mathe-Schularbeit geschrieben. „Ganz okay“, sei es gelaufen; Lehrer und Schulkollegen stünden hinter ihr. „Am Montag bin ich ein paar Minuten zu spät gekommen – und die ganze Schule hat schon mit Plakaten und Blumen auf mich gewartet!“

Kellys Mutter staunt, wie sehr die Tochter trotz all der Anstrengung ständig noch sprudelt. Oder singt. „Jukebox“ hätten Familie und Freunde sie immer genannt, sagt Natália Kelly. „Weil ich jedes Lied mitgesungen habe, egal, ob ich es kannte oder nicht.“ Mitunter zum Leidwesen des jüngeren Bruders, erzählt die Mutter. Der bat sie öfters, die Schwester zum Schweigen zu bringen. Er müsse lernen – „und sie singt die ganze Zeit!“

Durchaus auch auf Kosten der eigenen Noten. Ihr Lied „Shine“, erklärt sie, gefällt ihr, „weil es darum geht, dass man, wenn man hinfällt, wieder aufstehen soll. Das passt gut zu meinem Leben – ich hatte auch schon einige Rückschläge, wie jeder andere, und dunkle Zeiten.“ Gemeint sind damit nicht nur Troubles in der Teenagerliebe, sondern auch der doppelte Besuch der sechsten Klasse. Latein und Deutsch waren die Problemfächer. Inzwischen, so die Logik, sei sie froh, dass es so gekommen ist: „Sonst wäre ich jetzt im Maturajahr und könnte das nicht erleben.“

Ab Freitag wird nun am Konzept gearbeitet. „Es soll auf alle Fälle ich sein“, konstatiert Kelly. Sie sei eher „der simple Typ. Ich genieße es, oben zu stehen und zu singen, aber ich brauch nicht die große Show.“ Im März oder April folgt das Album: „Wie ,Shine‘: Pop, ein paar Sachen soulig angehaucht. Uplifting Songs!“

Zur Person

Natália Kelly (18) wurde in Hartford, Connecticut, geboren. Als sie fünf war, zog ihre Familie nach Bad Vöslau. Sie nahm erfolgreich an Wettbewerben teil, u. a. gewann sie 2011 bei „The Voice“. Am 14. Mai singt sie für Österreich im
ersten Halbfinale des Songcontests.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.02.2013)

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1 Kommentare

à

Wer in Österreich ein à aufm a bei Nat"á"lia braucht, der hat wohl nicht ganz verstanden, dass wir Provinztrottln eh wissen, auf welcher Silbe wir was zu betonen haben...
Tut's uns bitte nicht für blöder halten als wir sowieso sind... Har har har...

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