»Ich habe Anerkennung gesucht«

23.02.2013 | 18:36 |  von Rüdiger Sturm (Die Presse)

James Franco, viel beschäftigtes Multitalent, kommt im März gleich mit zwei Filmen ins Kino. Die Interviews dazu gibt er von seiner Uni in North Carolina aus - und erzählt dabei von geklauten Parfums, Zaubertricks und warum er sich immer wieder aus der Branche zurückzieht.

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Eigentlich sollte James Franco fürs Interview eingeflogen werden, aber dann blieb er doch lieber in North Carolina – an der Uni, von der er am Telefon erzählt. Und das, obwohl er mit seinen Rollen in „Die fantastische Welt von Oz“ und „Spring Breakers“ zu den viel beschäftigten Schauspielern im März gehört.

 

Sie sollen für Ihre Rolle als Zauberer von Oz tatsächlich Tricks gelernt haben.

James Franco: Regisseur Sam Raimi bestand darauf. Ich trainierte mit dem legendären Zauberkünstler Lance Burton, am Schluss konnte ich eine Flamme in meiner Handfläche in eine Taube verwandeln oder ein Kaninchen aus dem Hut zaubern. Leider merkte dann Sam, dass die Filmszenen, in denen ich die Ergebnisse vorführen sollte, zu lang waren, so wurden sie gestrichen.

Haben Sie eine Affinität zu Magie?

Ich bin kein Spezialist, aber ich weiß noch, dass ich ein Buch von Ricky Jay, einem der größten Magier im Bereich der Kartenkunst, verschlungen habe. Im weiteren Sinn bin ich von Fantasy stark geprägt. Der erste Film, den ich sah, war „Der dunkle Kristall“, und ich war so begeistert, dass mich meine Eltern noch ein paarmal hineinschleppten. Danach las mir mein Vater „Der kleine Hobbit” vor, was wiederum meine Begeisterung für Bücher weckte. Mit Tolkien und dann mit den „Oz“-Romanen von Frank L. Baum schuf ich mir im Geist meine eigene Fantasiewelt.

 

Sie sind auch in „Spring Breakers“ zu sehen, dessen Charaktere den Konventionen der amerikanischen Gesellschaft entfliehen wollen. Können Sie dieses Bedürfnis verstehen?

Ja, wobei die Figuren in erster Linie Party machen wollen. Sie flüchten sich in eine Konsumwelt – wie der Großteil des Landes. Aber ich kenne das Bedürfnis auszubrechen. Ich habe mich eine Zeit lang nur auf meine Karriere konzentriert, weil ich Anerkennung suchte, weil ich gemocht werden wollte. Aber so findest du keine Befriedigung. Das war auch einer der entscheidenden Gründe, warum ich mich phasenweise aus der Branche zurückgezogen habe. Ich schlug den entgegengesetzten Weg der „Spring Breakers“ ein – mein Fluchtweg wurde die Ausbildung. Deshalb ging ich zurück an die Uni.

Was machen Sie da jetzt gerade?

Am Warren Wilson College in North Carolina studiere ich Kreatives Schreiben. Einen Abschluss in Dichtung habe ich schon, aber weil ich so viel Spaß daran hatte, bin ich jetzt zurückgekehrt, um auch noch Prosa zu studieren. Außerdem möchte ich in Yale meinen Doktor in englischer Literatur machen.

 

Wenn man als gefeierter Filmstar wieder die Bank auf der Uni drücken muss, lernt man da Bescheidenheit?

Als ich wieder damit angefangen habe, ja. Da hatte ich nicht mal einen Bachelor. Die Studenten in meinen Seminaren waren alle viel jünger, da habe ich mich schon etwas unwohl gefühlt. Aber weil ich das Ganze unbedingt durchziehen wollte, habe ich mich damit abgefunden. Aber jetzt bin ich wesentlich fitter, und kann mich auf die Programme konzentrieren, die mich wirklich interessieren. Und das ist das reinste Paradies. Wobei ich hinzufügen muss, dass ich an verschiedenen Hochschulen in Los Angeles auch selbst unterrichte.

Aber die Konsumwelt, von der Sie vorher sprachen, fanden Sie nie verführerisch?

Nein, denn ich habe keine Lust, des Geldes wegen zu arbeiten, nur damit ich mir einen teuren Urlaub leisten kann. Wenn ich Geld brauche, dann nur, um mir meine künstlerischen Aktivitäten zu finanzieren.

Als Schüler haben Sie Parfums geklaut und an Klassenkameraden verkauft und wurden deshalb verhaftet. Wie lebendig sind diese Erinnerungen noch?

Ich denke darüber noch häufig nach; es war eine sehr schmerzvolle Zeit. Aber zum Glück habe ich es auf die andere Seite geschafft und kann darauf zurückblicken. Jetzt sind diese Erfahrungen wichtiges Material für mich; ich nutze sie für mein Schreiben und meine anderen künstlerischen Aktivitäten.

 

Sie sagten einmal, dass Sie vor lauter Aktivitäten keine Zeit für eine Familie hätten. Gilt das immer noch?

Streng genommen wäre ich in dem Alter, wo ich über Kinder nachdenken sollte. Aber ich habe immer noch viel zu viel zu tun. Und ich habe mich beruhigt: Vor Kurzem habe ich mit einem Kollegen gearbeitet, der Mitte 40 zum ersten Mal Vater wurde. So gesehen weiß ich: Ich brauche nichts überstürzen.

1978 wurde James Franco im kalifornischen Palo Alto geboren. Nach dem ersten Studienjahr beschloss er, Schauspieler zu werden.

2002 erhielt er für seine Rolle als James Dean einen Golden Globe; 2011 eine Oscar-Nominierung für „127 Hours“.

Im März ist er mit den Hollywood-Produktionen „Die fantastische Welt von Oz“ und „Spring Breakers“ zu sehen. Auf der Berlinale wurden drei weitere Produktionen von oder mit Franco präsentiert. Er führt Regie, schreibt und betreibt verschiedene Kunstprojekte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.02.2013)

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